STABIL ELITE, 18.09.2012, Manufaktur, Schorndorf

Stabil Elite

Foto: Steffen Schmid

Stabil Elite sind eine junge Band aus Düsseldorf, die sich den Sound der 70er und 80er genau dieser Stadt ganz dick auf die Fahne geschrieben haben. Auf der ersten Single namens „Gold“ aus 2011 befindet sich das Stück „Krautkamerad“, welches eine klare Ansage ist, und dazu noch sehr gefällt. Krautkamerad hier anhören. Schön zu sehen, dass sich mal eine deutsche Band an den extrem prägenden Sound von Düsseldorfer Bands wie Neu!, Kraftwerk oder DAF wagt. Kennt man ja eher aus GB oder den USA. Das Debüt „Douze Pouze“, für das die gleiche Empfehlung gilt wie für die erste Single, erschien dieses Jahr, und wird derzeit Deutschland weit betourt. Ich gehe davon aus, dass es die erste größere Tour der Band ist, daher ist die Manufaktur heute mittig abgehängt – es ist nicht viel los, leider.

Im Innenleben der „Douze Pouze“ sind geschmackvolle Bilder von Speisen und Getränken abgebildet, neben einem Trio von Twentysomethings. Auf der Bühne haben wir 5 Kerls – ein amtliches Rockoutfit. Ich bin eher von 3 Musikanten an 3 kleinen Maschinchen ausgegangen, extrem reduziert wie eben Kraftwerk oder DAF live. Noch was: Die Jungs wirken auf der Bühne nochmal minus 5 Jahre – sehr jung. Entsprechend rockig ist der Sound, und es wird tatsächlich getanzt. Wenn auch nicht ganz freiwillig wie es aussieht. Die Stadt Schorndorf lässt ein Werbefilmchen über sich drehen, und schickt eine Gruppe Models los, die gerade das Kulturangebot der Stadt nutzen, und zu rockigen Krautrockklängen tanzen. Ein Bild das Stabil Elite von der Bühne aus auch noch nicht gesehen haben werden. Ein relativ leerer Saal, direkt vor der Bühne ein wenig homogener Haufen Dörfler, die beim Tanzen und vermeindlichem Spaß haben gefilmt werden. Im Hintergrund: Große Titten und Hitler. Clubbing unter der Woche in Schorndorf wie wir es alle kennen und lieben.

Ach so, wieso steht da jetzt „Titten“ und „Hitler“? Die waren tatsächlich da, denn die Band lässt zum Auftritt einen Russ Meyer Film laufen, in dem neben diversen Titten auch ein gar nicht so schlecht gedoubelter Hitler mitspielt. Passt alles noch zum Thema, Russ Meyer war ja deutschstämmig.

Stabil Elite

Foto: Steffen Schmid

Stabil Elite spielen ihre wirklich durch die Bank guten Lieder extrem geschmackvoll runter. Von den obigen Tonträgern bekommen wir einiges zu hören, „Gold“ wird super dargeboten, auch die instrumental Stücke, sehr sauber, die Trademarks des „Kraut“ Sounds werden ausgepackt wie der motorik Beat, den Klaus Dinger von Neu! zwar nicht erfunden haben will, aber es trotzdem getan hat. Der Gitarrist fällt besonders auf, nicht nur wegen des etwas seltsamen Outfits, auch weil er richtig spielen kann, und gelegentlich bluesig und auch psychedelisch wirkende Parts aus der Gitarre kitzelt. Das stark an DAF erinnerde „Der Mann auf der Kutsche“ bleibt mir noch im Gedächtnis. Sehr gut das alles. Einziger Kritikpunkt: Die beiden Hits „Krautkamerad“ und das düstere „Expo“, auf dem die Jungs wesentlich älter wirken, als sie tatsächlich sind fehlen, wenn ich mich nicht täusche und gerade Bier holen oder anderweitig abgelenkt war. Ewiges Ärgernis wenn Stücke auf die man sich freut auf Konzerten nicht gespielt werden. Schmälert nicht die Leistung der Band. Wir wollen hoffen, dass bei der nächstenTour mehr los ist, denn eigentlich will man ganz und gar freiwillig zum Sound von Stabil Elite tanzen, es sieht nur komisch aus im relativ leeren Raum.

Stabil Elite

Foto: Steffen Schmid

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