ROBBIE WILLIAMS, 11.08.2013, Mercedes-Benz-Arena, Stuttgart

Wir waren da, aber ohne Fotografen. Egal. Früher sah‘ Robbie eh besser aus.

Verrückt. Jetzt erkenne ich doch tatsächlich auf meine alten Tage noch Gemeinsamkeiten mit Robbie Williams. Wir neigen anscheinend beide dazu, Dinge zu verkopft anzugehen. Und zwar vor allem dann, wenn wir etwas besonders gut machen wollen. Wenn wir uns richtig Mühe geben möchten. Wenn alle glücklich sein sollen. Dann denken und üben und überlegen wir. Dann packen wir tausend Ideen in einen viel zu kleinen Plan, stopfen hundert Feuerwerke in ein viel zu kurzes Zeitfenster, hecheln von Höhepunkt zu Höhepunkt und wundern uns darüber, dass das Umfeld unsere Performance nur „echt gut“  und nicht mindestens „unglaublich“ findet. Oder – einer meiner liebsten Klassiker – verscherzen es uns auf den letzten Metern mit allen ein bisschen. Weil, der Grad zwischen alle gleichzeitig richtig glücklich machen und alle zu gleichen Teilen irgendwie enttäuschen, ist verdammt schmal.  Und das fiese an der Sache ist: Am Ende interessiert es keinen, wie sehr man sich bemüht hat. Am Ende war man einfach nur „echt gut“ oder – wieder einer meiner Klassiker – „fast in Time“.

Du hast mir irgendwie Leid getan, wie du da über deine Bühne gerannt bist. Wie du Hit an Hit gereiht hast, wie alles viel zu gut gepasst hat. Und wie du immer wenn du  gerade irgendwo angekommen warst, schon wieder an einer ganz andern Stelle auf der Bühne erwartet wurdest.  Nur nicht den Plan gefährden.  Nur ja keine Idee überspringen.  Immer weiter rennen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, nicht du hast die Show vor dir her gepeitscht sondern deine Show dich.

Ich kann gar nicht abschätzen, wie viel du von deinem Konzert selbst mitbekommen hast. Hattest du überhaupt Gelegenheit dazu, dich an deinem 45.000 jubelnden Fans in der Mercedes Benz Arena zu freuen? Könntest du nach deiner Tour sagen, was an unserem Abend in Stuttgart anders war als bei deiner Show in Gelsenkirchen? Und herrje, Robbie, warum um Himmels Willen, musstest du denn auch noch goldene Pailletten über deinem Wohlfühlbäuchle tragen? Da denkt man doch sofort an Elvis und Las Vegas und macht sich wieder Sorgen um dich. Dann spekulieren doch wieder alle und schreiben irgendwelchen Mist über dich, deine Karriere, dein privates Glück. Hast du da nicht schon lange genug von?

Aber versteh mich nicht falsch; du hast echt gut performt, Robbie. Ich hab meiner Begleitung wirklich ständig entweder „Oh, stimmt ja. Der Song ist auch echt gut.“ oder  „Mensch, der Robbie hatte schon viele echt tolle Hits.“ ins Ohr gebrüllt.  Man vergisst so was ja, wenn du so lange in der Versenkung verschwindest und man selbst die halbe Zeit daran scheitert, sein verrücktes Leben als Klassenbeste abzuschließen.

Und manchmal hast du dir sogar ein paar Momente stehlen können, in denen du spontan sein konntest und keinen Masterplan erfüllen musstest.  Dann hast du zum Beispiel von deiner Tochter erzählt, uns stolz das furchtbar kitschige und wirklich uncoole Teddybären-Tattoo gezeigt, dass du dir für sie hast stechen lassen. Das waren deine besten Momente. Da war unser Arsch wirklich deiner. Da sind dir unsere Herzen zugeflogen, wie eh und je.

Soll ich dir mal ein Geheimnis verraten, Robbie? Keiner besucht deine Show wegen Feuerwerk und Firlefanz. Lass das doch die Madonnas und Beyonces und Lady Gagas dieser Welt machen. Wir wollen nicht die Rolling Robbie Fucking Williams Circus Show besuchen, sondern einen Abend mit unserem guten alten Freund verbringen. Und ob der jetzt graue Haare, ein Doppelkinn oder nur einen halben aktuellen Hit hat, ist wirklich fucking egal. Hauptsache man sieht sich mal wieder – und du bist endlich, endlich motherfucking happy.  Dann sind wir es nämlich auch.

 

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