SPORTFREUNDE STILLER, STEAMING SATELLITES, 16.07.2013, Theaterhaus, Stuttgart

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Foto: Michael Haußmann

Eigentlich sollten die drei Jungs (vielleicht sollte ich auch besser Herren sagen; habe mit Erstaunen festgestellt, dass die drei mittlerweile alle um die 40 sind) von Sportfreunde Stiller schon Anfang Juni den Stuttgartteil ihrer Clubtour spielen. Allerdings musste sich Sänger Peter damals wohl für Rock am Ring schonen. Ungeschickt für alle Weitgereisten mit Hotelbuchung. Eher egal für mich und alle Reststuttgarter. Das einzige was mich ein bisschen gestört hat am Ersatztermin ist, dass Fiva & Das Phantom Orchester nicht wie ursprünglich geplant dabei sein sollten. Der Blick auf den „Ersatz“-Support versöhnt dann jedoch: Steaming Satellites.

In sage und schreibe 45 Minuten zeigen die Österreicher, was sie drauf haben. Bisher für mich immer in der Rolle der letzten Band auf kleineren Festivals oder auf Solokonzerten, überrascht mich das druckvolle und schnelle Set ein wenig. Auch wenn Steaming Satellites ihre Stärken eigentlich in den ruhigen Passagen haben. Dachte ich zumindest bisher. Die Rolle als Aufwärmer, auch wenn 45 Minuten Spielzeit fast schon kein Supportset mehr sind, steht ihnen auch. Das was am Ende die guten von den richtig guten Konzerten unterschiedet sind die Kleinigkeiten. Heute ist es der Snaresound der den Unterschied macht.

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Foto: Michael Haußmann

In der Umbaupause läuft das Bastille Album durch. Angenehm.

Trotz „Club“-Show, wenn es auch ein ziemlich großer Club ist, lassen sich die Sporties es sich nicht nehmen mit epischen Intro die Bühne zu entern. Die Gitarrenboxen sind nach hinten, vom Publikum weg gedreht, aber der Sound ist von Anfang an gut. Es geht los mit tendenziell neueren Lieder und ab der allerersten Strophe singen alle mit. Das ist auch gut, denn somit hört man es kaum, als die Anlage mal kurz ausfällt. Kurze Hektik am Mischpult, aber der Ton kommt von selber zurück.

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Foto: Michael Haußmann

Sänger Peter entschuldigt sich für den Ausfall des ursprünglichen Termins, redet ein bisschen über die NSA und über seinen Lieblingsfussballverein. Aber immer geht es recht schnell weiter und die Sportfreunde spielen sich durch ihre mittlerweile 6 Studioalben starke Diskographie. Der erste richtige Hit ist die aktuelle Single „Applaus, Applaus“. Und wenn ich vorher gesagt habe alle singen mit, lag ich falsch. Das denkt man immer nur. Ab hier singen wirklich restlos alle mit. Schlagzeuger Flo spielt meistens (vielleicht auch immer) ohne Klick. Mal zieht er das Tempo an, mal bremst er seine Mitmusiker und die Horde vor der Bühne. Somit wird alles noch ein bisschen authentischer.

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Foto: Michael Haußmann

Als Relikt an die Akustiktour vor ein paar Jahren kommt Julia auf die Bühne und unterstützt Peter bei „Tu nur was dein Herz dir sagt“. Das Duett schafft es gerade noch so kein Musicalstück zu sein. Danach geben die Sportfreunde Stiller unglaublich Gas. Ungeachtet des Dienstags verwandeln sie den Saal T1 des Theaterhauses fast schon in ein Festival. Nach 50 Minuten ist vorerst Schluss.

Richtig gelesen: 50 Minuten. Wenn ich nicht mittlerweile wüsste, dass es noch knapp 45 Minuten Zugabe gibt müsste ich hier meckern.

Die Sportfreunde starten die Zugabe mit Akustikgitarre und Keyboard. Danach kommt „Ich, Roque“,  und alle drehen durch. Außerdem darf Schlagzeuger Flo für ein Lied ans Mikro. Auch wenn es mir ein bisschen Leid tut, ist „Es muss was Wunderbares sein, von mir geliebt zu werden“ eine Mischung aus Rammstein und Unheilig und mir ein wenig unheimlich. Dann fällt die Anlage wirklich aus. Am Mischpult wird telefoniert und Peter will seine Akustikgitarre nochmal holen. So weit kommt er aber nicht. Ein verirrter Fussballfan stimmt „Humba Täterä“ an. In den Sechzigern von Toni Hämmerle komponiert ist es mittlerweile ja doch DIE Fussballhymne. Und wenn ich mich so recht umschaue, sehe ich mehr Fussballtrikots als Bandshirts.

Mit, wie durch ein Wunder, funktionierender Anlage, ein paar alten Hits und mit „Die gute Seite“ als krönendem Abschluss beenden Sportfreunde Stiller nach guten 90 Minuten den Abend.

Sehr passend für den Abend diese 90 Minuten mit zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten. In der ersten ziehen die Sportfreunde Stiller einfach ihr Ding durch. Sehr genau und sehr stimmig. Damit liegen sie zur Halbzeit weit vorne. In der zweiten verlieren sie irgendwie das Ziel aus den Augen, lassen sich ein bisschen vom Publikum ablenken, reden über Fussball, und damit wird es hinten raus nochmal echt eng. Vielleicht auch nur deshalb, weil die Show mittlerweile eher auf Festivals und große Hallen ausgelegt ist, und vor Allem auch wegen der vielen Samples im zweiten Teil, welche die bei großen Shows anwesenden Mitmusiker ersetzen. Im Herbst spielen sie dann eben diese großen Hallen und das wird auf jeden Fall ganz großes Tennis. Oder so ähnlich…

Steaming Satellites

Sportfreunde Stiller

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