HODJA, 04.03.2020, Café Galao, Stuttgart

HODJA, 04.03.2020, Café Galao, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

„Every day I pray for rescue…“ singt Gamiel Stone ins Mikro. Mögen diese Worte erhört werden, ein ruhiger Moment in dem Song „Not Karma“, bei dem die sonore Bassstimme des Sängers sanft dahinfließt. Das Oberteil seines Overalls hat Gamiel Stone mittlerweile auf Hüfthöhe heruntergezogen. Es ist ein sehr schweißtreibend-intensives Kammerspiel auf kleinster Bühne, welches das Trio von der ersten Minute des Konzertes an im Stutgarter Café Galao liefert.

Schon „Wool Sweaters“ kommt gleich mit einem Peitschenschlag daher, leicht bluesig das Gitarrenspiel von Tenboi Levinson. Aber auch nur ganz leicht, denn der Energielevel wird bei „Hodja“ sehr hochgehalten. Das amerikanisch-dänisch-deutsche Trio vereint einen Crossover an allen Stilen, die nach vorne boxen – Stoner Rock, Metal, Post-Core, dazwischen staubtrockener Americana und rauchigem erdigem Whiskey. Wer das nicht mag, für den gibt es noch tanzbare Hip-Hop Beats dazu.

HODJA, 04.03.2020, Café Galao, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Gamiel Stones Energielevel hängt auch sehr hoch. Er ist einiges in Personalunion: Sänger, der in seinem Bühnenbereich tänzelt, die Hüften zu schwingen weiß und eine Art Voodoo-Zauberer und Prediger, der ausdrucksstark mit intensivem Blick Geschichten zu erzählen hat – ohne dass es aufdringlich oder indoktrinierend wirkt. Sein Entertainment kommt auch nicht zu kurz. Mit seinem Overall erinnert er mich etwas an die schmalere Version von B. A. Baracus aus dem A-Team. Man kann sich von all dem verzaubern lassen. Ganz nah an der Bühne stehend, auch noch die heilende Wirkung des Kunstnebels inhalieren, nachdem anfangs so liebevoll noch die Nebelmaschine aufgestellt wurde.

HODJA, 04.03.2020, Café Galao, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Der Tanz auf dem Vulkan geht immer weiter. Der Sound hat eine Wucht, ist niemals überlappend und scheppernd. Ich muss mich gelegentlich vergewissern, dass es auch noch zwei Instrumentalisten gibt – mit Tenboi Levinson, der unverschnörkelte schnittig-kantige Gitarrenriffs liefert und F.W. Smolls am Schlagzeug, die sehr eingespielt sind und das Fundament legen. Die Songs halten immer wieder Brüche und Wendungen bereit, loten Grenzen aus und das macht auch spannend. So richtig kann man sich nie sicher sein, was als Nächstes kommt. Der Gesang von Gamiel Stone gleitet mal gospel-soulig weich dahin, peitscht im nächsten Moment wie bei “On and On“ hoch wie eine Cobra, wandelt sich zum hip-hop-artigen Sprechgesang. Der Unterschied zwischen Schreien und Brüllen ist zwischenzeitig dann auch nur ein minimaler. Wer möchte, für den gibt es noch Pogo zum Schluss. Die gelieferte Energie der Musiker bietet es an, sich einzuhaken und mitreißen zu lassen.

Welchem Umstand es auch immer zu verdanken ist, dass das Trio heute im Galao spielt, es ist ein sehr guter. Denn nächste Woche werden „Hodja“ noch im Reutlinger Franz K. auftreten. Für mich war es eine gute Entscheidung ins Galao zu gehen. Und mit dieser Entscheidung stehe ich sicher nicht alleine da.

HODJA, 04.03.2020, Café Galao, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

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