MELVINS LITE, BIG BUSINESS, 28.04.2013, Manufaktur, Schorndorf

Melvins

Foto: Steffen Schmid

Der Sludge-Zirkus ist wieder im Ländle, und natürlich sind wir dabei, wenn die Melvins mit ihren siamesischen Zwillingen von Big Business in der Manufaktur aufspielen. Guiness-Rekord übrigens. In keinem Club in Deutschland haben die Melvins so oft gespielt wie in der Manufaktur. Nur hat das noch niemand nach Irland gemeldet! Ein Skandal wie ich finde, haben die Melvins doch in den USA mit ihrer „51 Dates in all 50 states“ an 51 aufeinanderfolgenden Tagen bereits einen Eintrag in Angriff genommen. Ob der Rekord schon offiziell ist, lässt sich derzeit wohl noch nicht sagen. Fortsetzung folgt im nächsten Melvins Gig-Blog-Bericht.


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Foto: Steffen Schmid

Zunächst kurz zu Big Business, die ja schon seit vielen Jahren die Rhythmus-Maschine der Melvins sind – heute aber nicht. Ganz normaler Support, und wie schon als Tourbegleiter von UNSANE im letzten Jahr liefern die Kalifornier wieder ein Brett von einem Set ab. „Big Buisness Platten checken“ steht auf dem digitalen Post-it im smarten Telefon. Wer seinen Metall sludgy mag, der ist bei BB an der richtigen Adresse. Fette Grooves, fetter Bass, weniger fetter Basser als letztes Jahr. Zum Ende ein Stück mit psychedelischem Einschlag dazu sehr gutes Licht – sauberst.

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Foto: Steffen Schmid

Melvins Lite unterscheiden sich zu Melvins in erster Linie durch einen Mann, genauer, einen Drummer (Coady von BB) weniger auf der Bühne. Am Bass finden wir ebenfalls nicht Jared von BB, sondern Mr. Trevor Dunn – kein unbekannter Musiker. Ein Schulfreund von Mike Patton, wenn ich richtig informiert bin, mit dem er zusammen bei Mr. Bungle,  Fantomas und Tomahawk spielt oder gespielt hat. Es gibt noch zig andere Bands, in denen er seine Finger im Spiel hat, ein sehr begabtes und umtriebiges Kerlchen. John Zorn Kollaborateur ist er auch noch, und mit MadLove hat er neben dem teilweise übelst komplexem Zeug noch eine sehr zugängliche Band am Start. Hörbeispiel. Wie kann man das alles unter einen Hut bekommen frage ich mich schon länger. Die wohl bekannteste Melvins Platte „Houdini“ von 1993 wurde 2005 nochmals live eingespielt. Mangels Basser wurde damals kurzfristig Trevor Dunn engagiert, von dem her kennt man ihn auch schon als Melvin. Letztes Jahr erschien dann zu den unzähligen Melvins Veröffentlichungen eine „Melvins Lite“ Platte, mit Trevor Dunn am Kontrabass als festem Mitglied.

Ich freue mich jedenfalls sehr, die Melvins endlich mal wieder in der Trio-Variante zu erleben. Das Zwillings-Schlagzeugspiel von Dale und Coady schön und gut, aber so langsam reicht’s. Heute also Vintage-Melvins Feel, zuletzt von mir gesehen um das Jahr 2000 mit Kevin Rutmanis von den Cows am Bass. Dieser ziert witziger Weise die Manufaktur-Vorschau für die heutige Show – ein sympathischer Schnitzer, der wohl nur den schlimmsten Musiknerds aufgefallen ist. Hat aber auch seine Vorteile, so eine Behinderung, denn der Musiknerd erkennt das verfremdete Intro zur Melvins Lite Show nach ca. 0,5 Sekunden – metallisches Husten, das im Original schon verfremdet ist, und sich hier über längere Zeit hinzieht, bis es schließlich auch weniger kranke Menschen erkennen „Dä-Dä, Dä-Dä-Dä, Alright Now…“ alle lieben Black Sabbath – „Sweet Leaf“, Kifferhymne.

