MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

THE NOTWIST, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

The Notwist – Foto: Martin Schniz

Sonntags geht’s auf dem Maifeld immer schon früher los. Wir sind pünktlich um 14 Uhr vor Ort. Anders als in den Jahren zuvor ist allerdings keine Partyband zum Wachwerden gebucht, sondern eine weitere Solokünstlerin.

C'EST KARMA, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

C’est Karma – Foto: Martin Schniz

Die Luxemburgerin Karma Catena alias C’est Karma hat den undankbaren Eröffnungsslot und meistert diesen Job souverän, auch wenn ihr Laptop kurz in den Hitzestreik tritt. Mit ihrem elektronischen Alternative-Pop ragt sie aus der Reihe der Solomusikerinnen dieses Festivals heraus. Ihre knackigen Beats, die überraschenden Arrangements und eine tolle, leicht rauchige Stimme sichern ihr sofort einen Platz auf meiner Merkliste für zukünftige Konzerte. Der Start in den Sonntag ist gelungen.

CULK, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Culk – Foto: Martin Schniz

Auf der Biergarten-Bühne kann ich heute erfreulicherweise gleich mehrere verpasste Konzerte nachholen. Den Anfang macht das Wiener Quartett Culk, das mich mit klassischem Postpunk und dem lakonischen Gesangsvortrag von Sophie Löw natürlich sofort packt. Eine klassische Maifeld-Band, würde ich sagen. Auch textlich hoch spannend: Themen wie „Gewalt gegen Frauen“ packen sie in unprätentiöse, knappe Lyrics. Starker Auftritt.

DIVES, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Dives – Foto: Martin Schniz

Mit dem Trio Dives wird der österreichische Nachmittag fortgesetzt und ich kann eine weitere Lücke schließen. Schrammeliger bis verträumter Indie-Pop vom Feinsten. Ein bisschen kokettieren Dora De Goederen, Tamara Leichtfried und Viktoria Kirner damit, dass es gerade mal fünf Jahre her sei, dass sie sich auf dem „Pink Noise Camp“ kennengelernt und ohne große Kenntnisse eine Band gegründet hätten. Und nun stünden sie auf dem Maifeld Derby. Ihr verblüffend rudimentär gestalteter Hit-Song „Tomorrow“ mit dem unwiderstehlichen Gitarren-Loop ist für mich jedenfalls der zweite Maifeld-Ohrwurm (nach Sofia Portanets „Wanderratte“)

DAGOBERT, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Dagobert – Foto: Martin Schniz

Jetzt sind wir beim Gig-Blog ja wirklich Dagobert-Fans der ersten Stunde, bei seinem letzten Gig im Merlin hat er aber für mich seinen Zauber verloren. Und so schaue ich eher aus Chronistenpflicht an der Palastbühne vorbei, wo der schlaksige Schweizer (sekundiert von Kay Shanghai und Luis Ake) seine Schlager routiniert in den frühen Abend schmettert. Das kommt immer noch gut an und wird durch engagiertes Mitsingen belohnt. Für mich ist es nichts mehr.

DEWOLFF, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

DeWolff – Foto: Martin Schniz

Wir bleiben gleich an der Palastbühne und können so einen Platz in der zweiten Reihe ergattern. Von den Niederländern DeWolff habe ich zwar noch nie etwas gehört, die Mega-Vintage-Orgel macht aber neugierig und das Setup für ein klassisches Rocktrio verspricht Qualität. Das Feuerwerk, das die Brüder van de Poel und der Keyboarder Robin Piso dann aber abbrennen, haut mich glatt um. Das ist unfassbar intensiver Psychedelic Blues Rock, dargebracht in einer enormen Virtuosität und Intensität, mit allen klassischen Macho-Rockposen. Also ziemlich genau die Art von Musik, um die ich sonst einen großen Bogen mache. Und genau die Art von Überraschung, die ich am Maifeld so schätze. Ob es jetzt der harte Kontrast zum bisherigen Programm ist oder die ansteckende gute Laune der drei, für mich ist es der Gig des Tages. (Gibt’s übrigens nochmal am 20.10. im Wizemann)

