MODERAT, 23.02.2014, LKA, Stuttgart

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Foto: Patrick Grossien

Ich fange mal von vorne an, es muss so 2007 gewesen sein. Da entdeckte ich das Album „Walls“ von Apparat. Ich weiß nicht, ob das bei euch so ist, aber wenn ich was gut finde, neige ich zur Redundanz. An besten sofort alles und auf einmal. Die gesamten Sopranos-, Wire-, Californication-Staffeln habe ich mir in weniger als einer Woche reingezogen, von Homeland und Boardwalk Empire möchte ich erst gar nicht anfangen. Ist natürlich bei Musik nicht anders. Ich weiß noch (das war weit vor 2007) wie ich mir „Shout“ von Tears von Fears auf ein 90 Minuten Tape aufgenommen habe – also damit wir uns richtig verstehen NUR „Shout“ und nichts anderes – damit ich nicht umständlich zurückspulen musste. Tagelange habe ich nichts anderes gehört.  „Walls “ gehörte auch in diese Kategorie. Apparat war in meine persönliche Hall of Fame aufgestiegen.

Ein paar Jahre später, ich war in Amsterdam auf der ADE (Amsterdam Dance Event), saß beim Abendessen, machte mir Notizen zu den vielen, im Halbstundentakt stattgefunden Plattitüden, Businesstalks und vereinzelt aufblitzenden tatsächlich interessanten Gesprächen, deren Grundtenor doch immer ein Quo Vadis? Musikbranche war, als mich eine SMS von einem guten Freund aus meinen Gedanken riss. Apparat. Modeselektor. Paradiso. Gästeliste. Kommste?

Auf den Weg dahin fiel mir auf, dass ich Modeselektor nie so richtig wahrgenommen hatte, klar hin und wieder den einen oder anderen Track von ihnen gespielt, wahrscheinlich schon alleine deswegen, weil sie auf bpitch veröffentlichten (Mensch, Kalkbrenner, das war auch mal dein Label, damals wärst du nie auf die Idee gekommen, Kirmestrance in der Schleyerhalle aufzulegen), das erste Moderat Album war großartig, aber klar, war ja auch Apparat dabei, wie sollte es anders sein, dachte ich.

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Foto: Patrick Grossien

Apparat war der erste an diesem Abend, stellte sein neues Album „The Devil´s Walk“ vor, dass er auf MUTE (!) veröffentlicht hat, spielte mit Band. War gut. Der Abend machte Spaß. Gut, dann auch noch Modeselektor. Ich kann mich noch an die ewige Umbauphase erinnern und die immer länger werdenden Schlangen an den Bars. Und dann. Ein Superlativ, um zu beschreiben, was die beiden an dem Abend gemacht haben, will mir nicht einfallen. Aber es war was Großes. Irgendwann reichte eine einfache Basedrum in den Raum geschleudert, um alles an Händen in die Höhe zu werfen, was an diesem Abend an tanzenden Körpern hing. Die zwei aus der Affenstadt hatten einige hundert Fans dazu gewonnen, darunter mich.

Und nun hier. Stuttgart. Das Konzert ausverkauft. Und überhaupt. Moderat in Stuttgart. Klasse Booking. Respekt. Geben wir es mal zu. Wenn dann so der immer gleiche DJ eingeflogen wird, der sich von anderen nur dadurch unterscheidet, dass er die Beatport Charts in einer anderen Reihenfolge auflegt, ist das mehr so… naja, aber Moderat. Und kein Zufall von EsistLiebe.com. Mit der SKS Michael Russ Gmbh bringen sie demnächst auch noch Bonobo nach Stuttgart. Bonobo. Bitte mehr davon. Ist aber eine andere Geschichte.

Und jetzt der Konzertbericht. Vorab noch dies. Solche Abende sind nicht nur geil und machen glücklich, nein, sie sind Schablone für einen Kulturbegriff, der keine Gräben zementiert zwischen Hoch-, Pop- und Subkultur, hand – oder maschinengemachter Musik. Natürlich: Das was Sascha Ring, Gernot Bronsert und Sebastian Szary, auf die Bühne bringen, auch in Stuttgart perfekt in Bildern inszeniert von Pfadfinderei, ist nur möglich, weil sie in Clubs und mit Musik von Underground Resistance, statt mit Nirvana sozialisiert worden sind. Doch Moderat ist selbst Beispiel genug, zwei doch sehr verschiedene musikalische Universen zusammenzubringen und in einen Kontext zu betten, dessen Kategorisierung nicht mal ebenso festgelegt werden kann, wenn dann dahingehend, dass der Mainstream außen vor bleibt.

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Foto: Patrick Grossien

Anstam war der perfekte Support für ein Moderat-Entertainment, das von Beginn an fesselte, Spaß machte, begeisterte, das Musik von den zwei letzten Alben einer Masse von begeisterten Menschen entgegenschleuderte, die gar nicht genug bekommen konnte. Eigentlich gab es nur Highlights, nach dem Intro gleich mit „A new Error“ Bass in die Menge gepumpt,  hypnotisch mit „Milk“ nachgelegt, nach „Seamonkey“  kam „Rusty Nails“, das nur glückliche Menschen hinterließ, „Damage Done“ war wunderbar, natürlich auch „Bad Kingdom“ und „Last Time“, Saschas Stimme berührt, man hält kurz inne und schon hört man, das Ende des Konzerts ahnend, das Publikum Zugabe rufen, die sie mit „Wollt ihr noch een haben, oder wat?“  auch bekommt – drei weitere Tracks, bevor die Lichter angehen und alles irgendwie doch zu schnell vorbei war. Rewind. Bitte noch mal von vorne. Rewind. Bitte noch mal von vorne. Rewind. Bitte noch mal von vorne. Rewind. Bitte noch mal von vorne. Rewind. Bitte noch mal von vorne. Rewind. Bitte noch mal von vorne…

Ich weiß nicht mehr, wo ich es gelesen habe, es ging um das Moderat-Konzert und irgendjemand hat geschrieben, er ist gespannt, ob es Stuttgart kann. Stuttgart und Moderat – beide konnten es an diesem Abend.

3 Gedanken zu „MODERAT, 23.02.2014, LKA, Stuttgart

  • 26. Februar 2014 um 08:52
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    Hallo, das Konzert war einfach toll und dies kann man auch jedem mit besten Gewissen empfehlen. @bertramprimus… In welcher Stadt finden denn diese Veranstaltungen statt? Viele Grüße Mario K.

  • 27. Februar 2014 um 08:49
    Permalink

    @ Mario K.:

    Naja, das war 2008 in Frankfurt, in Sven Väths ehemaligem Club, der ist aber nun geschlossen.

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