LEVIN GOES LIGHTLY, 28.07.2017, Villa Merkel, Esslingen

LEVIN GOES LIGHTLY, 28.07.2016, Villa Merkel, Esslingen

Foto: Michael Haußmann

Einen besseren Platz als den offenen Wintergarten im Jugendstil-Ambiente der Villa Merkel kann es für das heutige Konzert von Levin goes Lightly gar nicht geben.

Levin goes Lightly ist auf gig-blog längst kein Unbekannter. In losen Zeitabständen wurde ab 2013 berichtet. In Leggings und Glitzerhemd gekleidet, ausgestattet mit E-Gitarre und Effektgeräten stand Levin Stadler in einer Wolke von Kunstnebel solo auf der Bühne beim ESxSW Festival. Mehrere Konzerte später dann der Bericht über das „Neo Romantic“ Release Konzert im Schocken. Wie gig-blog Kollege Holger schrieb: “Was Levin mit diesem Album-Release-Gig abgeliefert hat, wird man später als seinen Durchbruch bezeichnen. Selten hat ein einziger Gig einen derart massiven Fortschritt eines Künstlers manifestiert“. Das geht mir heute öfters durch den Kopf. Die Schlagwörter wechseln zwischen Fortschritt, Veränderung, Entwicklung und einfach „wow“ was sich getan hat. Ich sehe die Levin goes Lightly zum ersten Mal zusammen mit Thomas Zehnle (Bass) und Paul Schwarz (E-Drums). Ganz frisch für die Band ist der Ritterschlag von Iggy Pop. Dieser wollte (oder hat es inzwischen schon) den Song Nightclubbing in seiner Radiosendung auf BBC spielen.

LEVIN GOES LIGHTLY, 28.07.2016, Villa Merkel, Esslingen

Foto: Michael Haußmann

Voll ist es. Wer der Ansage der Band gefolgt und pünktlich gekommen ist, hat beste Sicht auf den flachen Bühnenbereich unter der runden Kuppel des Wintergartens. Die hinteren Reihen behelfen sich durch ihre hochgehaltenen Smartphones oder Tablets um einen Blick zu erhaschen, was im Bühnenbereich geboten wird. Anfangs stehe ich noch in der Nähe des Mischpults und genieße den glockenklaren Klang. Wie mit sanften Flügeln breitet sich der Sound von „Stars“ aus und geht über in das druckvollere „Bluesscreen“. Der größte Teil des Sets besteht aus dem aktuellen Album „Ga ps“.Mittlerweile kommen Raucher auch auf ihre Kosten. Durch die offenen Säulen weht ab und an ein laues Sommerlüftchen hinein und sie müssen zum Rauchen nicht vor die Tür gehen. Um doch vom Gehörten auch etwas zu sehen, habe ich mich in die vorderen Reihen vorgearbeitet. Gut, dass Levin Stadler hochgewachsenen ist, zwischen die Köpfe hindurch lässt sich ein Blick auf die Musiker erhaschen, die eingehaucht in die wechselnden farbigen Lichtspiele agieren.

Oft wurde die wunderbare tiefe Stimme von Levin Stadler beschrieben, als eine Mischung aus Ian Curtis und David Bowie. Ohne diese Assoziation überzustrapazieren, reihe ich mich da ein. Schwebend legt sich der Gesang auf das instrumentelle Zusammenspiel von Thomas Zehnle und Paul Schwarz. Levin Stadler wechselt zwischen seinen beiden Keyboards, der Sound bewegt sich rund um die Koordinaten von wavigem Synthiepop gepaart mit einer Frischzellenkur.

LEVIN GOES LIGHTLY, 28.07.2016, Villa Merkel, Esslingen

Foto: Michael Haußmann

Das Hemd von Levin ist mittlerweile aufgeknöpft, Schweiß tropft von der Stirn runter, die Schminke im Gesicht ist verwischt, der blaue Lidschatten scheint wasserfest zu sein. Er bedankt sich höflich beim Publikum. Das begeisterte Publikum will die Band gar nicht gehen lassen, noch zwei Zugaben werden gespielt, ehe sich eine Gasse bildet und die Band dann doch durchgelassen wird.

„Und wie fandest Du es“, fragt ein Mädel ihre Freundin. „Das war Saugeil“. Stimmt. Dem ist nichts hinzuzufügen.

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