Jägermeister Rock:Liga, THE FILMS + SILVERSUN PICKUPS + AMUSEMENT PARKS ON FIRE, 17.11.2009, LKA, Stuttgart

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Fotos: Michael Weiß

Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals wegen übermäßigem Jägermeistergenuss übergeben zu haben und ich trug Ende der 80er/Anfang 90er sogar einmal ein Jägermeister-T-Shirt, es stand nur Soul Asylüm (kein Tippfehler) statt Jägermeister drauf, aber der berühmte Hirschkopf war originalgetreu übernommen. Was hat das jetzt mit diesem Konzertbericht zu tun? Eigentlich nichts, ich schlage nur zwei Fliegen mit einer Klappe, ich spare mir eine Erörterung vom Sinn und Unsinn einer Jägermeister-Rockliga und habe eine Einleitung verfasst.
Jägermeister-Rockliga, für alle die diesen Wettbewerb nicht kennen: Drei Gruppen mit drei Bands mit jeweils 45 Minuten Spielzeit und ein Moderator, der am Ende der Gigs mit einem Phonometer die Lautstärke des Publikumsapplauses misst und an den gemessenen Dezibel den Bands eins, zwei, drei Punkte vergibt. Die Sieger der jeweiligen Gruppen dürfen zum großen Finale in Berlin gegeneinander antreten und der dortige Sieger wird dann JägerMeister.
Heute Gruppe A: Amusement Parks On Fire vs. The Films vs. Silversun Pickups
Wie Lino schon im Distelmayer-Bericht angemerkt hat, die Anfangszeiten werden immer verwirrender, offizieller Beginn 19 Uhr, tatsächlicher Beginn 20.30 Uhr. Genug Zeit also, um den Bier- und Nikotinpegel in die Höhe schnellen zu lassen, um das lästige Abtatschen beim Betreten des LKA erträglich zu machen. Schon im Vorfeld habe ich mir gedacht, dass das LKA für diese Veranstaltung überdimensioniert ist, wir stehen gemütlich in der zweiten Reihe und theoretisch wäre der „Fotograben“ überflüssig, von Gedränge keine Spur, aber die überflüssige Security muss ja auch seinen Platz haben, also passt es dann praktisch, irgendwie.
Den Part des undankbaren Openers übernehmen Amusement Parks On Fire. Michael Feerick hat 2004 das Debütalbum alleine eingespielt, aber fünf Jahre später kann er sich auf diesen Lorbeeren nicht mehr ausruhen und das neue Album lässt leider noch auf sich warten, taktisch nicht gerade eine aussichtsreiche Position, um einen Battle zu gewinnen. Diesem Dilemma scheinen sich auch APOF bewusst zu sein, denn sie spielen diese „Genie oder Scharlatan“-Musik, die irgendein Musikjournalist shoegazing getauft hat, wie es sich gehört laut, sehr laut, was jetzt aber nicht negativ gemeint ist, ich frage mich nur, was wichtiger ist, die Beherrschung der Effektgeräte oder der Gitarre. APOF legen gewaltig los und halten sich nicht großartig mit Publikumskommunikation auf, wozu auch, selbst in den Pausen zwischen den Stücken, gibt es eine permanente Geräuschkulisse.

Das Publikum ist jedoch nur mäßig begeistert, was mich auch nicht wundert, die meisten waren noch mit den ersten Gehversuchen beschäftigt, als diese Art Musik „populär“ war, ist mir aber auch herzlich egal, ich kann von dieser teilweise mit drei Gitarren gespieltem Wall Of Sound auch die nächsten 20 Jahre nicht genug bekommen. Es werden auch drei neuere Songs dargeboten, die sich zumindest live nicht großartig von den älteren unterscheiden, vielleicht etwas rock-im Sinne von Riff-betonter und nicht so „schrubbig“. Trotzdem hat es mir vor drei Jahren in der Manufaktur besser gefallen als das, was ich gerade zu sehen bekomme, und ich hoffe auch ein versöhnliches „cut to future shock“ (mein Lieblingsstück von APOF), doch leider beendet ein anderes Stück den Gig. Etwas kurz, denke ich noch, und tatsächlich, die volle Spielzeit wurde nicht ausgeschöpft, mein Chronometer meint zumindest, fünf Minuten wären noch drin gewesen. Schade eigentlich.

