THE TORBEN DENVER BAND, 17.04.2015, Rakete, Stuttgart

TorbenDenverBand

Foto: X-tof Hoyer

Für die islandophile Fraktion in unserem Blog isses nix Besonderes, aber für Madame P. und mich ist das heute Abend ein wenig so, wie wir uns vorstellen, dass das Iceland Airwaves sein müsste. Oder halt Primavera Stuttgart, was unseren mediterranen Popvorlieben vom Namens-Ding her eher entspricht. Gerade war man noch im Second Records beim Instore-Gig von Locas In Love und Gold, eine Prog-Rock-Songlänge später (ca. 30 Minuten) nun in der Rakete, bei der bisher schon sehr geschätzten The Torben Denver Band.

Schon gut was los hier als wir gegen 23 Uhr auftauchen. Und keine halbe Prog-Rock-Songlänge später (selber ausrechnen) geht es auch schon los. Einen Neuzugang haben die nun auf sieben angewachsenen Torbens zu vermelden: Elvis Brettschneider, hauptberuflich Sänger und Gitarrist bei den ebenfalls sehr tollen The Tremolettes. Madame P. meint, ich solle gleich mal das sehr stylische Hemd des jungen Herren positiv erwähnen. Grunge-Hemd mit eingenähten Glitzerelementen sieht man eben nicht so oft.

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Foto: X-tof Hoyer

Nicht so oft zu hören, ist die Musik der TTDB. Also einerseits von ihnen selber, aber mehr Auftritte in Zukunft sind geplant, anderseits auch stilistisch betrachtet von anderen Bands. Anspruchsvoller, harmonie- und melodietrunkener Pop für unsere Generation, für die Videotext immer noch wie ein unfassbares Science-Fiction-Tool wirkt. Und was sich heute Abend zeigen wird ist, dass die Band sowohl kompositorisch als auch in der Live-Darbietung einen Riesensprung nach oben gemacht hat.

Der Opener „Grande“ hat in seiner Mischung aus jazzigen Verspieltheit und luftigem Pop gleich mal etwas Free Design artiges. Wie könnten wir davon nicht sofort angesprochen sein? „Think We Are Alone Now“ ist ebenfalls ein neues, noch nicht veröffentlichtes Stück, das trotz aller anspruchsvollen Harmonie- und Melodieführung sofort ins Ohr geht. Retro- meets Soft-Pop, egal wie man es nennen möchte, es trifft zu 100 % exakt unseren musikalischen Nerv.

Die Band spielt mittlerweile viel tighter als noch die ersten Male, als ich sie gesehen habe. Der Sound ist trotz ab und an auftauchender Soundprobleme gut, man hört alle Instrumente gut und angenehm laut heraus. Und die sind wohltuend miteinander arrangiert. Die oft sehr hervorstechende Querflöte, das dezente Orgelspiel, das verspielte Gedrumme, der recht straighte Bass, die zwei Gitarren und oft auch zwei Stimmen, wie leicht wäre es den Gesamtsound aus einer Überambition heraus absaufen zu lassen. Aber hier ist alles an der richtigen Stelle, dient dem Song, alles angelehnt an die 70er, als opulente Arrangements mit Orchestern für Pop-Bands Standard waren.

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„Leaving All My Monsters“ vom Debütalbum „Gold“ ist anfangs das einzige Liedgut der ersten Platte. Hat mittlerweile schon die Vertrautheit eines liebgewonnen Pophits, und zeigt in der Version heute Abend, um wie viel besser und dynamischer die Band live geworden ist.

„Nobody Loves Me“ hat neben den tollen Melodien einen fantastischen Harmonieübergang, der in den Tonartwechsel zur zweiten Songhälfte hinüberleitet. Der nach Überraschungen in der Musik suchende Musikhörer kommt hier ebenso auf seine Kosten, wie derjenige, der einfach nur schöne, federleichte Popmusik hören will. Die beiden folgenden Lieder der frisch veröffentlichen Single unterstreichen dies noch mal. „Baltimore“ finde ich als großer „The Wire“ Fan schon mal vom Titel her super, aber vom Song her, ein flotter Popohrwurm, umso mehr. Die B-Seite „Sue“ hat einen leichten Bossa-Touch, und überzeugt ebenfalls total. Die Vinyl-Single kann man seit heute kaufen, sollte man auch.

Das starke Songwriting der neuen Songs zeigt sich auch darin, dass das Todd Rundgren Cover „I Saw The Light“ im Set nun gar nicht mehr so heraussticht, wie es das früher tat. Spitzenhit natürlich, aber die eigenen Sachen sind mittlerweile so gut, dass es einfach nur ein weiterer Höhepunkt von vielen ist. Wie z.B. das nachfolgende „Honeymoon“ mit sehr tollem countryeskem Rocksolo vom „Neuen“.

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Foto: X-tof Hoyer

Was den Abend ebenfalls so gelungen macht, ist die Tatsache, dass man vor allem Sille und Tobi anmerkt wie locker und wohl sie sich da vorne fühlen. Da gibt es keine langen Pausen zwischen den Songs und es wird viel gelungen gewitzelt. Tobis Spruch, nachdem bei „I Saw The Light“ sein Gitarrensolo nicht zu hören war, dass er nun den Verstärker auf das noch nie erreichte Level „3“ hochdreht, hat das Zeug zum Klassiker. „Alle Regler auf 3“, als Synonym für den ultimativen Rock’n Roll Orgasmus.

Auch schön, dass die neuen Songs Silles Stimme eine größere Varianz abverlangen, was sie mühelos hinbekommt. Fein, eine weitere Facette des Qualitätssprungs der TTDB. Genau wie das leicht funkige Fusionelement in „Spinning Around“ in der Strophe, welches sich in einem schönen Refrain auflöst. Und da wir gerade eh schon bei neuen Aspekten sind, es gibt auch einen neuen deutschsprachigen Song. Sehr ungewöhnlich, da ein deutschsprachiger Text in Verbindung mit dieser Pop-Spielart erstmal ungewöhnlich klingt. Aber funktioniert!

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Die letzten Stücke inklusive der drei Zugaben sind dann alles Stücke des Debütalbums mit u.a. „Wife In Pieces“, „Garden“ und „New Hare“. Zeit um noch mal zu konstatieren, wie sehr sich die Band weiterentwickelt hat. Schöne Stücke, keine Frage, aber was sich schon beim ESxSW-Festival vor anderthalb Jahren angedeutet hat, ist nun klar. Die neuen Lieder und die Weiterentwicklung des Stils sind grandios gelungen. Man verlässt den Abend mit dem wohligen Gefühl, dass hier Musik gespielt wurde, die zeigt, dass es da „draußen“ tatsächlich doch Leute gibt, die einen verstehen und die selbe musikalische Sprache sprechen.

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Ein Gedanke zu „THE TORBEN DENVER BAND, 17.04.2015, Rakete, Stuttgart

  • 19. April 2015 um 11:10
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    Großartiger Auftritt und super Text & Bilder! <3 Magic Moments.

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