MONDO GENERATOR, 13.08.2013, Goldmarks, Stuttgart

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Foto: Michael Weiß

Mondo Generator, die Band von Nick Oliveri, dem ehemaligen Queens Of The Stone Age -Bassisten, gab es schon zu Zeiten, als er dort noch tätig war. Seit seinem Rausschmiss im Jahre 2004 dürfte  Mondo Generator zu seinem Hauptprojekt geworden sein. Eine unschöne Sache war das damals. Nicht der Rauswurf an sich, sondern die Gerüchte die es um den Grund gab. Von Gewalttaten gegen die Partnerin war damals die Rede. Josh Homme, einziges konstantes Mitglied der zwischenzeitlich übergroßen QOTSA hat verlauten lassen, dass falls an den im Raume stehen Vorwürfen gegen den QOTSA-Basser und Co-Songschreiber Oliveri etwas dran sein sollte, würde er diesen nicht mehr kennen. Kurze Zeit später wurde Oliveri, der auch seinen Anteil an den beiden großartigen QOTSA-Alben „Rated R“ und „Songs For The Deaf“ hatte, vom Boss Josh hochkant rausgeschmissen.

In den Folgejahren habe ich Mondo Generator  zwei Mal gesehen, jeweils auf einem Festival. Zu eher früherer Stunde hat Oliveri neben eigenen Mondo-Generator-Stücken einige QOTSA-Lieder auf viel zu großen Bühnen dargeboten. So richtig interessiert hat das nicht viele Leute. Die Taten von Oliveri waren noch nicht vergessen und verziehen. Schon vor dem Ende mit QOTSA war er der deutlich irrere von den beiden Köpfen der Band. Homme zwar nicht auf den Mund gefallen, aber ansonsten eher unfällig. Oliveri dagegen hat häufig komplett nackt gespielt, nur dem Bass als Feigenblatt. Das hatte schon was leicht beängstigendes, passte aber  zu „Steinzeit“. Ganz offensichtlich kam noch hinzu, dass er ein echter Drogenfreak war. Die Titel von Mondo Generator – Alben „Cocaine Rodeo“ und „A Drug Problem That Never Existed“ sprechen für sich.

Nach fast 10 Jahren hat sich das Blatt wieder gewendet. Während der Aufnahmen zum aktuellen QOTSA-Album wurde bekannt, dass Oliveri wieder an Bord sein sollte. Das gleiche hieß es über Dave Grohl, der bei der „Songs…“ Schlagzeug gespielt hatte. Von einer Reunion der damaligen Top-Truppe war die Rede. Tatsächlich war der Beitrag von den beiden ein eher geringer, nur bei ein paar Stücken sind sie mit dabei gewesen. Aber Homme schien es mit Oliveri wieder auszuhalten. Im Gegenzug ist Homme auf der aktuellen Mondo Generator „Hell Comes To Your Heart“ zu hören, welches auch gleich im Pink-Duck-Studio von Homme in Kalifornien aufgenommen wurde. Weitere Gäste u.a. John Garcia (Kyuss), und CJ Ramone. Die 2007er Mondo Generator habe ich glatt sausen lassen, die Neue habe ich mir gleich gezogen, denn wenn Josh Homme die Finger im Spiel hat, kann man ziemlich sicher sein, dass etwas geniales oder halbwegs geniales dabei rauskommt.

