ELECTRIC WIZARD, 07.04.2017, Stuttgart, LKA

Electric Wizard

Foto: Michael Weiß

Wir hatten die Doom-Band aus England bereits 2012 im Programm. Meine Erwartungen damals waren sehr hoch, denn das seinerzeit vorletzte Album „Witchcult Today“ stünde ganz sicher auf meiner Top-10-Doom-Platten-Liste. Die Vorfreude wurde nicht so ganz erfüllt. Ich habe die Show im Uni als mittelmäßig gut in Erinnerung. Ungute Setlist plus eher lahme Performance – hat mir nicht so ganz gepasst. Heute also zweite Chance für eine Band, die neben CHURCH OF MISERY spontan als sehr wertiger Sabbath-Ersatz einfallen. ELECTRIC WIZARD schon geographisch ganz nah dran, dann noch der Name, der vermutlich den Sabbath-Liedern „The Wizard“ und „Electric Funeral“ entnommen wurde. Der Sänger heißt „Oborn“, was am Original auch nur verdammt knapp vorbeischrammt. Äußerlich erinnert er auch noch an den späteren, aufgequollenen Ozzy in klein. Die Voraussetzungen könnten kaum besser sein, und ELECTRIC WIZARD liefern meistens, auch was sie versprechen. Solide seit 1994 auf „Rise Above“, dem Label von Lee Dorrian (CATHEDRAL). Ich kenne WIZARD seit ihrem kurzen Ausflug nach San Francisco zu Man’s Ruin, legendäres Label, dem QUEENS OF THE STONE AGE entsprungen sind. Alles muss man wie so oft nicht besitzen, „Dopethrone“, und die bereits erwähnte „Witchcult“ sind meiner Meinung nach Pflicht.

Electric Wizard

Foto: Michael Weiß

Besser kann der Abend, unter dem lustigen Motto „Legalise Drugs & Murder“ (Merchandise) kaum beginnen: Nach dem Einheizer von CELTIC FROST „Proclamation (of the wicked)“ geht die Show mit „Witchcult Today“ los. Ein Riff, das einem kalte Schauer über die Arme in den Rücken schickt, selbst ohne Mord und Drogen. Wir werden dieses heute noch öfter hören – nichts dagegen, weil es so gut ist. „Shut up and play the hits!!!“ will man manchmal den Bands entgegen schreien – das wird heute nicht nötig sein. Komplementiert wird der Sound mit Filmchen, die ich als Film-Laie in die Ecke „Satanische-Schwarze-Messe-Softpornos“ stecken würde. Könnte etwas mit Aleister Crowley oder Anton LaVey zu tun haben. So genau kenne ich mich da nicht aus. Wer greifbares WIZARD-Material besitzt, weiß, dass aufgehängte nackte Frauen mit „70s-Busch“, und armselig wirkende Männer („Zeremonienmeister“?), dazu gehören wie bei Kiss die Schminke und bei SUNN O))) die Robe. Der erste Eindruck ist ein Guter. Das LKA, zwar verkleinert, ist ganz ok besucht, ich hätte mit weniger gerechnet. Über den Sound wird später etwas geschumpfen – zu leise. Lauuuder! Stört mich weniger. Auch nicht dramatisch, dass beim zweiten Stück „Black Mass“ (man sieht wohin die Reise führt), die Stimme bereits untergeht, aber das ist auf den Alben nicht anders, kennt man. Die Filmchen werden schickiger, die Frauen fliegen durch sichtbare LSD-Trips, die Lieder werden länger („Return Trip“?), ich bin ziemlich begeistert. Wenn jetzt noch der eine mit Gesichts-Tätowierung dabei wäre – schade! Die Musiker sehen mir ausgetauscht aus, nur Misses Liz Buckingham (was für eine Name), angeblich die Ehefrau vom kurzen Oborn, ist unschwer wieder zuerkennen. Stoner-Postergirl, die, ziemlich ungewöhnlich bei Frauen in Männerband, nicht an den Bass abgeschoben wurde, sondern Gitarre spielt.

Ich nenne es das „ELECTRIC-WIZARD-THEME-RIFF“ von der „Witchcult“, ein Riff, das sich durch das Album schlängelt wie die zahnlose, kastrierte, zahme Boa über nackte Frauenkörper in schlechten satanischen B-Filmchen, kommt noch mindestens zwei Mal aus der Anlage, so dass sehr wahrscheinlich noch „Satanic Rites Of Drugula“ und ganz sicher „The Chosen Few“ in voller Länge gespielt werden. Trägt weiter zu meiner Begeisterung bei. Auf der Leinwand: Hells Angels. Evil – Eeevil I tell ya! All hail Drugula!

Das Ende kommt kurz und schmerzvoll. SLAYER schmeissen uns mit „Seansons In The Abyss“ raus – das macht es erträglich.

Electric Wizard

Foto: Michael Weiß

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