JUNIP, 29.09.2010, Schocken, Stuttgart

Junip

Fotos: Steffen Schmid

Warum bin ich eigentlich heute Abend nochmal hier? Ach so, genau, Referenzen. Junip lief die Wochen mal in Arnd Zeiglers sehr geschätzter Radiosendung, außerdem klingt der Textausschnitt des Schocken-Newsletter heute aber auch gar zu verlockend: „…Orgel mit perlenden spacigen Sounds, wie man sie seit Laika nicht mehr gehört hat…“ steht da, und ich mag ja perlende, spacige Sounds gut leiden.

Wäre ich ein richtiger Indiekenner, würde ich natürlich einen anderen Hauptgrund angeben: José González, Kopf und Sänger der Band, ist durch seine Solokarriere schon recht bekannt geworden, u.a. wird seine Musik auch in der Serie O.C., California verwendet.
Der Schwede ist Sohn argentinischer Einwanderer, erinnert mich optisch aber irgendwie an eine maghrebinische Version von Rocko Schamoni. Völlig egal natürlich, wichtig ist die Musik. Die legt um viertel vor zehn los.

Das Schocken ist rappelvoll, die Bühne liebevoll wie ein Proberaum ausstaffiert. Kuckucksuhr, Globus, Teppiche, Schildkrötenlampe, Discokugel, Plastikpflanze, eine schöne, heimelige Atmosphäre strahlt da von der Bühne.
Live haben sich Junip noch um zwei Musiker verstärkt, und fungieren als Quintett. Das Rhodes + Moog Intro gibt schon die weitere Sound-Marschroute vor. Analog warm wird es uns werden. Der Sound ist wirklich sehr gut, nicht zu laut, alles klingt klar. Die Musik selbst eine wunderbare Mischung aus Folkpop-Melodien, Psychedelicklängen und Krautrockrhythmen alá NEU!.
José González spielt meist eine klassische Gitarre mit diversen offenen Stimmungen. Ohne Virtuosismen beweist er im Lauf des Abends, welch hervorragender Musiker er ist. Stilvolles Spiel, scheinbare Leichtigkeit, keine Fehler. Seine Stimme zeigt ähnliche Merkmale. Unaufgeregt, schlicht, warm, und doch mit ganz eigener Farbe, fange ich schon nach dem ersten Stück zu grübeln an, woher ich diese Stimme kenne. Zero 7 ist die Antwort. Für diese hat er schon ein paar Songs eingesungen. Konsequenterweise erinnert der zweite Song Faded The Grain dann auch musikalisch an jene.

Seine Mitmusiker stehen ihm in nichts nach. Völliger Verzicht auf Virtuosität, aber das homogene Zusammenspiel, die Variationen in der Dynamik, das Bedienen diverser Instrumente und mehrstimmige Gesänge sind Merkmale großer Kunst. Vor allem das Schlagzeugspiel von Elias Araya hat es mir angetan, aber der Nachname verplichtet ja schließlich auch.

José verkündet dann, dass dies ihre erste Tour ist. Wahrlich ungewöhnlich für eine Band, die schon seit 12 Jahren existiert. Aber ihr erstes vollständiges Album Fields wurde ja auch gerade erst veröffentlicht.

It’s Alright, Chickens, Sweet & Bitter, ein Song schöner und besser als der andere. Das vorletzte Stück (At The Doors??) des regulären Sets haut mich dann komplett aus den Schuhen. Ein ekstatisch gesteigertes Psychedelicpop Stück, angefüllt mit flirrenden Synthieounds, ganz, ganz großartig! Alles drin was ich an Musik mag.

Nach knapp einer Stunde verabschieden sich Junip, doch das johlende Publikum zeigt, dass es das noch nicht gewesen sein kann. Drei Zugaben bekommen wir noch zu hören. V.a. das wunderschöne Springsteen Cover The Ghost Of Tom Joad sticht heraus. The Boss ist ja wahrlich nicht meine Baustelle, aber der Song hat mich dann doch sehr berührt.

Die beginnende Herbstmelancholie haben mir Junip an diesem Abend schön ausgetrieben. Ein echtes Highlight dieses Konzertjahres, und ich bin mal gespannt ob die nach dem Konzert gekaufte 3 CD-Deluxe Edition mit dem Konzert mithalten kann.

Junip

Fotos: Steffen Schmid

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2 Gedanken zu „JUNIP, 29.09.2010, Schocken, Stuttgart

  • 5. Oktober 2010 um 00:56
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    War echt ein super Konzert, nur kam es mir ein bisschen zu kurz vor.

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