KIEFER SUTHERLAND, 12.02.2020, Im Wizemann, Stuttgart

Kiefer Sutherland

Foto: Steffen Schmid

Dass Kiefer Sutherland auch Musik macht, war mir bis zur Konzertankündigung gar nicht bewusst. Für mich war er immer der kernige Typ aus „Stand by Me“, „The Lost Boys“ und „Flatliners“ (die nicht mehr ganz so Taufrischen unter Euch erinnern sich vielleicht). Die Kultserie „24“, mit der Kiefer noch einmal richtig durchgestartet ist, ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Egal, cooler Typ jedenfalls. Und Grund genug, dass ich mich tatsächlich auf ein Country-Konzert schwinge. Sonst nicht ganz so meine Tasse Tee, aber ich bin einfach gespannt auf den Sohn von Schauspiellegende Donald Sutherland. Dass singende Leinwandhelden tatsächlich auch echte Granaten sein können, haben ja schon Ryan Gosling mit seinen Dead Man’s Bones und Scarlett Johansson mit ihrem Tom Waits-Coveralbum bewiesen. Ha, David Hasselhoff ganz vergessen. Natürlich auch ein echter Knaller.

Marla an David Celia

Foto: Steffen Schmid

Also auf ins Wizemann. Bei der Einfahrt kurz abzocken lassen (2,50 Euro fürs Parkhaus obwohl jede Menge Parkplätze vor der Tür frei sind), an der Bar Bierchen geschnappt und ab in die Halle. Die ist zwar nicht ausverkauft, aber mit (so lese ich später) rund 800 Besuchern doch ziemlich gut gefüllt. Auf der Bühne stehen schon Marla & David Celia, die das Publikum mit verträumtem und eingängigem Folk unterhalten. Das deutsch-kanadische Duo kommt am Applaus gemessen ganz gut an, auch wenn klar ist auf wen das Publikum hier wartet. Man sieht ein paar Cowboyhüte, viele Paare und überraschend viele Frauen. Ganz klischeehaft hätte ich mir das anders vorgestellt. Alte weiße Männer und so. Aber was weiß ich schon… ist ja mein erstes Country-Konzert. Vielleicht aber auch einfach nur der Promi-Faktor?

Kiefer Sutherland

Foto: Steffen Schmid

Um 21 Uhr kommt Kiefer Sutherland dann breit grinsend und superschnieke (schwarzweißes Westernhemd, weißer Cowboyhut und weiße Cowboystiefel) auf die Bühne und legt ohne groß Worte zu verlieren wild herum kickend los. Boom! Ab geht die Luzi. „Rebel Wind“ heißt der Opener, der das Publikum sofort mitreisst. Man sieht Kiefer Sutherland wirklich an, dass er liebt, was er da tut. Das betont er auf oft genug zwischen seinen Songs und bedankt sich mehrfach bei seinen Fans „from the bottom of his heart“. Seiner fünfköpfigen Begleitband scheint das nicht anders zu gehen. Die spielt äußerst solide und hat zusätzlich zur üblichen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Ausstattung auch noch Keyboard, Pedal Steel Gitarre, Akkordeon und Mandoline im Gepäck und sieht auf der Bühne bestens gelaunt aus. Trotz aller Klischees, die so ein Country-Konzert bedient, wirkt alles ziemlich authentisch und überhaupt nicht aufgesetzt.

Kiefer Sutherland

Foto: Steffen Schmid

Mit rauchiger Stimme singt sich Kiefer durch flotte Uptempo-Nummern und getragenere Stücke. Immer rau und trotzdem mit viel Gefühl und Inbrunst. Man glaubt fast den Präriestaub zwischen den Zähnen knirschen zu hören. Zwischendrin erzählt er ein wenig von sich und wirkt dabei ungemein sympathisch. Ja gut, ob der alte Fuchs überall die gleichen Geschichten erzählt, weiß man zwar nicht, aber sei’s drum. Der Titel seiner Tour ist übrigens „Reckless & Me“. Verstehe ich auch erst als er die Geschichte zum gleichnamigen Stück/Album erzählt. Kiefer Sutherland war in den 90ern tatsächlich mal professioneller Rodeoreiter und Reckless war der Name seines Pferdes. Während des Schreibens war er sich irgendwann nicht mehr sicher ob er immer noch über seinen Gaul schreibt oder doch schon über sich selbst. Haha… „Ein Mann, den sie Pferd nannten“.

