FITNESS FOREVER, 12.06.2014, Rive Di Traiano, Terracina

DEP

Foto: iPhone

Eigentlich sind ja bekanntlich die „Vacanze A Settembre“, aber geht halt nicht immer. Und Urlaub sollte auch Urlaub sein, aber für meine und Erlend Øyes Lieblingsband ist ein kleines Live-Update immer drin. Und wie im vergangenen Jahr isses mal wieder an einem Strand am Meer. Wir gehen halt auch dahin, wo’s wehtut.

In einem Lido in Terracina findet der Auftritt statt. Ein sehr schöner Küstenabschnitt im Latium ist das, mit steilen Felswänden, Sandbuchten, vorgelagerten Inseln und allem, was so zu einer Top-Mittelmeerküste dazugehört. Gute zwei Autostunden von Neapel entfernt ist das, und man muss durch die „terra dei fuochi“ fahren, bekannt und berüchtigt aus dem Buch „Gomorrha„. Aber wir (ich als embedded Blog-Honk mit den Fitness Forever Leuten) schaffen es ohne Schusswunden anzukommen, knapp zwei Stunden zu spät als vereinbart. Maulen tut dann doch wegen sowas keiner, wir sind ja in Italien.

Das Konzert geht dann pünktlich mit dem Schlusspfiff der WM-Eröffnungspartie Brasilien-Kroatien um 23:45 Uhr los, Openair natürlich. Eine Tatsache, die bei Stuttgartern Konzertveranstaltern und Anwohnern für Schwindelanfälle sorgen dürfte. Aber da nebenan der Bagger eh bis spät in die Nacht das Beach Soccer-Stadium für die hier stattfindende EM vorbereitet, ist es ja eh laut. Ach so, pünktlich zum ersten Song „Piano Fender Blues“ geht im Bandhintergrund am Nachbar-Lido noch ein Feuerwerk los.

Was hat sich getan seit unserem letztem Besuch vor einem Jahr bei den Neapolitanern? Viel! Da wurde natürlich das Album „Cosmos“ im letztem Jahr veröffentlicht, und überall wo es rezensiert, wurde es zu Recht hochgelobt, mit seiner gelungenen Mischung aus anspruchsvollem Italopop der 70er, Steely Dan und Marcos Valle. Außerdem hat sich Erlend  Øye als Riesenfan der Band geoutet, paar Konzerte mit den Fitness Forever zusammengespielt und an einem noch zu veröffentlichenden Song kollaboriert. Zudem ist mit Alfredo noch ein weiterer Musiker hinzugekommen, der die Band wahlweise mit Keyboard, Gitarre und Gesang unterstützt. Und die Videos hat er auch noch produziert. Furchtbar talentierter Haufen ist das.

Live ist die Band mittlerweile um Klassen besser geworden. Das Resultat vieler Konzertauftritte und noch mehr Übens, aber das heute hier ist musikalisch eine ganz andere Liga als vor einem Jahr und richtig fantastisch. Die Arrangements sind viel feiner ausgetüftelt, und es klingt so gut wie auf Platte. Musikalisch hochwertig, dynamisch perfekt, durch den sehr guten Sound alles sehr gut zu raushören und zu gouetieren. Ein Verdienst von Tontechniker Mario Grimaldi, der übrigens am 20. Juli in Stuttgart für Eugenio Bennato den Sound mischen darf.

Der erste Part des Sets wird von den Songs vom neuen Album bestimmt. Viel Synthies und Keyboards prägen den Sound, die Atmosphäre ist im Vergleich zum ersten Album mehr in den 70ern und 80ern angesiedelt. Carola hat an ihrem Gesangstil gefeilt und singt mittlerweile „einfacher“ und auch ihre Gitarrenparts fügen sich perfekt in den Gesamtsound ein. Schön der Mitsing-Part bei „Lui“, bei dem Supersympathikus und Bassist Luigi den Ton vorgibt, und zum ersten Mal seine Gesangskünste zum Besten gibt. Beim Titelstück „Cosmos“ ist er mit dem irrwitzigen Basslauf ja eh der Star.

Der zweite Teil des Konzerts beinhaltet mehr Gitarre als die Songs der neueren Veröffentlichungen. Auch bei diesen hört man das mittlerweile fast perfekte Zusammenspiel und die feinen Arrangements deutlich heraus. „Anarchica Pugliese“, „Vacanze A Settembre“, alles klingt mittlerweile live so gut, dass es nur so eine Freude ist. Höhepunkte innerhalb der Höhepunkte sind „Palma De Mallorca“ und das furios gespielte“Botellón“. An letzterem darf Andrea zeigen, dass er wirklich ein Ausnahmeschlagzeuger ist. Songdienlich, fehlerfrei, in-time und virtuos, wenn es sein muss. Eine Erwähnung verdient noch der Keyboarder Roberto Porzio, der aber auch alles an den Tasten spielen kann. Laut Bandleader Carlos hat er auch das perfekte Gehör. Man könnte neidisch werden.

Zwei Überraschungen gibt es noch zum Abschluss. Tontechniker und Valderrama 5-Mitglied Mario wird auf die Bühne gebeten und gibt einen Valderrama 5-Song zum Besten, der irgendwo zwischen schönem Retropop, albernem Unsinn und wunderbaren Anzüglichkeiten changiert. Singt auch toll der Mann, strahlt eine wahnsinnige Sympathie aus, fühlt sich sichtlich wohl mit dem Fitness-Forever-Haufen. Auch toll ein bisher noch nicht veröffentlichter Fitness Forever Song, der als ironische Hommage an Franco Battiato gedacht ist. Klingt auf Anhieb gleich nach einem Hit, der schon immer existiert haben muss. Ganz groß!

Fazit: Wir müssen die Band unbedingt mal wieder ins Schwabenland holen.

 

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