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Foto: Steffen Schmid

Zunächst,  Melvins-Outfits in der Einzelkritik: Der angebliche Veganer Buzz wie immer im Kaftan, und das wohl aus gutem Grund. Dale Crover hinter seinem Schlagzeug in einer Art Badehose, darüber eine militärisch anmutende, ärmellose Uniform. Dann wird’s richtig schlimm: der kurze Trevor Dunn, der neben dem übergroßen Kontrabass in den Hintergrund tritt, sieht aus wie ein Kleinkind mit Basecap, Brille, Schuluniform mäßigem Hemd und Krawatte, das Hemd in der furchtbaren 2/3 Karo-Hose – ein Albtraum. Fehlt nur noch, wie ein Kumpel treffend bemerkt, der Propeller auf dem Basecap. Eine Art Angus-Young-Halloween-Outfit. Das war’s dann aber auch schon mit dem Negativen, und man darf bei den Melvins ja auch niemals den Melvins-Humor vergessen, der z.B. so aussieht: „Wenn man auf Tour Sex mit kleinen Jungs hat, ist das kein Betrügen der Ehefrau“.

Melvins

Foto: Steffen Schmid

Musikalisch ist das was uns heute geboten wird, einerseits ein sehr metallisches Set, das aber dank Trevor Dunn am Kontrabass immer wieder mal komplett anders ist. Das Teil ist nicht nur Blickfang, auch der Klang, mal gezupft, mal mit Bogen gespielt, ist nicht zu vergleichen mit dem normalen Fender Bass. Ich wollte Vintage-Melvins, und bekomme sie nach einem lang hingezogenen Jam mit irren Bassklängen, mit „Captain Pungent“ von der „Stag“, der „Sgt. Pepper“ der Melvins. Super. Mit Übergang zu „Berthas“ dem nächsten Stück auf dieser Platte. Happy Happy Joy Joy, so kann es weiter gehen. „Houdini“, „Stag“ und „Stoner Witch“ waren übrigens die Melvins-Platten, die beim Major Atlantic erschienen sind, und interessanter Weise den kreativen Höhepunkt der Melvins darstellen.

„National Hamster“ von einer weiteren EP von 2012 kommt, auch eine sehr gute Nummer, „Worm Farm Waltz“ und „Leon Vs the Revolution“ von der „Freak Puke“. Eine wirklich traumhaftes Set.

Höhepunkte sind dann noch „Hooch“, das „Ace Of  Spades“ der Melvins, ein Stück mit einem großartigen Riff, und einem Text aus Slang – für meinen Geschmack nur etwas zu schnell gespielt, und ein sehr starkes Cover von Paul Mcartneys „Let me Roll it“, übrigens nicht schon wieder eine Kifferhymne, sonder ein Liebeslied. Ein sehr gutes. Die Melvins sind eine großartige Coverband, und bringen in ein paar Tagen ein Album nur mit Covern raus, u.a. Queen, Venom und Roxy Musik bekommen den Melvins-Schliff.

Melvins

Foto: Steffen Schmid

Bleibt noch von der Ansprache von Buzz zu berichten, eine DER Alternative Rock Ikonen, der Mann, dem Kurt Cobain nicht gut genug für die Melvins war, der sonst recht maulfaul und eher mürrisch auf der Bühne daher kommt, geht heute völlig aus sich raus, bedankt sich beim Publikum, dass ja an einem Sonntag Abend sicher besseres zu tun hätte (sicher nicht!), das die Melvins sich sehr freuen wieder in der Manufaktur spielen zu dürfen, einen Club, den sie sogar „lieben“, dass er lieber trotzdem nichts trinkt, denn wenn er trinkt, sei das schlecht für alle, Straftaten würde er regelmäßig begehen, denn wenn er besoffen ist setzt er sich einfach liebend gern hinter das Steuer. Dale legt noch ein Tänzchen hin, ohne „Booze“ wie Buzz erwähnt, man müsste ihn erst besoffen tanzen sehen, und das Trevor Dunn allen ernstes glaubt, seine Vorfahren seien Norweger gewesen. Man stelle sich den oben beschriebenen Dunn vor.

Ich hab’s schon wiederholt nach Melvins Konzerten in der Manufaktur gesagt, dass die heutige die beste Show war, was auch nicht dadurch getrübt wird, das zum Schluss doch noch der zweite Drummer erscheint und die Trommelshow noch kurz abgezogen wird, dafür war das vom „Norweger“ am Kontrabass vorgetragene „Somewhere Over The Rainbow“ und etwas was sich nach der Titelmelodie von „Jaws“ angehört hat, einfach zu gut.

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Foto: Steffen Schmid

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