MONDO SANGUE, 22.10.2020, Fridas Pier, Stuttgart

MONDO SANGUE, 22.10.2020, Fridas Pier, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Ihr wisst, wir haben ein Faible für musikalische Grenzgebiete und obskure Nischen. Da ist es geradezu zwingend, sich mit dem Projekt Mondo Sangue zu beschäftigen. Denn auf der nach oben offenen Nerd-Skala nimmt es definitiv einen Spitzenplatz ein. Die Stuttgarter Christian Bluthardt und Yvy Pop produzieren mit viel Liebe zum Detail Soundtracks zu fiktiven italienischen B-Movies. Was mit einem Soundtrack für einen Kannibalen-Film startete und mit einem Spaghetti-Western-Score fortgesetzt wurde, findet nun mit dem Retro-Italo-SciFi-Soundtrack „VEGA-5 (Avventure nel Cosmo)“ seine dritte Auflage.

Allen pandemischen Widrigkeiten zum Trotz lassen sich die beiden es nicht nehmen, dies Opus in einer Release-Show ihren Fans zu präsentieren. Und jetzt wird’s doppelt spannend: Für dieses Event haben sie nämlich das Event-Schiff Fridas Pier gebucht. Dessen Stapellauf fiel ja leider auch mitten in die Corona-Flaute, sodass wir noch keine Chance hatten, uns dort mal umzusehen. Gründe genug also, an einem nasskalten, späten Donnerstagabend den etwas versteckten Weg ans Neckarufer zu suchen.

MONDO SANGUE, 22.10.2020, Fridas Pier, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Der ehemalige Frachttanker “Wilhelm Knipscheer” liegt an der alten Kohlenverladestelle des Heizkraftwerks Gaisburg und ist über den Uferweg zwischen B10 und Neckar zu erreichen. Das zum „Piergarten“ umgestaltete Ufer wurde diesen Sommer – soweit es Corona zuließ – bereits rege genutzt, heute liegt es aber im Halbdunkel. Uns zieht es an Bord des Schiffs, genauer in seinen Frachtraum. Und wir staunen: Wie viel Liebe (und Geld) wurde hier investiert! Eine stattliche Bar, amtliche Technikinstallationen und Platz für 500 Leute sehen wir im geräumigen Bauch des Schiffes. Was für ein großartiger Zuwachs für die Stuttgarter Club-Szene! Heute ist das Schiff allerdings ein Raumschiff: Wir checken ein für den Jungfernflug der VEGA-5. Die für einen Raumflug erforderlichen Hygienemaßnahmen werden von zwei voll vermummten Astronautinnen in der Desinfektionsschleuse vorgenommen und die paar Dutzend Mitreisenden dürfen sich inmitten einer Videoprojektion auf weiträumig verteilten Liegestühlen platzieren.

MONDO SANGUE, 22.10.2020, Fridas Pier, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Natürlich bleibt es nicht beim einfachen Abspielen des Albums. Nach kurzer Begrüßung und Countdown starten mit der Musik die Live-Videoprojektionen der Gruppe Phoenix Retro Light. Mit Schalen bunter Flüssigkeiten auf Tageslichtprojektoren produzieren sie fließende, psychedelische Animationen, die zusammen mit den untergelegten Retro-Science-Fiction-Clips eine wunderbare Synthese mit dem Soundtrack eingehen. Und die Musik? Die ist eine bunte Mischung diverser spaciger Retro-Sounds aus den Sechzigern bis Achtzigern voller augenzwinkernder Zitate für Auskenner. Nichts ist gecovert und dennoch denkt man dauernd, man habe es schon mal irgendwo gehört. Wie zum Beispiel das Duett „Space Cowboy“, in dem sich Yvy Pop und ihr prominenter (neuerdings sogar aus den Tagesthemen bekannter) Duett-Partner Alberto Rocca vor Nancy Sinatra und Lee Hazlewood verneigen.

Das Album selbst erscheint am 30.10.2020 in einer Auflage von 666 Stück. Wie schon seine Vorgänger ist das Vinyl opulent ausgestattet und mit einem Artwork im Stile eines Sechziger-Jahre-Filmplakats versehen. Und der Gipfel des Nerdtums: Den ersten 100 Exemplaren ist ein echter Splitter des Campo-del-Cielo-Meteoriten beigelegt. Man darf gespannt sein, wie die beiden dies mit ihrem vierten Album noch toppen wollen.

MONDO SANGUE, 22.10.2020, Fridas Pier, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

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