SAY SUE ME, 04.05.2018, Manufaktur, Schorndorf

SAY SUE ME, 04.05.2018, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Kurzes Brainstorming. Was fällt uns spontan zu Südkorea ein? Samsung, Kimchi, Gangnam Style, K-Pop, E-Sports? Klar. Strandleben, Indiepop, Surfmusik, Shoegaze? Wohl eher nicht. Dass die außerhalb ihres Heimtlandes noch weitgehend unbekannte koreanische Indie-Band Say Sue Me dennoch eine komplette Europatour stemmt und dabei sogar in renommierten Locations wie der Schorndorfer Manufaktur unterkommt, ist umso erstaunlicher. Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass jeder aufgeschlossene Booker, der den Blick über den musikalischen Tellerrand wagt und sich die Songs dieser Band einfach mal anhört, schlicht nicht nein sagen kann. Die Mischung aus verträumten Indiepop, Surf und Garage Rock mit Ausflügen in Shoegaze und Noise ist derart vielfältig, fluffig und charmant, dass man die Band einfach live zu Gast haben will.

Und wenn das dann an einem lauen Sommerabend, der weiß Gott viele Alternativen bietet, sogar rund 80 neugierige Zuschauer in die Manufaktur lockt, kann man das schon als erste Belohnung für das mutige Booking bezeichnen.

SAY SUE ME, 04.05.2018, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Punkt neun betritt die Band um die zierliche Sängerin Sumi Choi die Bühne der Manufaktur. Anders als am Vorabend in Trier erschallt ein freundlicher Willkommensapplaus, der mit einem schüchternen Lächeln quittiert wird. Die Instrumente werden umgeschnallt und mit „After Falling Asleep“ vom aktuellen Album „Where We Were Together“ ein gefälliger Einstieg in den Gig gewählt. Leicht wie eine Sommerbrise umschmeichelt der Song die Zuhörer. Klamottenmäßig dazu perfekt passend: Sumi Choi in einem leichten Hängerkleidchen, T-Shirt, Sportsocken und Sneakers. Ein Outfit, das auf einer Rockbühne bestenfalls noch von John Paul Moran von Monochrome Set getragen werden kann. Schon ziemlich früh im Set kommt „Old Town“, der aktuelle Hit, der auch locker von englischen Indiegrößen wie Veronica Falls stammen könnte. Großartig. Die ersten Tänzer bewegen sich vor der Bühne.

SAY SUE ME, 04.05.2018, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Tempo und Dynamik werden mit jedem Song ein wenig angezogen. Die Setlist ist wohlüberlegt. Say Sue Me bringen eine Menge Live-Erfahrung mit, so jung wie sie aussieht, ist die Band nämlich nicht. 2012 wird als Gründungsjahr genannt. Wenn Sumi in Songs wie „Ours“ koreanisch singt und dieser mit einer lässigen Easy-Listening-Attitude daherkommt, fühlt man sich sogar ein wenig an die kauzigen Pizzicato Five erinnert. Und Songs wie „My Problem“ mit ihren federnden Gitarrenläufen könnten locker aus der Feder von Motoramas Vlad Parschin stammen. Richtig stark werden Say Sue Me aber immer dann, wenn Verzerrer und Lautstärke hochgefahren werden. Das rockige „I Just Wanna Dance“ und vor allem das krachend-noisige „B Lover“ sind die Höhepunkte des Sets. So unscheinbar Bassist Jae Young und Gitarrist Kim Byungkyu bisher agiert haben, mit zunehmender Dauer werden sie immer präsenter und geraten sogar richtig in Bewegung.

SAY SUE ME, 04.05.2018, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

Und als das offizielle Programm nach gut einer Stunde mit dem monumentalen, von Dreampop Richtung Postrock changierende, „Coming To The End“ tatsächlich an sein Ende kommt, brilliert Kim Byungkyu mit einem minutenlangen Gitarrensolo. Ein furioser Schlusspunkt, der nicht nur mit mächtigem Applaus, sondern auch mit „Bravo“-Rufen gefeiert wird.

Und Say Sue Me lassen sich noch zu zwei Zugaben auf die Bühne bewegen. Darunter das Ramones Cover „Rockaway Beach“, das nicht nur augenzwinkert den Bogen schlägt von Busans Gwangalli Beach (wo die vier ihre Heimat haben) an die Strände New Yorks, sondern auch ein klares Bekenntnis zu einem der wichtigsten Einflüsse in der Musik von Say Sue Me darstellt. Etwas früher im Konzert gab es übrigens von der aktuellen Cover-EP „It’s Just a Short Walk“ auch Blondies „Dreaming“.

Und dass nicht nur diese EP, sondern auch die anderen Tonträger und Fan-Produkte zu einem wahren Run auf den Merch-Stand führen, dürfte der endgültige Beweis dafür sein, wie sehr Say Sue Me das Schorndorfer Publikum begeistert haben.

SAY SUE ME, 04.05.2018, Manufaktur, Schorndorf

Foto: Michael Haußmann

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