FIVA & DAS PHANTOM ORCHESTER, 22.03.2012, Universum, Stuttgart

Fiva & Das Phantom Orchester im Maerz 2012 im Universum Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Stuttgart gehört Fiva und ihrem Phantom Orchester. Zumindest heute. Aber beginnen wir von vorne.

Fiva alias Nina Sonnenberg kann alles. So scheint es zumindest. Ich kannte sie bisher hauptsächlich als Moderatorin bei on3. Dazu moderiert sie noch Fiva’s Ponyhof bei FM4 und Der Marker bei zdf.kultur. Letztere Sendung ist sogar für den Grimme-Preis nominiert. Wenn Fiva nicht gerade moderiert, gewinnt sie Poetry Slams, veröffentlicht Bücher oder gründet das Label Kopfhörer Recordings. Außerdem macht sie Musik. Anfangs zusammen mit DJ Radrum, dann mit DJ Phekt.

Fiva & Das Phantom Orchester im Maerz 2012 im Universum Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Doch den Grundstein für den heutigen Abend legt sie bei einem on3-Interview mit Sportfreunde Stiller Bassist Rüdiger Linhof. Die beiden entscheiden damals gemeinsam Musik zu machen. Zusammen mit Paul Reno (Emil Bulls) gehen sie, nach eigenen Aussagen, zwei Jahre ins Studio und nehmen mit „Die Stadt gehört wieder mir“ Fiva’s mittlerweile viertes Studioalbum auf. Das ganze heißt dann Fiva & Das Phantom Orchester und live dürfen DJ Phekt und Florian Weber (auch Sportfreunde Stiller) dann auch mitspielen.

Den Abend im Universum eröffnet allerdings Desmond Myers. Vor einem Jahr aus North Carolina nach Deutschland gekommen, spielt er sich alleine auf seiner Gitarre durch fast alle Musikgenres. Es wird gerappt, geredet, gesungen und geschrien. Auf Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Von französischem Chanson bis typisch amerikanischem Rap ist alles dabei. Dabei sieht er aus wie der Wunschschwiegersohn. Das könnte durchaus funktionieren. Im Universum tut es das allerdings nicht. Das Publikum ist wegen Fiva da und lässt sich von Desmond Myers nicht beim Biertrinken und plaudern stören. Applaus gibt es trotzdem.

Fiva & Das Phantom Orchester im Maerz 2012 im Universum Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Während dem Umbau darf DJ Phekt schon mal zeigen was er kann. Und dann kommt Fiva. Die beiden fangen alleine an und spielen zwei alte Lieder. Bei „Frühling“ singt Fiva davon dass es in ihr Frühling wird, wenn sie uns sieht. Spätestens jetzt hat das ganze Universum Gänsehaut, inklusive Fiva selbst.

Danach bittet sie ihr Phantom Orchester auf die Bühne. Rüdiger Linhof spielt anders als bei den Sportfreunden Akustikbass. Florian Weber beackert Schlagzeug und Sequenzer und Paul Reno spielt alles was sonst noch so anfällt. In Kombination mit DJ Phekt an den Plattentellern entwickelt das ganz eine Wucht die kaum in Worte zu fassen ist.

Fiva & Das Phantom Orchester im Maerz 2012 im Universum Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Zusammen mit dem Phantom Orchester spielt Fiva fast alle Stücke vom aktuellen Album. Heraus stechen für mich „Muli oder Mensch“ und der Titelsong „Die Stadt gehört wieder mir“, in dem sie heute Abend Stuttgart für sich beansprucht. Zwischendrin vergisst Fiva immer mal wieder den Text. Macht aber nichts, denn entweder singt sie einfach etwas anderes oder fängt den Song auch einfach nochmal an und schiebt den Patzer auf ihre Euphorie. Jedenfalls habe ich noch nie jemanden Texthänger so sympathisch kaschieren sehen bzw. hören. Bei „Kleinkunst“ gibt es sogar noch ein paar musikalische Gäste: Hackbrett Schorsch, Melodie Mandy und Piano Joe. Diese sind zwar nur imaginär, bringen aber trotzdem ordentlich Stimmung ins tobende Universum. Am Höhepunkt ist dann auch schon Schluss, zumindest mit dem Hauptset.

Fiva & Das Phantom Orchester im Maerz 2012 im Universum Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Zur ersten Zugabe kommen wie zu Beginn des Konzerts zuerst nur DJ Phekt und Fiva auf die Bühne und es gibt zwei alte Lieder. Als Fiva im zweiten Song den Text vergisst, wird er zu einem Freestyle über die gerade erst begonnene Tour. Doch Fiva weiß „für [ihre] Freestyles kriegt [sie] in Stuttgart den doppelten Applaus“. Sie behält Recht. Danach schlägt die große Stunde von DJ Phekt; In seinem Solo à la Birdy Nam Nam zeigt er, dass er sich selbst hinter den ganz großen DJs nicht verstecken muss. Noch zwei Songs in kompletter Besetzung und dann ist Schluss. Denkt Fiva. Aber da hat sie ihre Rechnung ohne das Universum gemacht. Sie muss nochmal auf die Bühne, aber sie kommt gerne.

Fiva & Das Phantom Orchester im Maerz 2012 im Universum Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Wieder ein Freestyle. Diesmal mit der ganzen Band und wieder unglaublich ehrlich. Fiva bedankt sich darin beim Publikum für den Abend und ist sichtlich gerührt. Danach scheucht sie mit „Raus hier“ die Menge literarisch aus dem Universum.

Sonst wäre auch niemand gegangen.

Alles in allem ein Konzert das mich, als „neuen“ Fiva-Hörer äußerst positivst überrascht hat. Dabei hat es, den Publikumsreaktionen nach, den alteingesessenen Fans mindestens genauso gefallen, was ja nicht immer einhergeht. Gegen Ende hatte Fiva noch die Bitte, dass jeder der heute da war mindestens zwei Leuten von ihr erzählt. Dies kann und werde ich nach so einem Konzert guten Gewissens tun.

Fiva & Das Phantom Orchester im Maerz 2012 im Universum Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

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