THE JON SPENCER BLUES EXPLOSION, 16.07.2012, Schocken, Stuttgart

TJSBX

Foto: Steffen Schmid

„We’re # 1 in Philadelphia, # 1 in D.C., # 1 in Chicago, # 1 in Detroit, Austin…“ uswusf, # 1 in allen Großstädten in Nordamerika. Wir schreiben das Jahr 1994 und Jon Spencer zählt im Stück „Flavor“ großmaulig auf, wo „The Blues“ die Nase vorn hat. Recht hatte er. Denn selbst in der württembergischen Provinz können sich diverse Kids, inklusive mir, für das vierte Album der Jon Spencer Blues Explosion begeistern. „Orange“ zählt im Rückblick zu den richtig guten Platten der 90er, wild, sexy, obercool, damals noch auf dem Untergrund Label Crypt, später bei größeren Labels vielfach wiederveröffentlicht. Vor der „Orange“ hat die Band noch im Jugendhaus zu Bietigheim-Bissingen gespielt, danach ging es steil nach oben, obwohl der Nachfolger „Now I got worry“ noch rauer daherkam, mit, ebenso wie bei „Orange“ grenzwertiger Klangqualität. Aber das soll ja so sein, ich wünschte aber noch heute, dass die Produktion dieser beiden Alben anders verlaufen wäre. JSBX sind zwischenzeitlich von den kleinen Clubs in die mittelgroßen Hallen umgezogen, und spielen in München im ausverkauften Haus, machen nebenbei den Rentner R.L. Burnside groß, der im Gegensatz zur Hauptband echten Blues spielt, aber wie es bei seinem Label „Fat Possum“ heißt: „Not the same old blues crap“. Die „Explosion“ ist mittlerweile beim Indiegiganten „Mute“ und spielt in der coolsten Liga der Welt. Homiez, Remixer und Tourbegleitungen hören auf Namen wie Beastie Boys, Beck, Wu Tang, Terry Richardson.

Mit dem Nachfolger „Acme“ (Höhepunkt) von 1998, ist dieser erreicht, die Steve Albini Produktion klingt fetter, die Stücke sind poppig, weniger rau, Winona Ryder doubelt JS im Video zu „Talk about the blues“, die Show in München ist (wieder) ausverkauft, da bleibt kaum Luft noch oben. Das Album wird in zig Varianten mit zig Versionen/Remixen veröffentlicht, während das Trio jeweils Solomaterial veröffentlicht, besonders zu empfehlen ist Russell Simins‘ Solo Album.

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Foto: Steffen Schmid

Zu den Nachfolgealben kann man sich kürzer fassen, ich fand diese jeweils enttäuschend, auch wenn eine Show in Karlsruhe eine absolute Bombe war, verlor ich das Interesse an der Explosion, sie hätten eigentlich alles machen können, von Electro bis zu einem noisigen HipHop-Album, aber sie machten halt einfach „The same old Blues Explosion Crap“.

Acht Jahre sind seit dem letzten Album vergangen, die neue Platte liegt noch nicht auf dem Tisch, aber sie spielen trotzdem eine Show im Schocken auf der „Schwarze Gedanken“ Tour 2012. Nach UNSANE die nächsten 90er Helden vor der Haustüre, das ist schon super, Kudos ans Schocken. Das Interesse ist groß, die Schlange geht noch am Brunnen vorbei, ausverkauftes Haus glaube ich nicht, aber bestimmt nah dran.

Jon Spencer begegnet mir schon vor der Show an der Eberhardstraße, natürlich älter geworden, aber immer noch die eine obercoole Erscheinung, Rockstaraura aber hallo. Der Elvis des Underground Rock. Judah Bauer und besonders Russell Simins stehen aber kaum unter ihm, auch wenn sein Name schon der Bandname ist, bei JSBX können alle alles.

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Foto: Steffen Schmid

Als einigermaßen Auskenner fällt mir zum Anpfiff zunächst mal auf, dass Spencer tatsächlich immer noch die gleiche Gitarre spielt wie in den 90ern. Vielleicht bin ich ja der schlimmste aller Nerds, was das angeht, aber es ist definitiv DIE abgerockte Gitarre, nicht das gleiche Modell, das Exemplar. Positiv: Sound. Klingt von Anfang an top, was da auf uns losgelassen wird. Mein Auskennerstatus bröckelt, da es echt einige Stücke dauert, bis ich mit „Chicken Dog“ das erste Lied erkenne. Die mir unbekannten Stücke sind aber auch nicht übel, neues Material von der kommenden „Meat + Bone“ wird auch gespielt und sogar abgefilmt. Die gewünschten Ausflipper bleiben aber aus. Kein Problem, die Explosion liefert super ab, der Ruf der exzellenten Liveband wird wieder bestätigt. Judah und Jon spielen ja beide Gitarre, der weggesparte Bassist war aber noch nie ein Problem, das klang und klingt auch heute satt, Profis halt. Viele Klassiker werden gespielt wie „Afro“, und natürlich, ich würde schätzen das am häufigste vertretene Album des heutigen Abends ist: „Orange“. „Dang“ mit Judah an der Mudharmonika, das hiphoppige „Greyhound“, ein Traum. Selbst das Dub Narctic Sound System Cover „Fuck Shit up“ kommt, der hardcore Fan wird bedient. Weil wir die Band fleißig abfeiern gibt’s verdientermaßen eine Zugabe, in der wieder die „Orange“ ausgepackt wird. Größere Rockstars werden wohl so schnell nicht mehr Station machen, jetzt heißt es hoffen auf „Meat + Bone“, vielleicht wird das ja nochmal was mit der # 1.

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