THE ROBERT CRAY BAND, 10.10.2016, Theaterhaus, Stuttgart

Konzertbericht vom Konzert der ROBERT CRAY BAND am 10. Oktober 2016 im Theaterhaus, Stuttgart. Text: Christian Seyffert, Fotos: Michael Haußmann

Foto: Michael Haußmann

Was haben Robert Cray, Johnny Winter, Charlie Musselwhite, Dr. John sowie die Tedeschi Trucks Band gemeinsam? Sie alle sind einmal mit einem Grammy für das beste Blues-Album ausgezeichnet worden und alle waren mir bis dato unbekannt. Es ist schon erstaunlich, in welcher musikalischer Blase man sich oft bewegt und gleichzeitig aber auch verständlich, denn der Aufwand ist auch den meisten Musikbegeisterten zu hoch, um in allen Genres auf dem Laufenden zu sein. Meine wesentlichen Kenntnisse und Namen des Blues verdanke ich dem Film „Blues Brothers“, wobei hier schon die Schwierigkeiten beginnen, denn in diesem Klassiker sind weit mehr Stile zu hören als originärer Blues.

Und damit sind wir schon bei einem der auffälligsten Merkmale des Konzerts von Robert Cray und seiner Band am Montagabend im ausverkauften Theaterhaus. In 100 kurzweiligen Minuten präsentiert der Gitarren-Virtuose, dass er sein Motto „You gotta keep your ears open and expand your mind” ernst nimmt und den Blues nicht vor dem Einfluss anderer Musikstile abschottet. Dass erst dieser Umstand den Abend zu einem gelungenen macht, zeigt der Unterschied zwischen den ersten drei Songs. Plätschern die ersten beiden Songs noch vor sich hin mit dem typischen Blues-Schema (und einem an ein Casio-Einsteiger-Modell erinnernden Piano-Sound), ist das folgende „Poor Johnny“ von Reggae-Einflüssen geprägt, die Anleihen an den Blues sind aber trotzdem immer hörbar.

Dieser Unterschied ist auch auf die Spielfreude der drei Mitmusiker zurückzuführen, welche hör- und sichtbar zunimmt im Verlauf der ersten Stücke. Keyboarder Dover Weinberg gelingt es, den Raum, den Cray ihm anbietet, mit Einwürfen und Soli im typischen Blues-Orgel-Sound zu besetzen. Cray nimmt sich dann sehr zurück und übernimmt die Rolle des Rhythmus-Gitarristen. Allgemein ist der Sound der drei Begleitmusiker angenehm weich und bildet dadurch einen angenehmen Kontrast zu Crays spitzem, manchmal fast schrillem Sound seiner Fender-Gitarren. Dass er bei seinen zahlreichen Soli so brillieren und sich austoben kann, liegt auch an dem sattelfesten Gerüst, das ihm Drummer Les Falconer (mit sichtlich viel Vergnügen mitwippend- und singend) und Bassist Richard Cousins (barfuß und cool wie eigentlich alle am Bass) hinstellen.

THE ROBERT CRAY BAND, 10.10.2016, Theaterhaus, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Cray bei seinen Soli zu beobachten ist ein Genuss. Die Augen oft geschlossen, steht er meist am selben Platz, wiegt den Oberkörper in alle Richtungen und zeigt mit seiner Mimik und dem Mitsingen des Solos, dass er in diesem Moment voll aufgeht. Dabei sind die Soli nicht auf Effekthascherei ausgelegt, sondern überzeugen durch wirkliches Gespür für den jeweiligen Song und überraschende, teils jazzige Ausbrüche. Das Gleiche gilt für das Songwriting: die Songs zeichnet ein solides Gerüst aus innerhalb dessem es gelingt, manchmal mit unkonventionellen Akkordfolgen, dann wieder mit Variationen in der Dynamik, für Abwechslung zu sorgen. Diese wird zusätzlich noch gesteigert, indem zum schon genannten Reggae noch munter Soul, Funk, Pop und Rock die verschiedenen Stücke beeinflusst – immer geprägt von Robert Crays famoser Stimme, die eigentlich mehr durch den Soul geprägt scheint als durch den Blues.

Ein wunderbarer, vielseitiger, den musikalischen Horizont wieder etwas erweiternder Abend, bei dem nur ein kleines Manko bleibt: Für Fotos wurde den anwesenden Fotografen genau der erste Song genehmigt. Weniger geht dann wirklich nicht mehr, liebe Künstler und Managements. Außer es kommt dann doch soweit, wie unser Fotograf Micha mir zuraunte, dass man vielleicht bald mit verbundenen Augen fotografieren müsse.

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