THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Um halb Zehn werden wir durch das Rufen des Veranstalters darauf hingewiesen, dass nun die erste Band auf der Bühne steht. Bis dahin hatten wir im Biergarten des Goldmarks noch den freundlichen Frühlingsabend genossen. Im Club haben sich aber inzwischen rund 40-50 Leute eingefunden und Ain’t No Grave stehen auch schon auf der Bühne. Das ursprünglich aus Filderstadt stammende Trio sattelt den alten Gaul Blues und galoppiert mit uns durch die Prärie der frühen Entstehungszeit der amerikanischen Popmusik. Vom Delta-Blues eines Robert Johnson hin zum rohen Rock’n’Roll eines Bo Diddley, vorbei an allem was dazwischen liegt oder auch davon inspiriert wurde: Die Gitarre klingt mal wie B.B. King, mal denkt man an ZZ Top. Die B-Seite einer verschollenen Jimi Hendrix Single wird gespielt, stellt sich aber als eigener, neuer Song der Band raus.

THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Das fehlen einer Bassgitarre wird durch die Baritongitarre kompensiert, die Sänger Dejan Zarkovic spielt. Die Genre-typische Mundharmonika ist natürlich auch ein wichtiger Bestandteil des Sounds. Die bläst Schlagzeuger Frank Felfe, der sonst so heftig auf sein Instrument eindrischt, dass er während des Auftritts drei Sticks kaputt spielt. Spielt er Mundharmonika, so hält er diese in der linken Hand und spielt mit der rechten das Schlagzeug weiter. Sowas sieht man nicht so häufig und ist auf eine recht eigenartige Weise auch beeindruckend.

THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Eigentlich ist diese Art von Musik mehr was für schwülstige Hitze, aber subtropisch wird das Klima im Kessel bestenfalls ja im Hochsommer. Aber wir haben ja erst Frühjahr. So braucht es eine Weile bis alle auf Temperatur sind. Zum Ende des Konzerts hin aber groovt und schwitzt jeder vor sich hin und die Band verabschiedet sich mit ihrer Version des für sie namensgebenden Johnny Cash Song „Ain’t No Grave“.

THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Die inzwischen Sauna-artigen Temperaturen werden dann auch von The Courettes immer mal wieder thematisiert, die nach einer halben Stunde Umbaupause im mittlerweile gut gefüllten Goldmarks mit ihrem Set loslegen. Flavia Couri (auf dem Konzertplakat beschrieben als „The Wife“) und Martin Couri („The Husband“) sind ein Brasilianisch-Dänisches Duo. Kennen gelernt haben sich beide als die Columbian Neckties (mit Martin als Schlagzeuger) zusammen mit den Autoramas (wo Flavia den Bass bedient) in Brasilien auf Tour waren. Es kommt was dann immer kommt: Man verliebt sich, man heiratet, man gründet eine neue Band, man schreibt Songs, man nimmt eine Platte auf, man geht auf Tour, man nimmt noch eine Platte auf, man geht wieder Tour und man tritt endlich mal in Stuttgart auf.

THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

The Courettes sind also da und machen erstmal ein Fuzz auf. Die Gitarre von Flavia ist bis zum Anschlag verzerrt, wie es sich für ordentlichen Teenage Garage Punk gehört. Hoch energetisch peitscht sie mit ihrem Instrument und ihrem Gesang von der ersten Minute an die Songs voran. Martin wirkt riesig hinter seinem kleinen Schlagzeug. Manchmal bearbeitet er es mit einem Tambourin als zweiten Drumstick. Heute scheint der Tag der außergewöhnlichen Schlagzeugarbeit zu sein. Gefällt mir. So wie mir die Band auch optisch gefällt. Ihren Retro-Chic nehmen beide sehr ernst. Nicht nur haben sie ihre beiden Platten in Mono aufgenommen, es ist Falvias Kleid, Martins Koteletten, die alten Mikrofone und Verstärker … ihr kompletter Stil wirkt wie wenn das Art-Department von Sterling Cooper Draper Pryce eine Party machen würde. Alles sehr stimmig und sympathisch. Und dann steht die Musik noch in direkter Linie zu Bands wie The Kingsmen, MC5 und vor allem The Sonics. Dreckiger Garage Punk, bei dem auch mal etwas Surf Rock durchklingt oder in den poppigen Momenten auch mal an The Ronettes erinnert wird.

THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Das Tempo mit dem die beiden losgelegt haben wird die komplette Stunde gehalten. Das ist Musik bei der man nicht ruhig sitzen oder stehen bleiben kann, dazu muss man einfach mit dem Hintern wackeln. Geht aber offensichtlich nicht allen so. Der gemeine Musiknerd ist ja gerne auch mal etwas hüftsteif, so dass das Goldmarks nicht voll in Bewegung kommt. Aber wer bin ich schon anderen Leuten vorschreiben, wie sie ein Konzert zu konsumieren und genießen haben. Es scheinen ja trotzdem alle Spass zu haben, vor genauso wie auf der Bühne. Alles gut. Ich für meinen Teil werde auf jeden Fall wieder reinschauen und mit dem Hintern wackeln wenn die beiden mal wieder in der Gegend sind.

Ain’t No Grave

The Courettes

3 Gedanken zu „THE COURETTES, AIN’T NO GRAVE, 12.05.2018, Goldmarks, Stuttgart

  • 19. Mai 2018 um 10:25
    Permalink

    Apropos gemeiner Musiknerd und dazugehörige Klugscheißerei: Der Song „Ain’t No Grave“ ist ein „traditional American gospel song attributed to Claude Ely (1922-1978) of Virginia“… klar, die Version von Johnny Cash ist wohl allgemein die bekannteste.

  • 22. Mai 2018 um 14:14
    Permalink

    Mir fehlt das American-Gospel-Detailwissen und anstatt einer kurzen Recherche siegte die bloße Faulheit als ich diesen Satz tippte. Plus der Hoffnung auf die Kommentarspalte und dem Wissen, dass da draußen immer jemand ist der eben genau diese Wissenslücken zu füllen weiß… :)

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