ALOA INPUT, 16.09.2021, Merlin, Stuttgart

ALOA INPUT, 16.09.2021, Merlin, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Irgendwie habe ich es geschafft, neun Jahre nichts von Aloa Input mitzubekommen. Erst mit der Veröffentlichung ihres aktuellen Albums „Devil’s Diamond Memory Collection“ wurde es nahezu unmöglich, die Münchner „Supergroup“ weiterhin zu übersehen. Das Feuilleton begeisterte sich für das frickelige Konzeptalbum, das Florian Kreier (aka „Angela Aux“), Christoph „Cico“ Beck und Marcus Grassl sechs Jahre nach ihrem letzten Album herausbrachten. Prognose: Es wird auf einigen Jahres­besten­listen wiederzufinden sein. Und auch bei mir hat es sich langsam aber unaufhaltsam im Gehörgang eingenistet.

ALOA INPUT, 16.09.2021, Merlin, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Warum es trotzdem nur knapp drei Dutzend Zuschauer:innen ins Merlin geschafft haben, ist mir schleierhaft. Am Popup-Verkehrsexperiment „Superblock West“, das die Augustenstraße vom Durchgangsverkehr befreien und die Wohnqualität verbessern soll, sicher nicht. Stuttgart ist aber traditionell ein hartes Pflaster für Indie-Pop. Und eine gewisse Unsicherheit, sich wieder auf Konzerte und viele Menschen einzulassen, scheint weiterhin zu herrschen. Dabei sind Bedenken im Merlin wirklich komplett fehl am Platz. Das Hygienekonzept ist lückenlos, die Raumluft hat Luftkurort-Qualitäten, die Kombination aus Masken und Bewegungsfreiheit ist allemal besser als starre Sitzordnungen.

ALOA INPUT, 16.09.2021, Merlin, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Live haben sich die drei Musiker mit einer Keyboarderin zum Quartett verstärkt. Diese trägt eine weitere Stimme bei, die wunderbar mit den „notwistig“ verhuschten Gesangsparts der Sänger harmoniert. An diesen Stellen toppt der Live-Vortrag sogar noch das exquisite Album. Mit unaufgeregter, scheinbar müheloser Perfektion entwickelt die Band ihren psychedelischen Indie-Pop, der mit vielen kleinen, dezent eingesetzten Soundeffekten dieses leicht schläfrige Flirren erzeugt, das vielen Sommerbildern französischer Impressionisten innewohnt. (Auch wenn es eigentlich ein Science-Fiction-Konzeptalbum ist, bei mir stellt sich halt diese Assoziation ein.) Trotz der reichhaltigen Instrumentierung ist dies von minimalistischer Eleganz und in höchstem Maße ästhetisch. Auch Ansprachen ans Publikum sind aufs Minimum reduziert. Nur einmal bemerkt Flo Kreier anerkennend, dass ein besonders hingebungsvoller Fan in der ersten Reihe mehr tanze, als alle bisher auf allen Konzerten zusammen.

ALOA INPUT, 16.09.2021, Merlin, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Knapp eineinhalb Stunden musizieren die vier in einem stetigen, stellenweise schon fast hypnotischen Kontinuum. Und ja, Weilheim lässt hier grüßen, ein längst vergangener Lali-Puna-Gig kommt mir ins Gedächtnis. Bleibt nur eine Frage: Wo waren eigentlich die vielen Notwist-Fans heute Abend beim Tourfinale von Aloa Input? Sie haben leider ein exzellentes Konzert einer makellos aufspielenden Kapelle verpasst, das hervorragend in ihr musikalisches Beuteschema gepasst hätte.

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