OKTA LOGUE, 13.09.2012, Zwölfzehn, Stuttgart

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Foto: Özlem Yavuz

Normale Rockmusik ist ja ein mittlerweile angegrautes Genre. Irgendwann war das mal totaler Aufstand, taucht aber heute im Mainstream eher selten in Reinform auf, weil die meisten Rockbands ihren Sound mit Elektrokrimskrams mischen. So richtig analoges Geholze gibt’s, zumindest von jüngeren Bands, nicht mehr so recht.

Schön, dass sich am ergrauten Genre mal wieder vier Jungs Anfang 20 versuchen, Okta Logue aus Darmstadt. Haben eine EP gemacht, „Ballads of a burden“, die kenne ich und die ist gut. Fand auch Sony, die direkt zum signen anklopften.

Der Sound im Zwölfzehn ist eher mittel, das hält Okta Logue aber nicht davon ab, direkt voll loszubolzen. Die sind gut gelaunt, könnte auch daran liegen, dass Stuttgart erst die zweite Station auf ihrer ersten richtigen Tour ist. Da kann man schon mal Spaß dran haben. Das bleibt auch den ganzen Abend so, es ist fast das erfreulichste an dem auch sonst guten Konzert, den Jungs dabei zuzugucken, wie sie sich über ihre Musik freuen. „Macht voll Spaß heute abend“, findet Sänger Benno Herz auch schon nach zwei Liedern, als das Publikum mehr noch so im Ankomm-Modus ist. Danach spielen sie „Bright Lights“, ein echter Hit mit ebenso hitverdächtigem Video.

Dass die Songs für das erste Album, kommt nächstes Jahr, wohl auch schon relativ zahlreich sind merke ich daran, dass ich viele nicht kenne, die wohl neues Material sind. Ist mir aber manchmal zu poppig, die Songs auf der EP kommen rauer rüber. Gegen Mitte des Konzerts wird es dann viel besser, der Sound dichter. Am echtesten sind Okta Logue immer, wenn es sphärisch instrumental wird. So wie bei Dire Straits oder Jimi Hendrix, da dient der Gesang auch bloß zum Auffüllen. Obwohl Sänger Herz auch ein guter ist, bisschen schräg manchmal, aber das passt zum Gesamtsound. Sehr gut finde ich auch die Dynamik: Ruhigere Parts wechseln mit härteren Ausbrüchen, die vor allem der zum Ende immer wahnsinniger werdende Drummer ordentlich vorantreibt.

Zum Gesamtbild gehören außerdem, neben dem passenden Vagabunden-Outfit: massig Hall auf Gitarre und Stimme, eine eierende Schweineorgel, Vintage-Equipment, ellenlange Gitarrensoli. Ist man ja gar nicht mehr gewöhnt, bei all den Dreieinhalb-Minuten-Songs heutzutage. Aber ebefalls völlig passend zu der wilden Retro-Reise durch die Sechziger und Siebziger. Ich fühle mich angenehm daran erinnert, wie das mit der Rockmusik ursprünglich mal gedacht war, bevor dieser ganze Elektrokrams dazukam: Rotzig, wild, eher ländliche Weite der Praire als gedrängte Hochhausschluchten in Großtädten. Eher Lagerfeuer als Neonlicht. Zum Schluss spielen sie auch echt noch „Decay“ von Ballads of a burden, und zwar mutig die volle 20-Minuten-Version! Das Konzert und die Band finden alle gut, die da waren. Man könnte von diesen Darmstädter noch viel hören – wenn es ihnen weiter gelingt, sich von zu gefälligen Arrangements und Sounds fernzuhalten.

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Foto: Özlem Yavuz

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