COLOUR HAZE, BEEN OBSCENE, 06.04.2013, Universum, Stuttgart

COLOUR HAZE + BEEN OBSCENE, 06.04.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

„Der Deutsche Meister kommt aus München“, sagt einer, „und damit meine ich nicht im Fußball.“ Recht hat er, denn den Müchnern von Colour Haze macht wirklich keiner was vor. Sie sind die Crème de la Crème der heutigen Psychedelic-Szene und treten nicht nur hier, sondern auch auf den renommierten Festivals als Headliner auf.

COLOUR HAZE + BEEN OBSCENE, 06.04.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Doch bevor sie auf die Bühne gehen, spielen Been Obscene. Grundsätzlich finden sich die beiden Bands des Abends schon auf demselben Spielfeld: Siebziger Sound, Psychedelic Rock. Ich komme ein wenig zu spät, weil ich zu lange bei Michael am Einlass hängen geblieben bin, sodass ich vielleicht beim dritten Song der österreichischen Vorband vor der Bühne ankomme. Der erste Eindruck, den jenes zu diesem Zeitpunkt laufende Stück erweckt, ist allerdings ein wenig anders: mehr Alternative-Einflüsse sind zu hören. Die Musik ist ziemlich chillig, hier, am Anfang, auch ein wenig monoton. Drüber liegt die relativ hohe Stimme von Thomas Nachtigal, der eine eher amerikanische Note in seinem Englisch hat. Damit singt er dann auch „to the Universe“, wie es in einem Song heißt und was ja ganz gut zu der Location passt. Was sich im Weiteren vor unseren Ohren auftut, ist aber eine durchaus gelungene Mischung aus diesen – nun auch nicht mehr ganz so neuen – Alternative-Einflüssen und jenen des begehrten Siebzigerjahrzehntes.

Locker kommt das alles trotzdem daher, layed back, nichts drängt sich dem Publikum entgegen. Stimmungsmäßig funktioniert das ganz gut, stellt auf diesem Konzert aber auch den Schwachpunkt der Opener dar, denn wenn auch das Publikum fröhlichen Applaus spendet, springt hier nicht wirklich ein Funke über. Und das liegt sicherlich weder am Spiel noch am Können von Nachtigal, Peter Kreyci, Philipp Zezula und Robert Schoosleitner. Schön verspulte Melodien bringt der Vierer an. Sie liegen dann über einer leicht groovenden Rhythmusgruppe, bevor die Gitarren wieder zu rockigeren Riffs übergehen. Die Instrumentalpassagen sind lang und ausgewogen. Auf Platte kommt das Ganze sehr gut rüber, wie etwa „Demons“ zeigt. Insgesamt machen Been Obscene dem musikalischen Anspruch des Psychedelic alle Ehre.

COLOUR HAZE + BEEN OBSCENE, 06.04.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Den erfüllen auch Colour Haze, die in der zweiten Halbzeit mit einigem Zeitdruck antreten, denn das Uni plant im Anschluss an das Konzert noch einen Disko-Abend. Ungewöhnlich wenig Spielzeit für die Münchner heißt das, die sonst kaum mal unter zweieinhalb Stunden auflaufen. Die Kürze des Sets wird nachher auch der größte Wermutstropfen sein, denn bei Colour Haze vergeht der knapp über 90-minütige Auftritt wie ein Wimpernschlag. Kurzweil ist Programm, während uns die Melodien, Gitarrenläufe und die Riffs mit ihrem eigentümlich fasrig-holzigen Sound um die Ohren sausen. Gitarrist Stefan Koglek mit seiner hohen, mehr instrumental eingesetzten Stimme, Bassist Philipp Rasthofer und Manfred Merwald am Schlagzeug verstehen ihr Handwerk! Mit dem Eröffnungsstück „Aquamarina“ zeigt die Band gleich richtigen Antritt und heizt das Publikum so an, dass es später zu Applausstürmen schon in den Breaks, zu Jubel für besonders schöne Passagen und seltsamen „Yehaa“-Rufen während der Stücke kommt.

Die Stücke haben wesentlich mehr Druck, als das bei Been Obscene der Fall war. Sie sind dichter und bleiben bei aller überbordenden Detailfülle kompakt. In die langen Instrumentalpassagen kann man sich wunderbar hineinfallen lassen, und man kommt sich ein bisschen so vor, wie der staunende Dude aus „The Big Lebowski“, der durch ein offenes Sternenuniversum schwebt – was freilich das Schweben angeht, helfen einige Besucher auch substanziell nach. Colour Haze machen keine Kopf-, sondern Bauchmusik. Dementsprechend scheinen sich dem Zuhörer das füllige Spiel mit den Melodien und die fast jazzigen Kurzpässe zwischen den Musikern auch immer wieder zu entziehen, während die Band ihre atmosphärischeren oder ihre rockigeren Seiten aufscheinen lässt. „Love“ oder „Temple“ wären da als Highlights zu nennen. Im Grunde genommen erübrigt sich aber der Versuch, zu beschreiben, was die Musiker da tatsächlich vom Stapel lassen. Zu vielseitig ist die Musik, zu sehr geht sie in dem auf, was man bei Psychedelic Rock an irritierenden und kuriosen Ideen erwarten darf.

