TWEAK BIRD, 10.06.2013, Schocken, Stuttgart

Tweak Bird, Schocken, Stuttgart

Foto: Michael Weiß

So direkt aus meiner eigenen Jugend kenne ich sie nicht, solche Brüderpaare mit schlechtem Leumund. Aber aus Literatur und Film gibt es ja genügend Beispiele ( von denen mir natürlich gerade kein passendes einfällt) von irgendwelchen Brüdern, denen man besser nicht zu nahe kommt, weil sonst ganz schnell aus nichtigem oder gar keinem Anlass Haue droht. Die Brüder Bird (nicht zu verwechseln mit den deutschen Langeweile-Polit-Brüder der Vogels) haben Bariton-Gitarre und Drums gewählt, um uns nach Strich und Faden zu verprügeln. Und wir sind begeistert.

Die beiden unfassbar jung aussehenden Langhaar-Stylos kommen so gegen viertel vor zehn auf die Bühne des recht gut gefüllten Schockens. Eine Stimme vom „Band“ wiederholt andauernd „Everyone is paranoid“, dazu gibt’s etwas Schlagzeuggeraschel und Gitarreneffekte, bevor das Riff den Song eröffnet. Und zwar mit einer Urgewalt, die einen sofort fesselt.

Jetzt, wie beschreibt man am besten, was die Beiden da veranstalten? Die Bariton-Gitarre fungiert als Bass und Gitarre gleichzeitig, ist schön verzerrt, und aus ihr wird ein Mörder-Riff nach dem anderen herausgeholt. Das Schlagzeug wiederum ist ein Spektakel für sich. Der berserkert alles in Grund und Boden, alleine ihn zu beobachten und zuzuhören ist diesen Konzertbesuch wert.

Und singen die auch? Ja, und zwar immer zweistimmig, mit ihren ziemlich hohen, klaren Stimmen. Und das irgendwie bizarre ist, sie singen sehr melodiöse Gesangslinien, die so ein bisschen nach End-Sixties klingen. Mit bizarr meine ich, dass diese Melodiösität so perfekt mit dem brachialen Stoner-Rock harmoniert.

Tweak Bird haben pro Song drei oder vier verschiedene Riffs im Angebot, nach denen sich andere Bands die Finger lecken würden. Uptempo, verschleppte Doomparts, manchmal sogar Psychedelisches, alles dabei, wobei der Grundcharakter der einer Jam-Atmosphäre ist. Vielleicht ein bisschen wie die ersten zwei Sabbath-Platten, bei denen man noch etwas die bluesige Herkunft heraushört.

Herausragend und wirklich einem ein Lächeln ins Gesicht zaubernd, sind die Intensität, die Rohheit und Ungestümtheit mit der hier zu Werke gegangen wird. Mit der Subtilität einer Abrissbirne wird mit einem geilen Riff nach dem anderem auf das Publikum eingeprügelt, dass es nur so funkt. Trotz aller Dumpf- und Schlichtheit der Riffs sind die Songs aber verspielt, hochinteressant, und grooven tut es wie Sau. Man schaut und hört gebannt zu, was wohl als nächstes passiert.

Tweak Bird, Schocken, Stuttgart

Foto: Michael Weiß

Und nochmal das Thema Schlagzeuger, man kommt nicht umhin ständig darüber reden zu müssen. In jeglicher anderen Formation mit mehr als zwei Musikern, würde wahrscheinlich irgendwann jemand der Mitmusiker auf den Schlagzeuger zukommen, und ihn vorsichtig darauf aufmerksam machen, dass es vielleicht ganz nett wäre nicht jeden Freiraum komplett zuzutrommeln. Aber hier funktioniert das auch so. Ich finde sogar, dass es so sein muss, da mir sonst eine Duo-Instrumentierung zu langweilig werden würde auf Dauer. Aber gut, ich mag’s halt üppiger im Sound, sorry.

Eine Stunde dauert dieses wundervolle Massaker. Die besten 60 Minuten Liveperformance, die ich bisher dieses Jahr sehen durfte. Und am Ende kann ich sogar von einem Songtitel erzählen. Das letzte Stück ist das T. Rex Cover „Children Of The Revolution“. Großartig war das alles, meine Güte!

Tweak Bird

Ein Gedanke zu „TWEAK BIRD, 10.06.2013, Schocken, Stuttgart

  • 11. Juni 2013 um 14:34
    Permalink

    Die rauesten Brüder, die ich bisher kannte, waren Karlheinz und Bernd Förster.

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