MARC RIBOT, 08.07.2010, Schlossfestspiele, Ludwigsburg

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Fotos: Reiner Pfisterer

Reiner Pfisterer ist leidenschaftlicher Konzert-Fotograf. Und einer von den Großen. Toll, dass er beim gig-blog seine Fotos veröffentlicht und auch noch ein paar Zeilen über das Konzert geschrieben hat.

Der Konzertsaal im Neubau der Kreissparkasse Ludwigsburg steht nicht wirklich im Verdacht der Ort für kreative musikalische Projekte zu sein. Und auch die ehrwürdigen Ludwigsburger Schlossfestspiele waren in der Vergangenheit eher für  ruhige Liederabende und gesetztem Publikum in Abendgarderobe mit Häppchen nach dem gesellschaftlichen Stelldichein bei Anne-Sophie Mutter oder Cecilia Bartoli bekannt.
Doch vor den Toren der Landeshauptstadt hat sich der Wind gedreht und die beiden neuen Intendanten gehen mit großem Ehrgeiz an ihre Sache. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, in Ludwigsburg einen Geist entstehen zu lassen, auf den andere Festivals niemals kommen würden. So wie neulich bei den Song Conversations 1-3, bei denen Brad Mehldau, Bill Frisell und Joe Henry in wechselnder Besetzung den Ordenssaal im Ludwigsburger Schloss bespielten.

CAGED FUNK: LOOPED, HIJACKED, DETOURNED& SCRATCH MIXED, so das Fragen aufwerfende Motto des Abends nach der Halbfinalniederlage.
John Cage war einer der ganz großen Außenseiter und Einzelgänger unter den Komponisten des letzten Jahrhunderts. Diesem mitunter sperrigen Werk nahm sich Marc Ribot, der seit drei Jahrzehnten als einer der umtriebigsten Gitarristen der New Yorker der Jazz-und Rockszene gilt, mit seinen Freunden an.
Zu den unzähligen Musikern, mit denen Ribot musiziert, gehören Leute wie Elvis Costello und Tom Waits.

Die Freunde an diesem Abend waren jedoch andere: Marco Capelli (Gitarre), Brad Jones (Bass), DJ Logic (Turntables) J.T. Lewis (Schlagzeug)  feat. Bernie Worrell (Keyboards).
Der Geist einer Welturaufführung  wehte auch durch die zweitägigen Proben. Da wurden ständig Notizen gemacht, Dinge verworfen, ungewöhnliche Sounds kreiert.

Funk trifft auf John Cage. Das mag auf den ersten Blick irritieren, doch es herrschten nicht nur wummernde Bässe an diesem Abend vor. Vieles klang sehr frei und improvisiert und mitten im Konzert hatte ich eine Vision, die so einer Art Lebenstraum nahe käme . Ich schloss die Augen und sah plötzlich Mark Hollis die Bühne betreten und gemeinsam mit Ribot und seinen Freunden „Spirit of Eden“  das Meisterwerk von Talk Talk aus den späten 80ern neu interpretieren.

Soweit sollte  es an diesem Abend nicht kommen, doch den Schlossfestspielen ist für die Zukunft vieles zuzutrauen. Ich hätte da auch schon ein paar Ideen: Thom Yorke mit einem Solopianoabend im Ordenssaal, Jonsi singt in der Schlosskirche mit einem Knabenchor. Vielleicht ja auch, dass  Beth Gibbons gemeinsam mit Sivert Höyem das Gesamtwerk von Muse auf die Bühne bringt. Zur  Not auch in der Gemeindehalle in Tamm, einem der vielen Spielorte der Schlossfestspiele.

Infos zu den Schlossfestspielen findet ihr unter www.schlossfestspiele.de.

Mein Tipp für diese Saison, die noch bis zum 31.Juli geht ist das Abschlusskonzert zu Ehren von Irmin Schmidt, dem langjährigen CAN-Mitglied.

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Fotos: Reiner Pfisterer

Hier gibt’s noch mehr Fotos

2 Gedanken zu „MARC RIBOT, 08.07.2010, Schlossfestspiele, Ludwigsburg

  • 10. Juli 2010 um 19:28
    Permalink

    Wow, bin beeindruckt. Sehr, sehr tolle Fotos!

  • 13. Juli 2010 um 14:17
    Permalink

    Die Fotos sind wunderschön!

    Und Deine Ideen (York, Jonsi etc.) sollen die in LB mal umsetzen… Björk singt Bacharach…

    Danke für den Irmin Schmidt Tipp, habe bislang seine Post-CAN-Sachen nie live arrangiert gesehen/gehört (und die CAN-Sachen sowieso auch nicht).

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