BATTLES, 11.06.2011, München, Feierwerk

Foto: Tox

Die derzeit heißeste Band auf dem Planeten bringt ihr 2. Album „Gloss Drop“ raus und spielt fast zeitgleich Konzerte in Deutschland – mehr als Ehrensache, dass da einer aus dem Team dabei sein muss, auch wenn es wieder einmal heißt Großraum Stuttgart vs. München 0:1. Also nicht das erste Mal, dass uns das zugegebenermaßen feine Feierwerk Premiumbands weg-gefaxt/emailt hat.

BATTLES aus NY (gesprochen Nai) wurden mir im Jahre 2007 aus Italien von Kollege Lino per SMS empfohlen, er habe da im TV das Musikvideo zu „Atlas“ gesehen. Jetzt könnte man auf die Idee kommen diese SMS sofort zu löschen, den Tip ignorieren, denn italienisches Musik-TV, das kann ja nix sein, das deutsche ist ja schon unerträglich, oder vielleicht endlich tot, keine Ahnung, aber zum Glück habe ich anstandshalber das Ganze dann doch abgecheckt. Musik-TV in Italien: Daumen hoch! Danke von dieser Stelle an den unermüdlichen Lino, der schon wieder auf Safari in Süd-Italien verweilt, nur um die Musiksender nach den Trends und den Bands für die kommenden Jahre zu durchsuchen. „Atlas“ hat sich schnell zu einem meiner absoluten Favoriten entwickelt, auch wenn ich mir noch heute wünschen würde, es gäbe ein Instrumental des Stückes auf einer B-Seite, denn der schlumpfhafte Gesang, der will mir immer noch nicht gefallen. Minus Gesang ist das Stück unglaublich gut, vielschichtig walzt sich der Gigant erst nach Minute 7:07 ins Ziel. Das dazugehörige Album „Mirrored“ war mir anfangs zu sperrig, das legt sich aber mit der Zeit.

Vier Jahre später bringt die vom Quartett zum Trio geschrumpfte Band um John Stanier (Ex-Helmet)  wieder auf Warp Records den Nachfolger unters Volk, und hat meine Erwartungen mehr als übertroffen. „Gloss Drop“ ist in vielerlei Hinsicht anders geworden als das Debüt, zugänglicher schon nach dem ersten Hören, Gastsänger (u.a. Gary Numan „Here in my car…“) wurden ins Boot geholt, trotzdem ist es BATTLES durch und durch. Immer noch kompliziertes Gefrickel dabei, aber auch Groovemonster gespickt mit dem wahnsinnig gutem Drumming von Stanier – die Drums: das Zentrale Instrument. Ich habe den Vergleich 1. Platte die männliche (auch schwarzes Artwork), 2. Platte die weibliche (pinkes auch sehr gelungenes Artwork) – das passt auch im Musikalischen auch ganz gut. Ich kann jedenfalls von „Gloss Drop“ nicht genug bekommen, auch die ganz kurzen Stücke können nicht als „Filler“ bezeichnet werden, und wie oft kommt es vor, dass ein Album fast durchgängig Hit auf Hit hat – es kommt selten vor. Ausserdem von Typen erschaffen, die die 40 schon genommen haben! Nicht selten touren Musiker in diesem Alter auf den Erfolgen von vor 20 Jahren herum, Battles sind dagegen die Un-Pixies, frisch, innovativ, und obwohl aus NY ziemlich europäisch, finde ich – könnte an der Zeit, die Stanier in Köln verbracht, hat liegen, und Techno für sich entdeckt hat.

Es wurde angekündigt, dass sofern es terminlich passt, die Gastsänger auf der Platte auch bei der Tour dabei sein werden, Matias Aguayo als Deutscher für die Shows hierzulande, Gary Numan im UK. Mal sehen.  Das Trio findet auf der mit Instrumenten, Kabeln, Effekgeräten und Leinwänden vollgestopften Bühne gerade noch Platz, und es geht mit frischem Material los, dem ersten Stück von Gloss Drop. Auch live sieht man gleich – hier passt alles, Sound super, die Band hat Bock, der Laden hat sich auch langsam gefüllt, aber für einen Samstagabend ist zu wenig los. Stanier sieht aus wie der Helmet-Drummer in alt mit kurzer Hose, Trademark natürlich wie immer: Das Becken hängt wieder auf ca. 2 Meter 30 –  Weltrekord! Und er drischt auf das an ein Ufo am Horizont erinnernde Teil ein, ohne aufzustehen. Allein schon deshalb hat sich die Fahrt gelohnt. Ian Williams ist auch ein Unikat: Schon vor der Show sehe ich ihn regelmäßig im Raum rumlatschen, die Situation checkend, Kaugummi kauend wippt er durch die Gegend und der Verdacht, dass er sich nicht nur am Bier berauscht, hat drängt sich den ganzen Abend mehr als auf. Eine coole Sau, der von normalen Gitarrenspielen wenig hält, zupfend und „tappend“ wird er sie bearbeiten – aussehen, als könne er überhaupt „normal“ spielen, tut das nicht, aber es klingt wie alles, was die drei fabrizieren extrem gut. Zusätzlich spielt er auch noch gleichzeitig mit der Gitarre eins der beiden Keyboards zwischen denen er steht, die fast im 90° Winkel nach oben gerichtet sind! Immer den Groove im Kreuz schafft er es sogar noch gleichzeitig locker zu tanzen. Der Dritte im Bunde, Dave Konopka, der Designer, ist der Kommunikativste, offenbar Multiinstrumentalist, der ständig mit Effektgeräten am Zaubern ist. Matias Aguayo hat es leider offenbar nicht zur Show geschafft, denn während die ersten Klänge vom „Ice Cream“ ertönen erscheint der Sänger als Projektion auf den Leinwänden – ein Kniff den wir auch schon bei Peaches in Schorndorf gesehen hatten, als Iggy Pop wegen Hautstraffen keine Zeit hatte. Auch Gary Numan wird uns noch bei „My Machines“ auf der Leinwand begegnen. Von der ersten Platte kommt nix, egal, die Neue ist konzerttauglicher, tanzbarer, und getanzt wird auch fleißig zu einer Band, die vielleicht immer noch im Segment „Math Rock“ in manchen Plattenläden steht, die auf einem Electrolabel in England veröffentlicht, und die bereits jetzt im ersten Halbjahr 2011 die Platte des Jahres im Haben hat. Schön dabei gewesen zu sein.

Hier haben wir noch ein paar Live Bilder aus 2008:

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