JANE BIRKIN, 14.07.2013, Forum am Schlosspark, Ludwigsburg

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Foto: Steffen Schmid

Immer diese Musiklegenden, die in echt noch viel sensationeller rüberkommen als im Internet. Am Freitag war es Marcos Valle, heute die wundervolle Jane Birkin. Sängerin, Schauspielerin, frühere Lebenspartnerin von Serge Gainsbourg und Mutter der großartigen Charlotte Gainsbourg. Im Rahmen der Ludwigsburger Schloßfestspiele tritt sie auf und singt, begleitet von einer vierköpfigen Band, Stücke von Serge Gainsbourg.

Bombensicherer Indikator, dass man erwachsen ist: Man geht freiwillig auf Konzerte, bei denen auf der Karte nur für Insider verständliche Platz-Spezifizierungen wie „Parkett links“ stehen. Wir knacken die Hochkultur-Codes mit Bravour und erreichen planmäßig die für uns vorgesehenen Kinosessel im gut gefüllten Theatersaal, dessen Sitzreihen wie im Uni-Auditorium ansteigen und schätzungsweise fünfhundert Zuschauern Platz bieten. Wie im Programmheft ausgewiesen geht es pünktlich um sieben Uhr los. „Dauer: ca. 90 Minuten ohne Pause“ heißt es weiter im hochwertigen, weißen Pappfaltblatt und die Setlist ist auch gleich mit abgedruckt.

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Foto: Steffen Schmid

Als erstes setzt das Schlagzeug ein, dann fällt das Licht auf Jane Birkin, die mit dem Pianisten auf dem Klavierhocker sitzt und das erste Stück singt. Sie trägt weißes Hemd und schwarze Hose, die Locken sind schön verwuschelt. Begleitet von Klavier, Schlagzeug, Violine und Bläser singt sie wunderhübsch mädchenhaft und glockenhell. Erstes Highlight ist „Di Doo Dah“, das sie mit beeindruckender Leichtigkeit darbietet. Und dazu dieses fantastische Lächeln.

Zwischen den ersten sechs Stücken bleibt es beim Lächeln und Birkin sagt nicht viel mehr als „Dankeschön“. Nach dem siebten Stück erläutert sie dann ausführlicher, was ihr die Stücke, die sie an diesem Abend singt bedeuten. „Serge hat für mich geschrieben seit ich zwanzig war bis zu seinem Tod,“ diesen Satz hat sie sich extra auf Deutsch übersetzen lassen und liest ihn sichtlich bewegt vor. Im Anschluss singt sie „Amour des feintes“.

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Foto: Steffen Schmid

Für „Une chose entre autres“ verlassen alle Bandmitglieder bis auf den Pianisten Hiroshi Murayama die Bühne und Birkin singt das ohnehin schon sehr ruhige Stück nur mit Klavier-Begleitung. Im Anschluss kommt „Comic Strip“, ein Song den man in der Version von Brigitte Bardot kennt. Charmanter Überraschungseffekt ist, dass die Comic-Sounds („Shebam! Pow! Blop! Wizz!“) im Stück live nicht von Jane Birkin selbst gesungen werden, sondern von der japanischen Violinistin Hoshiko Yamane, die dazu überraschend im Rücken des Publikums auftaucht und zurück zur Bühne hinunter geht. Jane Birkin kann sich übrigens den Hinweis nicht verkneifen, dass nicht nur sie, sondern auch Brigitte Bardot nicht in der Lage waren, diese Sounds wirklich selbst zu erzeugen – „we cheated!“.

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Foto: Steffen Schmid

Absolut brillant auch Birkins Darbietung von „Mon amour baiser“, bei dem sie ein mit Glühbirnen ausgestattetes Regenschirm-Gestell gereicht bekommt und so durch die Sitzreihen schreitet. Das regulär letzte Stück „Les dessous chics“ kündigt sie an als einen ihrer liebsten Songs und als das Stück das „most like Serge“ sei, denn in Wirklichkeit sei Gainsbourg sehr zerbrechlich gewesen.

Am Ende hat Jane Birkin inklusive Zugaben zwanzig Stücke gesungen mit einer Stimme, die sich kein bisschen verstecken muss vor ihren Aufnahmen als junge Frau. Auch wenn Birkin ihre Stimme selbst als „winzig“ bezeichnet, das ist sie ganz und gar nicht. Zu Recht bekommt sie am Ende viel Applaus und stehende Ovationen. Tolle Show, super Frau.

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Foto: Steffen Schmid

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