ASH, 25.02.2020, Universum, Stuttgart

Ash

Foto: Steffen Schmid

Es war 2004, als ich mich auf mein erstes Ash-Konzert freute. Obwohl der Britpop-Hype schon deutlich abgeklungen war, liefen die Alben von Ash in meinem CD-Player (diese kleinen silbernen Scheiben, die Älteren werden sich vielleicht erinnern) noch immer auf Heavy Rotation. Ash waren ja eigentlich auch nie so richtig Britpop. Die Band aus Belfast wurde aber wie fast alle Gitarren-Rock-Bands aus dem United Kingdom der späten 1990er von den Labels als Britpop vermarktet. Verkaufte sich wohl besser so. Soundtechnisch waren sie näher an amerikanischen Band wie Weezer, aber eigentlich ist das auch egal. An den 26. Juni 2004 kann ich mich deswegen so gut erinnern, weil ich Ash bisher immer verpasst hatte und auch diesen Auftritt beinahe nicht gesehen hätte. Es war ein Samstag Vormittag auf dem Zeltplatz des Southside-Festivals. Gerade wurde diskutiert, ob man nicht schon den Grill anwerfen sollte, zwecks Frühstückzubereitung, warum auch nicht, als eine ungeschickt rumliegende Glasscherbe mich dazu überredete in Richtung Sanizelt zu humpeln. Schnell ein Pflaster holen, keine große Sache. Das sah die Rote-Kreuz-Helferin wohl anders, die nach Anblick meines Zehs erstmal ihren Chef rief, der mich dann kopfschüttelnd an den diensthabenden Notarzt verwies, der sich aber, wie sich rausstellte, nur für wirkliche Notfälle zuständig fühlte und einen Zeh zu nähen, fiel nicht in sein „Leben und Tod“-Spektrum. Also 10km Krankenwagenfahrt ins Klinikum, zu den anderen acht Leuten mit Festival-Bändel am Arm, die da bereits in der Notaufnahme saßen. Die Zeit im Wartezimmer verging so zäh wie das Nackensteak, das inzwischen hoffentlich jemand vom Grill genommen hatte und der Blick auf die Uhr änderte sich mit jeder Umrundung langsam von „Alles easy“ zu „Fuck, ich sitze hier immer noch und Ash spielen doch gleich“. Long story short, der Trip um „schnell ein Pflaster zu holen“ dauerte gut 5 Stunden aber ich stand trotzdem gerade so zum ersten Akkord vor der Bühne. Puh.

16 Jahre später also zum zweiten Mal Ash live für mich. Anders als für den angetrunkenen Nordiren, den ich nach dem Konzert kurz treffe und der einen „perfect evening“ hatte. Er sei 10km von der Gründungsstätte der Band aufgewachsen, lebe inzwischen aber in Stuttgart und sieht sie heute zum 22. mal oder so. Grüße!

Social Animals

Foto: Steffen Schmid

Im Vorprogramm spielten „Social Animals“, eine junge amerikanische Band deren Sound man wohl dem momentan anlaufendem Comeback der Nullerjahre zuordnen kann. Man ist an The Killers erinnert, wartete aber vergeblich auf ein Mr. Brightside. Das war okay, mehr nicht, aber sie sind ja noch jung.

Wenn man die Altersstruktur des Publikums betrachtet, muss man konstatieren, allzu viel neue Fans haben Ash seit den Nullerjahren nicht dazu gewonnen. Deutlich mehr Leute über 40 als unter 30. Oder sagen wir es so: die meisten haben ihr Handy beim filmen quer gehalten. Es war ein Abend voller Nostalgie, voll warmer Gedanken an eine schöne Zeit. Aber das ist wohl auch normal wenn eine Band auf 25-Jahre-Jubiläumstour geht. Selbst wenn Sie in dieser Zeit nie weg war und regelmäßig neues Material veröffentlicht hat. Eine atemraubende Menge an Hits haben Ash über die Jahre angesammelt und kaum einer fehlte. Songs wie „Angel Interceptor“, „A Life Less Ordinary“ und „Shining Light“ im ersten Viertel eines Konzertes rauszuhauen, ohne einen Abbruch im Set zu haben, das muss man erstmal hinkriegen. Songs, die es schaffen den Klang der Jugend einzufangen. Aber wie lange kann eine Band im Teenageralter bleiben? Na mindestens 25 Jahre wie es scheint.

Ash

Foto: Steffen Schmid

Aus einem „harten Kern“ von ein paar gereckten Armen wurde im Laufe des Abends ein kleiner Hüpfkreis der sich bei „Kung Fu“ zum ersten mal zu einem größeren Schubskreis ausweitete. Alles ganz gesittet natürlich, ohne jugendlichen Übermut. Den zeigte am ehesten noch Bassist Mark Hamilton, der mit besten Skate-Punk-Posen die volle Tiefe der immer etwas unförmigen Bühne des Universum auszuloten wusste und auch mal auf den Tresen stieg um diesen zu erkunden. Zumindest soweit wie es sein Kabel zuließ. Sänger Tim Wheeler war weniger für solche Spielereien zu haben, wenn er nicht seine Gibson Flying V spielte, hat er bestenfalls mal die Leute beim mitsingen dirigiert („Oh Yeah“). Schlagzeuger Rick McMurray saß ganz hinten und ging am unaufgeregtesten seiner Arbeit nach. Als Drummer sitzt man im Uni aber auch ziemlich weit ab vom Schuss (siehe: unförmige Bühne).

Ash

Foto: Steffen Schmid

„Walking Barefoot“, „Jack Names The Planet“, „Girl From Mars“, es fehlte wirklich nichts an diesem Abend. Viele kannten die Texte, jeder konnte sich zu den Liedern bewegen. Und am Ende noch „Burn Baby Burn“, einer dieser perfekten Rock-Songs die in dreieinhalb Minuten alles drin haben, was man zum glücklich sein braucht. Und damit wurden die vierzigjährigen Teenager im Uni nach guten 80 Minuten in die Nacht entlassen. Hach…

Ash

Foto: Steffen Schmid

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