EELS, CHAOS CHAOS, 31.08.2019, Im Wizemann, Stuttgart

Eels

Foto: Steffen Schmid

„Gibt es eine Vorband?“ ist eine oft gestellte Frage wenn man sich in Richtung eines Konzertes aufmacht. Eine Vorband hatten Mark Everett, der Mann der „E“ genannt wird, und seine Band Eels an diesem Tag mitgebracht und eine auf den ersten Blick gar nicht so passende. Denn musikalisch scheint das New Yorker Synth-Pop Duo Chaos Chaos nicht allzu viel mit den Eels gemein zu haben. Doch auf den zweiten Blick passt es sehr gut. Denn es gibt eine vielleicht etwas obskure, aber doch eindeutige Verbindung, und zwar über den Vater von Mark Everett. Kurz durchhalten werte Leserïnnen, es geht gleich weiter mit Musik, nach diesem kurzen Ausflug in die Welt der Quantenphysik und des Zeichentrickfilms: Der Physiker Hugh Everett III hat Ende der 1950er Jahre mit der sogenannten Viele-Welten-Interpretation eine grundlegend andere Interpretation der Quantenmechanik aufgestellt als die bis dahin gängige „Kopenhagener Deutung“ von Bohr & Heisenberg. Auf jeden Fall besagt diese, sehr vereinfacht ausgedrückt, dass es unendlich viele parallele Welten gibt. Die sehr gute Adult-Swim-Serie Rick & Morty zum Beispiel basiert komplett auf der Idee des sogenannten Multiverse. Wissenschaftler Rick reist mit seinem Enkel Morty durch die parallelen Universen und erlebt, sehr vereinfacht ausgedrückt, aufregende Abenteuer. Und für den Soundtrack von Rick & Morty wurde nicht nur ein Song von Chaos Chaos verwendet, die Band hat einen weiteren Song extra für die Serie komponiert. Verbindung hergestellt, Geek-Blog Ende, weiter im Gig-Blog.

Chaos Chaos

Foto: Steffen Schmid

Eine andere, naheliegendere Verbindung: die beiden Schwestern Asya und Chloe Saavedra von Chaos Chaos waren bereits vor über 10 Jahren schon, damals noch unter dem Namen Smoosh, zusammen mit den Eels auf Tour. Man kennt sich also. Und musikalisch passte es eben dann doch auch besser als gedacht. Nur mit E-Piano, Gesang und Schlagzeug kommt der Sound der beiden Live auch mit deutlich mehr punch rüber als im Stream. Es ist eine interessante Mischung aus reduzierten Twee-Pop, Piano-Balladen und Indie Rock, irgendwo zwischen den frühen Metronomy und Tegan & Sara, die in einem Paralleluniversum ein Post-Rock-Album aufgenommen haben.

Vom „Triumphant Return of Eels“ und den „World’s Number One Entertainers“ war auf den Tourankündigungsplakaten der Eels zu lesen. Es ist sicher auch ironisch gemeint, ganz falsch ist es aber auch nicht, wie das gut 100 Minuten dauernde Konzert zeigen wird. Die Druckluft-Tröten mit denen E und seine drei Mitstreiter auf die Bühne kamen, geben den Start frei für… erstmal drei Coverversionen. Weil warum nicht. Zumal die Band sich die Songs von The Who („Out in the Street“), der Country-Sängerin Bobbie Gentry („Mississippi Delta“) und Prince („Raspberry Beret“) komplett zu eigen machte, den Originalen aber trotzdem gerecht wurde. „Bone Dry“ vom letztjährigen Album „The Deconstruction“ war dann der erste wirklich eigene Song. Knochentrocken der Sound, ganz im Gegenteil zum humiden Klima in der Halle, das auch E anspricht. Im Laufe des Abends wird er seine zugeknöpfte Jeansjacke aber trotzdem kein Stück weiter öffnen. Aber das Tempo nimmt er nach der fulminanten Eröffnung erstmal etwas raus. Mit „Are you ready to soft rock?“ wird das aus dem Shrek-Soundtrack bekannte „I Need Some Sleep“ angekündigt.

Eels

Foto: Steffen Schmid

Kontraste machen ja auch ein gutes Set aus und so zieht das Tempo natürlich auch wieder an. „I’m old as fuck, and I still rock. What am I going to do? Not rock?“. Das ist keine Option, für niemanden. Einige der älteren Hits wurden in neuen Versionen gespielt, wie z.B. „Novocaine for the Soul“, das in den letzten Jahren oft gar nicht mehr im Programm war, kam in einer sehr fiebrig-klebrigen Version daher, der flüffige kleine Pop-Song „I like Birds“ wurde derart Ramones-esk runtergerotzt, dass man fast von Ornithologen-Punk sprechen kann.

Das Ritual, die Band ausführlich vorzustellen, gibt es seit jeher bei den Eels. Auch diesmal. Mit Name, Sternzeichen und einer kleinen Anekdote aus ihrem Leben. Der neue Drummer Little Joe sogar mit einem eigenen kleinen Lied. Im Mittelpunk stand an diesem Abend aber Gitarrist Chet Lyster, der Geburtstag hatte und seine Geschichte von dem seit seinem 14 Lebensjahr unerfüllten Wunsch nach einem Moped handelte. Welcher an diesem Abend von seinen Bandkollegen erfüllt wurde, und so kam ein Kreidler-Moped unter den Happy-Birthday-Gesängen des Publikum auf die Bühne geknattert.

Bei anderen Bands würde eine zehnminütige Spielpause sicher ein Loch in den Auftritt reißen, doch das war alles sehr unterhaltsam und kurzweilig. Vielleicht sind das wirklich „the World’s Number One Entertainers“.

Eels

Foto: Steffen Schmid

Neben den launischen Ansagen („you don’t want this to be the night I die onstage, but just in case it is, keep your phones rolling”) und der gut eingespielten Band muss auch noch das Bühnenbild erwähnt werden. Ein schwarz-geraffter Vorhang hinter der Bühne, 6 große einfache runde Scheinwerfer. Mehr ist es nicht. Aber dazu dann eben ein Lichtprogramm dass immer die richtige atmosphärische Unterstützung liefert. Mal nur ein heller Spot von unten auf den Sänger, mal die Bühne komplette in Blutrot. Ein so simpler aber doch so oft vergessener Aspekt für ein gutes Konzerterlebnis. Und ein Erlebnis war dieses Konzert auf jeden Fall und auf jeder Ebene.

Eels

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