Kiefer Sutherland

Foto: Steffen Schmid

Er erzählt von seinen Vorbildern Johnny Cash und Willie Nelson, singt im Stück „Open Road“, das er seinem Busfahrer widmet, vom Leben auf Tour, in „Shirley Jean“ vom letzten Brief eines Mannes, der auf seine Hinrichtung wartet und davon wie er beim „Bridget Jones“-Schauen dazu inspiriert wurde, sein erstes Liebeslied „I’ll Do Anything“ zu schreiben. Als er dabei zuckersüß lächelnd die Arme ausbreitet und die Zeile „I love you just the way you are“ an die Fans adressiert, ist das (vor allem die weiblichen Fans) natürlich ganz aus dem Häuschen. Hätte er sich für meinen Geschmack sparen können. Aber gut, der Mann ist halt Profi. Das Publikum jedenfalls ist begeistert vom gebürtigen Kanadier, der auf der Bühne gar nicht amerikanischer sein könnte. Seine kanadische Heimat besingt er dann übrigens noch in „Saskatchewan“. Es hagelt ordentlich Applaus und „Uuuuuhs“ und „Aaaahs“ wenn er Richtung Bühnenrand steppt, seine Bandkollegen antänzelt oder sich die Gitarre um die Hüften schwingt.

Kiefer Sutherland

Foto: Steffen Schmid

Es werden unzählige Fotos und Videos gemacht, was wie eigentlich immer ab und an ein wenig nervt. Aber gut, da steht halt auch ein Superstar auf der Bühne. Die junge Frau vor mir schießt für mich den Vogel ab. Sie postet ihren Schnappschuss (ich hab ehrlich nicht gespickt… dafür aber das Handy direkt vor der Nase) mit der Überschrift „Kiefer Sutherland, nicht zu verwechseln mit dem Kieferorthopäden“ auf irgendeiner sozialen Plattform. Humor ist eben auch Geschmacksache. Ihr Freund amüsiert sich jedenfalls köstlich. Gut, dass die beiden den gleichen Humor haben. Ist wichtig in einer Beziehung. Einen hätte ich dann aber auch noch für die beiden: „Ruckzuck hängt der Kiefer tiefer“. Schlechter ist der auch nicht. Apropos… Kiefers voller und unglaublich langer Name ist laut Internet Kiefer William Frederick Dempsey George Rufus Sutherland. Seinen Vornamen hat er laut Internet von Warren Kiefer, dem Regisseur, der seinem Vater dessen erste Filmrolle gab.

Kiefer Sutherland

Foto: Steffen Schmid

20 Stücke gibt der 53-jährige in ziemlich genau 90 Minuten zum Besten. Die meisten aus seinen beiden Alben „Down in a Hole“ und „Reckless & Me“. Dazu gibt es noch ein paar Coverversionen, wie zum Beispiel Bob Dylans „Knocking on Heaven’s Door“. Bei „Agave“, dem letzen Stück des Abends, drehen Kiefer Sutherland und seine Band nochmal richtig auf und rocken was das Zeug hält. Nach einem „You rock“ und einem „God bless you“ ist dann Feierabend. Dafür, dass ich so ganz ohne Erwartung los bin, wurde ich doch echt positiv überrascht. Zum Konzert hätten ganz hervorragend Kippen und Whiskey gepasst. Dumm nur, dass ich weder rauche noch auf Bourbon stehe. Alles in allem aber eine rundum gelungene Sache, selbst für jemanden, der jetzt nicht sooo auf Country steht. Dass ich im Internet ein Video entdeckt habe, in dem Kiefer mit Helene Fischer (zugegebenermaßen ziemlich gut) im Duett singt, erzähl ich besser keinem.

Kiefer Sutherland

Foto: Steffen Schmid

Setlist:
1. Rebel Wind
2. Can’t Stay Away
3. Something You Love
4. Reckless & Me
5. Shirley Jean
6. Open Road
7. Faded Pair Of Blue Jeans
8. Going Home
9. Blame It On Your Heart
10. Ways To Be Wicked
11. Sundown
12. I’ll Do Anything
13. Saskatchewan
14. This Is How It’s Done
15. Run To Him
16. Honey Bee
17. All She Worte
18. Down In A Hole

Zugaben:
19. Knocking On Heaven’s Door
20. Agave

Kiefer Sutherland

Marla & David Celia

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