ZIMT, 18.02.2018, InDieWohnzimmer, Stuttgart

ZIMT, 18.02.2018, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Man kann sie einfach nicht genug loben, die InDieWohnzimmer-Hosts Claudia und Holger. Neben den liebevoll ausgewählten musikalischen Highlights ist es vor allem die sehr entspannte Atmosphäre, die jeden Besuch hier zum Abend der Ausgeh-Extraklasse macht.

Beim Reingehen kann man sich noch vor der Haustür ein gekühltes Hochdorfer-Natur-Radler sichern, auf dem Herd köchelt Rote-Beete-Suppe (mit Zimt-Croutons!), im Flur hängen gerahmte Bandposter (sind die eigentlich neu?) und dann die ganzen netten Menschen immer.

Etwa vierzig Leute sind an diesem feuchtkalten Sonntagabend hergekommen, darunter viele Stammgäste. Wichtig und erwähnenswert, dass bestimmt ein gutes Drittel der Besucher*innen hier auch überdurchschnittlich viele reguläre Club-Konzerte besucht, nix mit Rückzug ins Private.

Foto: Michael Haußmann

Trotzdem auch mal akzeptabel, sich Bands zu humanen Anfangszeiten im angenehm geheizten Einfamilienhaus anzuschauen. Zimt aus Augsburg, die heute auftreten, sind bei Kleine Untergrund Schallplatten sowie bei Tapete Records unter Vertrag. Gefühlt seit einem knappen Jahr geistert die Band durch meine Timelines in den sozialen Medien, u.a. in Zusammenhang mit den sensationellen Friedrich Sunlight. Groß natürlich die Freude, als ich sehe, dass Zimt im InDieWohnzimmer spielen, das ist doch was für mich.

Um zwanzig vor neun begrüßt Hausherrin Claudia die Gäste und weist schon mal auf das nächste Wohnzimmerkonzert im April hin, das „relativ special“ werden wird (Spannung!) und außerdem das fünfzigste Konzert der Reihe sein wird. Dann folgt noch Holgers Hinweis auf den Zimt-Auftritt am 6. April in der Manufaktur in Schorndorf und schon kann’s losgehen.

ZIMT, 18.02.2018, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Janina (Keyboard), Isabella (Bass) und Ralf (Schlagzeug) lösen sich aus dem Publikum und huschen zu ihren Instrumenten. Die drei nehmen von Glühbirnen eingerahmt ihre Positionen ein, im Hintergrund sieht man durchs große Fenster den Vorgarten und die Citylights von Feuerbach.

Die Band ist fast komplett in schwarz gekleidet, was aber wahrscheinlich eher pragmatisch als gothic gemeint ist. Die Musik jedenfalls klingt schrammelig und ein bisschen schüchtern, aber nicht wirklich düster. Das erste Stück ist „Nicht mehr bei mir“ mit Vintage-Orgelsounds, dreamy Mädchengesang und melancholischen Texten. Schon mal nicht falsch.

ZIMT, 18.02.2018, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Weiter geht’s mit „Noch nicht bereit“ und dann der ersten Single „Du kannst so leben wie Du willst.“ Mein Nebenmann raunt mir halb gerührt, halb bierselig zu: „Schreib‘ was Gutes, die Band gefällt uns.“ Es folgen weitere Stücke vom aktuellen Album „Glückstiraden“, alle recht ähnlich im schluffigen 90s-Indiepop-Stil.

Neben dem Keyboard sitzt ein niedliches weißes Kuscheltier (Eule? Yeti?). Die Band erzählt zwischendrin ein bisschen vom Tourleben. Zum Beispiel besäßen sie jetzt viele Sanifair-Gutscheine. Bassistin Isabella erkundigt sich, wie Bier in Stuttgart genannt wird. Antwort: Halbe. In Augsburg: Helles.

Das ist alles sehr charmant und bodenständig, da geht es auch mal klar „Herzen“ auf „Schmerzen“ zu reimen. Am Besten gefällt mir die Zugabe „Weg der Harmonie“, ein Stück, das nicht auf dem Album zu hören ist und das ich als poppiger in Erinnerung habe als den Rest.

Mir gefällt die entspannte Attitüde der Band, der schöne, ungekünstelte Frauengesang, das sympathische, nahbare Auftreten. Weiter weg von Turbo Abitur und neoliberal geht fast nicht. Das finde ich wunderbar und wichtig, keine Frage. Soft ist toll. Vielleicht liegt’s an mir, aber ein bisschen mehr rage und riot wäre trotzdem auch ok gewesen.

ZIMT, 18.02.2018, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

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