Vor Spiellaune strotzen The Films, sie haben sich davor schon im Kap Tormentoso mit einem Akustik-Gig aufgewärmt, doch leider nicht wirklich my cup of tea oder zumindest etwas fehlbesetzt in dieser Konstellation, da eher gesangsorientierter Sixties-Pop statt Gitarrenbreitseite (dafür aber optisch die schönsten Gitarren des Abends). Wenn ich mir den Sänger anschaue, hätte auch melancholische Musik gut zu ihm gepasst, eher Marke nerdiger Milchbubi regelmäßig gehänselt, wenn nicht gar verprügelt. Was ich noch nie leiden konnte, wenn Bands versuchen, das Publikum zum Mitklatschen zu animieren. The Films versuchen es, haben Erfolg und dem Publikum gefällt’s, ich weiss jedoch, dass es mein erster und letzter The Films-Gig ist, ertappe mich nur beim Mitwippen beim letzten etwas uptempo gehaltenem Song (mit uptempo kann man mich durchaus ködern).

Die letzte Band, und ich nehme es gleich vorweg verdienter Gewinner des Abends, Silversun Pickups. Dadurch, dass ich mich bereit erklärt habe, diesen Bericht zu schreiben, war ich neugierig, wer außer Amusement Parks On Fire noch hier spielt und habe mir vor ungefähr einer Woche Silversun Pickups organisiert, und es war Liebe auf den ersten Riff („Substitution“), und sie befanden sich seitdem mehr oder weniger in Dauerrotation bei mir zu Hause. Sie kommen auf die Bühne und nach 20 Sekunden setzt eine Gesichtslähmumg in Form von debilem 45minütigem Dauergrinsen bei mir ein. Ich könnte jetzt natürlich anfangen von zertrümmernden Kürbissen zu sprechen, aber das wäre nicht fair, denn die Silversun Pickups sind um Längen sympathischer, ein strahlender Frontmann, der sich auf seiner kabellosen Gitarre austobt und faszinierend effektbeladene Sounds aus ihr herausholt, eine etwas schüchterne, dafür umso elegantere Bassistin, ein konzentrierter bayrischer Landwirt mit Vollbart am Synthie und im Hintergrund ein völlig unökonomisch spielender Powerdrummer, der wahrscheinlich den Weltekord hält, sowohl die Montagehöhe seines einzigen Crashbeckens betreffend als auch Ausschlagbewegung auf die Snaredrum. Das Quartett spielt sich quer durch sein musikalisches Schaffen, das man am ehesten mit zeitlosem, leicht psychedelisch dreamig-catchigem Indierock (eigentlich hasse ich Denglish) mit radiountauglichen 5 Minutensongs bezeichnen könnte. Die 45 Minuten vergehen leider viel zu schnell, ich freue mich natürlich, dass sie meine erste Liebe „Substitution“ zum Besten geben, und bedaure es am Schluss, dass dies hier ein Contest ist, der zumindest dadurch verbessert werden könnte, dass die Siegerband noch einmal für mindestens 15 Minuten auftreten kann (quasi als Zugabe). Silversun Pickups, definitiv einer der Konzerthighlights dieses Jahr (für mich sogar DAS Highlight, da bisher unbekannte Band), mögen sie möglichst schnell eine richtige Headlinertour mit zusätzlicher Cellistin im Gepäck wieder kommen und mindestens zwei Stunden spielen….

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Fotos: Michael Weiß

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Fotos: Michael Weiß

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Ein Gedanke zu „Jägermeister Rock:Liga, THE FILMS + SILVERSUN PICKUPS + AMUSEMENT PARKS ON FIRE, 17.11.2009, LKA, Stuttgart

  • 19. November 2009 um 20:51
    Permalink

    Ahoi Ali,

    solltest Du viel öfter machen, habe ich gerne gelesen.

    Kudos
    T.E.

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