Ich könnte mir gut vorstellen, dass es für Oliveri karrieremä$ig nix schlimmeres hätte geben können als den Rauswurf bei QOTSA. Wäre er in der Band geblieben, dürfte er ähnlich millionenschwer sein wie Homme. Sofern er in Stuttgart unterwegs war, muss er eigentlich über ein QOTSA-Plakat mit der Ankündigung der Show in der Schleyerhalle gestolpert sein. Das stelle ich mir schon bitter vor. Dass wir heute allerdings einen sehr sympathischen, bis auf die Knochen dankbaren und glücklichen Oliveri im Goldmarks antreffen, dürfte ganz sicher daran liegen, dass der Typ trotz allem Scheiß den er schon gebaut hat,  immer irgendwie nochmals davonkommt. Im letzten Jahr gab es die Meldung, Oliveri sei zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Beim NME ist von 15 Jahren Knast die Rede. Er, der teuflische, muss mit selbigem einen Deal abgeschlossen haben, sonst kommt man doch nicht mit einer Bewährung, Anti-Agrressionstraining und Sozialstunden davon, wenn man mal liest, was er sich wieder geleistet hat. Also entweder wirkt das Training, oder es ist das Glücksgefühl, statt jahrelang eingesperrt zu sein, in Europa auf Tour zu gehen, so oder so, heute gibt es weder Schläge, noch offensichliche Drogenexzesse. Heute sehen wir ein top Konzert im Goldmarks, das genau das richtige Venue ist.

Wir bekommen einen sehr gelungenen Mix aus Mondo-Genrator-Stücken, aus Stücken, die Oliveri bei QOTSA gesungen hat, und natürlich die unvermeidlichen Kyuss-Stücke, die jeder der vielen Ex-Mitglieder, die mit diversen Bands auf Tour sind, in das Set mit einbauen. Oliveri war kurzzeitig auch bei Kyuss am Start.

Eines der ersten Stücke ist „Gonna Leave You“ von QOTSA, das Oliveri zwar nicht geschrieben, aber gesungen hat. Überragendes Material. „Songs For The Deaf“ – ein Album das einen gewaltigen Schatten wirft. Es hat trotzdem was von einer Cover-Band, wenn nicht die ursprüngliche Band einen Hit spielt, aber egal, sehen wir nicht so eng, nach ein paar Bier merkt man sowas erst am nächsten Tag.

„Fuck You, I’m Free“, ein etwas älteres Mondo-Generator-Stück kommt als nächstes. Schon etwas wilder. DER Hit vom aktuellen Album „The Last Train“ kommt auf uns zugerast. Es darf nicht verwundern, dass es das Stück zusammen mit Josh Homme ist, dass fast den kompletten Rest der Platte wie zweite Sieger aussehen lässt. Ein irrer Hook dazu die geschrienen Vocals, und das Lead dürfte auch von Homme kommen.  Das nächste Brett ist ein weiteres Stück, dass Oliveri auf der „Songs…“ singen dürfte, das aber ursprünglich ein Desert-Sessions-Stück ist -„You Think I ain’t Worth A Dollar, But I Fell Like A Millionaire“, und wieder hängt der Geist von QOTSA im Raum. „You like to hear it – we like to play it“ sagt er der Nick, und er meint natürlich die älteren Stücke.

Trotzdem kommt noch Zeug von der neuen, mit „Won’t Let Go“ wird mehrstimmig abgerockt. Pflichtnummer ist natürlich auch „Auto Pilot“ von der „Rated R“, ein Stück zum runterkommen, gesungen von Oliveri auch im Original. Und weil es ihm in Stuttgart so gefällt singt er statt „Will wie arrive in the middle of nowhere“ „in the middle of Stuttgart„. Wer’s gemerkt hat, freut sich natürlich.

Gute bis sehr gute Achterbahnfahrt das Set, viele druckvolle irre Stücke, zur Abwechslung Balladen wie „Auto Pilot“, das Ganze von der Lautstärke her bei „eleven“.

Zugabe: „Dead Silence“, im Hit-Ranking die # 2 vom neuen Album, ganz zum Schluss „Greenmachine“ von Kyuss, was es für mich nicht gebraucht hätte, ist ein tolles Stück von Kyuss gewesen. Das man es jetzt von der x-ten Band hört, die die Kyuss-Kuh abmelken macht es nicht unbedingt interessanter. Trotzdem, eine solide Show, ein gelungenes Konzert. Die T-Shirts kosten 10 €, und Oliveri hängt noch 1,5 Stunden nach der Show mit den Fans ab. Das gibt es leider alles bei Josh Homme schon lange nicht mehr.

Mondo Generator

Bomb Whateva

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