MAIDAVALE, THE BLACK WIZARDS, 15.05.2018, Keller Klub, Stuttgart

Maidavale, Keller Klub, Stuttgart, Mai 2018

Foto: Michael Weiß

Retro läuft. Kein Wunder, mit jeder Sekunde, die vorbeipurzelt gibt’s ja wieder ein Stücken mehr Vergangenheit aus der man sich bedienen kann. Ob es damit aber zum Ausgleich eine Sekunde weniger Zukunft gibt (außer für einen selbst natürlich), da dürfen sich die Kosmologen drüber streiten. Aber legen wir mal schwindelig machende Unendlichkeiten beiseite, denn heute Abend geht’s um Musik, die viel nach „Früher“ klingt. Und wichtig für’s nächste Kreuz bei der Wahl: “Früher war besser” gilt nur manchmal für bestimmte Musik, ganz sicher nicht für Wahlprogramme! Oder wie ein kluger Kopf mal meinte: „Nostalgie ist die Sehnsucht nach der guten alten Zeit, in der man (‘auch schon’ – Anmerkung des Autors) nichts zu lachen hatte.“

Bei der Vorband The Black Wizards stimmt einiges, z.B. der perfekte Name. Dass in all den letzten Jahrzehnten noch niemand aus dem Heavy Rock Genre auf diesen Namen gekommen ist, mutet bei all den Black Sabbaths, Black Angels, Black Mountains, Electric Wizards etc. etc. pp. schon sehr unwahrscheinlich an. Was stimmt noch? Sie kommen aus Portugal, welche schon immer irgendwie meine gefaveten Europäer waren. Friedliche Nelkenrevolutionisten, trinken guten Kaffee, melancholieren ansonsten schwarzbehaart und gechillt durchs Leben und zeigen in den letzten Jahren, dass man wirtschaftlich erfolgreich und sozial regieren kann, ohne über Massen von Austeritätsleichen gehen zu müssen. Aber außer Gitarrengott Nuno Bettencourt lief mir bisher nichts musikalisch Interessantes über den Weg, The Black Wizards quasi erste portugiesische Band meines Lebens.

Kurz nach 21 Uhr kommen die drei Lusitaner (dachte eigentlich, es müssten vier sein) auf die Bühne, und es geht weit zurück in die Musikgeschichte des Heavy Rocks. Sängerin und Gitarrstin Joana Brito pflegt dreckige Blueslicks als Gegenpart zu ihrem Gesang in die Songs einzuweben, währenddessen der kurzfristig angeheuerte Drummer Diogo teils spektakuläre Fill Ins wirbelt, aber nicht unbedingt ein fleischgewordenes Metronom ist. Resultat des Ganzen ist ein schmutziger Heavy Bluesrock, der in den besten Momenten diesen gewissen rockigen Funk hat, wie ihn Hendrix und Led Zeppelin darboten. Wenn man die Namen Cream und Ten Years After in die Runde wirft, liegt man aber auch nicht total daneben.

THE BLACK WIZARDS, Keller Klub, Stuttgart, Mai 2018

Foto: Michael Weiß

Musikalisch gibt’s weder songschreiberisch noch stilistisch Wunderdinge zu hören und schon gar nicht bekommt die Band Avantgarde-Bonusmeilen gutgeschrieben, aber live macht das schon ordentlich Spaß. Vor allem die Gitarrenarbeit, die aus dem Vorhang von Joanas Haaren erklingt, ist schon bemerkenswert gut. Technisch nix Dolles, aber ein gutes Gespür für die richtigen Töne und diese gut klingen zu lassen wiegt das alles mehr als auf. Portugiesen haben, wie der Fado zeigt, ja schon von Natur aus den Blues. Für heute Abend ist das aber tatsächlich strikt im pentatonischen, musikstilistischen Sinne gemeint. Und das Ganze ist so gut, dass die mittlerweile ca. 50 Besucher eine Zugabe wollen, und sie auch bekommen.

Same same but totally different sind MaidaVale aus Schweden. Auch hier ertönen Sounds, die das Licht der Welt zu einer Zeit erblickten, als die Elternpaare Von Storch und Höcke es leider mit der Verhütung nicht so genau nahmen. Sehr retro also, sehr bluesig die Gitarrenfills von Gitarristin Sofia, und doch ist es sehr anders. Da wäre einmal der besondere Gesang von Matilda Roth, der pointiert der Musik einen ganz eigenen Touch gibt. Was besonders auffällt, ist die totale Kontrolle und Präzision mit der MaidaVale spielen. Das ist dann vom professionellem her schon ein kleiner Klassenunterschied zur Vorband. Manchmal würde man sich sogar wünschen, dass sie bei den lauteren Parts etwas mehr von der Kontrollbremse gehen würden, mehr Wahnsinn entfesseln würden.

Maidavale, Keller Klub, Stuttgart, Mai 2018

Foto: Michael Weiß

Das außerordentliche Können der Gitarristin sticht ebenso wie zuvor bei den Schwedinnen heraus, aber die unfassbar stoisch-präzise Bass- und Schlagzeugarbeit beeindruckt ebenfalls. Es ist ziemlich schwer die Musik präzise zu beschreiben, denn für klassischen, bluesigen Heavy Rock ist die Musik viel zu psychedelisch und hypnotisch. Manche Parts schnuppern mit ihrer repetitiven, dringlichen Stumpfheit und daraus resultierenden Tanzbarkeit fast schon am Krautrock. Tanzbarkeit, die Sängerin Matilda mit ihren Bewegungen unterstreicht.

Maidavale, Keller Klub, Stuttgart, Mai 2018

Foto: Michael Weiß

Nach etwa einer Stunde, die von Minute zu Minute beeindruckender wurde und einem immer stärker am Schlafittchen packte, ist das reguläre Set zu Ende. Auch hier gibt es eine mehr als verdiente Zugabe und selbst Nicht-Genre-Fans sind sehr angetan von dem, was man hier zu sehen bekam. Meine Messlatte was Heavy Psych Rock Performances angeht, die erst kürzlich von Earthless und deren Gitarrenteufel Isaiah Mitchell in Frankfurt aufgestellt wurde, wurde zwar nicht gerissen. Aber es fehlte viel weniger als ich vorab erwartet hatte.

Maidavale

The Black Wizards

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