Reverend Beat-Man, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Reverend Beat-Man – Foto: Martin Schniz

Als Ersatz für die erkrankten Dÿse wurde kurzfristig die Schweizer Ein-Mann-Band Reverend Beat-Man verpflichtet. Unter „Primitive Rock’n’Roll, Gospel und Blues Trash“ ordnet sich Beat Zeller, der auch Frontmann von The Monsters ist, selbst ein. Beim nächsten Mal im Goldmark’s bin ich auch sicher dabei, hier aber ist mir der Kontrast zu den Obervirtuosen DeWolff dann doch zu hart.

THE NOTWIST, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

The Notwist – Foto: Martin Schniz

Durch diesen wilden Ritt durch die Stile hat mein musikalischer Kompass wohl eine gewisse Fehlweisung bekommen, den trotz größter Bemühung, endlich meine ewige Lücke eines Notwist-Live-Gigs zu schließen, hält es mich nicht lange vor der (natürlich bestens besuchten) Palastbühne. Statt Weilheimer Perfektion, steht mir der Sinn nach Party und so pilgere ich ein letztes Mal in den Biergarten d’Amour.

Yīn Yīn, MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Yīn Yīn – Foto: Martin Schniz

Hier sind nämlich die Niederländer Yīn Yīn zugange. Und ihr exotischer Psychedelic Pop (in etwa wie Khruangbin auf Speed) ist genau die richtige Abschiedssause in dieser lauen Sommernacht. Auch wenn die Zahl der von Notwist Herüberwandernden überschaubar bleibt, die Stimmung ist brillant, die orientalischen Disco Beats bringen das Häuflein ordentlich in Wallung. (Wie gut, dass wir diese Kapelle am 10.10. in der Dieselstraße wiedersehen können.)

MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Foto: Martin Schniz

War das Jubiläums-Derby nun eine Notlösung oder hat es uns gezeigt, wie Festivals zukünftig aussehen werden? Beides ist richtig. Mit der beschränkten Zuschauerkapazität, sehr später Planungssicherheit und einem eingeschränkten Musikmarkt kann natürlich kein Programm früherer Größe und Qualität gebucht werden. Dennoch haben es die Maifeld-Macher:innen geschafft – wenn auch manches etwas improvisiert werden musste – die Qualität, die Atmosphäre und den Charme des Festivals zu erhalten. Und auch beim Booking die typische Handschrift fortzusetzen.

MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Foto: Martin Schniz

Eine kleines Beispiel: Um die Leere zu gestalten, wird kurzherhand ein THW-Laster eingesetzt, der nächstens eine Discokugel ausfährt und außerdem die Toiletten-Wagen mit Visuals beleuchtet. Kleiner Aufwand, große Wirkung.

Das so etwas trotzdem nicht ohne öffentliche Förderung finanzierbar ist, sollte jedem klar sein. Und vielleicht führt die Notsituation der Pandemie dazu, dass Förderer endlich den kulturellen Wert und den Imagegewinn eines anspruchsvoll kuratierten Festivals erkennen und auch zukünftig dafür Gelder locker machen.

MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Foto: Martin Schniz

Und was das Thema „Abstand und Hygiene“ betrifft: Da hatte das Maifeld Derby mit der kultigen Toilettenfrau Steffi eh schon immer eine konsequente Hygienebeauftragte – lange bevor es cool wurde. Dies und auch die Sicherheits- und Abstandsregeln tun dem Festivalvergnügen garantiert keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil.

Was alles hiervon übernommen wird, davon können wir uns dann beim elften Maifeld Derby überzeugen, das bereits bestätigt ist. Wir sehen uns vom 10. bis 12. Juni 2022.

MAIFELD DERBY, Tag 3, 05.09.2021, MVV-Reitstadion, Mannheim

Foto: Martin Schniz

Maifeld Derby

The Notwist

Yīn Yīn

DeWolff

Reverend Beat-Man

Dagobert

Oehl

Dino Brandão

Dives

Anaïs

Culk

C’est Karma

Beach Towel

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