Auch wenn Colour Haze, deren Mastermind Koglek auch für das bedeutende Psychedelic Label Elektrohasch verantwortlich zeichnet, drei Stunden oder mehr spielen, hat man am Ende das Gefühl, dass es viel zu früh aus ist. Vielleicht ist der Rausch immer zu kurz? Aber die nuancenreiche Notenfülle ist derart abgespaced und beflügelnd, dass man jedes Zeitgefühl verliert und es niemals langweilig wird oder sich zieht. Dabei passiert auf der Bühne gar nicht viel. Bei diesem Auftritt verzichtete die Band sogar auf den akustischen Teil des Sets, für welchen sie üblicherweise unter anderen auch eine Sitar verwendet. Ja, das wäre schön gewesen, aber dafür ist das Konzert einfach zu kurz. Nach 90 Minuten gehen Colour Haze mit zwei schnellen Stücken zwar nochmal in die Nachspielzeit, räumen aber selbst ein, dass es „sehr weh tut“, nicht länger spielen zu können. Und ich denke, das sieht jeder Konzertbesucher genauso.

„Deutscher Psychedelic Meister“, also sagt ein anderer. „Genau, erste Psychedelic-Liga!“ Besser könnte ich es auch nicht zusammenfassen!

Hier geht’s noch zur Setlist.

COLOUR HAZE + BEEN OBSCENE, 06.04.2013, LKA, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

Fußnote
An dieser Stelle könnte der Artikel jetzt enden. Wenn ich nicht noch etwas erwähnen müsste, dass mit Colour Haze und Musik gar nichts zu tun hat: Denn wie schon so oft zeigt sich die Security im Universum mal wieder von ihrer schlechtesten Seite.

Zunächst möchte ich feststellen, dass gar nichts dagegen spricht, nach einem Konzert noch eine Disko zu veranstalten. Ganz im Gegenteil, wenn die Musik passt – und hier wurde anschließend ja Rock und Metal gespielt – kann man ja einfach noch auf ein paar Bier da bleiben. Mir ist also schon von vornherein nicht klar, warum man einen vollen Laden leer macht, um andere Leute rein zu lassen. … gut, die Bühne muss abgebaut werden etc. Das Problem aber, Leute, ist die Art, wie ihr das macht. Man kann das Publikum nicht zwei Minuten nach Konzertende aus dem Saal treiben, als handele es sich um störrische Esel. Wenn der Vorraum voll ist und keiner weitergehen kann, muss man die Besucher nicht anschnauzen, denn – ich glaube, ich erwähnte es bereits – es kann ja keiner weitergehen. Den Letzten dann die Türe in die Hacken zu pressen, ist auch keine Lösung, geschweige denn eine Art! Warum man das Publikum auch später noch immer weiter Richtung Ausgang schieben und die Kunden am Merch anranzen muss, dass es schneller gehen soll, während man hinten den Eingang zum Saal schon wieder geöffnet hat, ist dann völlig unklar. Irgendwie müssen wir das ja so auffassen: Uns wollt ihr hier nicht haben, die anderen dürfen aber rein. Wollt ihr uns das sagen?

Und dann ist da noch Volker, der mit seiner Freundin Yvonne aus dem Sauerland angereist ist, um Colour Haze zu sehen. Als er sich – gut, es ist 40 Minuten nach Konzertende – ein T-Shirt kaufen will, während sich dutzende Konzert- und Disko-Besucher an der Bar tummeln, wird auf freundliche Worte gar kein Wert mehr gelegt, sondern ihm gleich der Arm auf den Rücken gedreht wie einem volltrunkenen Hooligan. Im Hemd vor die Tür geschleift, muss er dann bei Frost draußen warten, bis ihm jemand seine Jacke bringen darf. Angemessenheit? Kein Kommentar!

Colour Haze

Been Obscene

5 Gedanken zu „COLOUR HAZE, BEEN OBSCENE, 06.04.2013, Universum, Stuttgart

  • 8. April 2013 um 14:48
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    …die Sache mit der Security kommt mir bekannt vor.

  • 9. April 2013 um 08:57
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    klingt, als würden die Kollegen sonst hauptberuflich bei amazon für Ordnung sorgen…

  • 10. April 2013 um 11:49
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    Gebe dem Autor zu seiner Fußnote vollkommen Recht – wenn ein Laden so mit seinen Gästen umspringt, welche das ganze Konzert über auch ordentlich Geld haben liegen lassen, darf sich nicht wundern, diese zu vergraulen…!

  • 11. April 2013 um 14:07
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    Die Türsteher machen das schon richtig so. Diese Konzerthipster glauben aber auch immer, sich jeden Scheiß rausnehmen zu können. T-Shirt kaufen wollen, 40 (!) Minuten nach Konzertende. Frechheit. Die sollen froh sein nicht nach dem letzten Ton der Band sofort vom Hof gejagt zu werden.

  • 11. April 2013 um 18:35
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    WER BRÜLLT,HAT SCHON VERLOREN!

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