CARY MORIN, 28.10.2018, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Cary Morin

Foto: Steffen Schmid

Das Konzept des Stuttgarter Vereins InDieWohnzimmer besteht bekanntlich darin, Konzerte auch in anderen als dem Feuerbacher Stammwohnzimmer zu veranstalten. Und wenn die jeweiligen Gastgeber die Künstler nach ihrem Geschmack wählen, dann können dabei ganz mutige Bookings herauskommen. So jetzt geschehen im „InDieWohnzimmer West“. Mit Cary Morin, einem amerikanischen Ureinwohner, der sich in erster Linie der Roots Music mit Schwerpunkt Blues verschrieben hat, kommt eine ganz neue Farbe auf die Palette. Und dieser Mut wird sogar mit besonderem Besucherandrang belohnt.

Cary Morin

Foto: Steffen Schmid

Gut fünfzig Besucher haben sich in der „Außenstelle“ in schönster Aussichtslage eingefunden. Das Setup ist denkbar simpel: ein Mann, eine Stimme, eine Gitarre. Und dass diese es in sich haben, wird schon mit den ersten Tönen klar. Ohne jegliche Effekte, aber mit unglaublich virtuosem Picking, fesselt Cary Morin sein Publikum vom ersten Moment an. Mit einer Erzählung aus seiner Kindheit gibt er ein paar Einblicke in das Leben seines Stammes, der Crow-Indianer, ansonsten beschränkt er sich – bis auf wenige kurze Ansagen – auf seine musikalische Darbietung. Einen Großteil des Abends bestreitet der mehrfach preisgekrönte Musiker mit Titeln seines frisch veröffentlichten Albums „When I Rise“.

Cary Morin

Foto: Steffen Schmid

Und das mit Bravour. Morin hat nämlich nicht nur eine wunderbare Soul-Stimme, sein Gitarrenspiel ist überaus variantenreich. Dabei beschränkt er sich nicht auf Oldschool Blues, auch in Folk oder Country ist er zuhause. Und die Gitarrensoli haben häufig jazzig-schräge Wendungen und Harmoniewechsel. Das ist große Kunst und vielen im Publikum steht der Mund vor Staunen offen. Knapp eineinhalb Stunden hält Cary Morin das Publikum mühelos in Atem, bevor er sich mit einem „German Wheat Beer“ zu den Gästen gesellt, die auf der Terrasse die nächtliche Aussicht genießen.

Cary Morin

Foto: Steffen Schmid

Fast unisono fällt das Urteil der Gäste aus: normalerweise würden sie ja solche Musik nicht hören, aber dies sei einfach derart gut, dem könne man sich einfach nicht entziehen. Und ein Gast bringt es auf den Punkt: wenn man, wie Morin es tut, dem Blues alles Unangenehme nimmt, die Larmoyanz und die klischeehafte Männlichkeits-Attitüde, dann sei das einfach fantastische Musik. Dem ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht, dass man sich sehr wünschen würde, dass einer der renommierten Blues-Clubs in Stuttgart diesen tollen Musiker entdecken würde.

Cary Morin

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