PIRATE SATELLITE FESTIVAL 2011 mit BLOOD FOR BLOOD, H2O, CRUSHING CASPARS u.a., 24.04.2011, Röhre Stuttgart

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Foto: Carsten Weirich

Ja, da hat der Osterhase aber ein dickes Ei gelegt. Blood For Blood sind schon wieder in town. Und Eric „Buddha“ Medina und seine Mannen haben auch wieder ordentlich Verstärkung mitgebracht, um die Fans, die Wasted Youth Crew, in Wallung zu bringen. H2O aus New York beispielsweise oder die Rostocker Crushing Caspars. Insgesamt sieben Bands spielen beim Pirate Satellite Festival in der Röhre, und allesamt machen sie keine Gefangenen. Das Ganze gibt es auch noch zu einem wirklich fairen Abendkassenpreis von 25 Euro. Prima auch zum Osterpfunde abspecken.

Vor der Röhre ist an diesem Ostersonntag auch schon ordentlich was los. Punks, Skins, Hardcore-Kids und allerlei buntes Volk tummeln sich in geselliger Runde, um schon mal das ein oder andere Bier zu trinken, bevor es dann irgendwann nach drinnen geht. Man trifft alte Bekannte, sitzt in der Sonne und genießt den schönen Tag. Manche sitzen hier schon seit dem Nachmittag, wir haben es erst gegen 20 Uhr hergeschafft. Ja gut, wir verpassen also die ersten beiden Bands Obtrusive und Turn Away. Aber wir sind auch keine 20 mehr, da reichen fünf Bands allemal.

Drinnen ist es noch relativ leer. Dabei geben Dear Landlord auf der Bühne schon mächtig Gas. Flotter mehrstimmiger Ami-Punkrock mit Highschool-Stimmen. So richtig vom Hocker gerissen hat mich die Art von Musik schon lange nicht mehr, aber hier ist sie genau richtig zum mitwippen, Bier trinken und in Stimmung kommen. Muss ja nicht gleich das volle Brett in die Fresse sein. Bin schließlich eben noch an der österlichen Familientafel gesessen. Wir gehen dann auch nochmal raus ein wenig Luft schnappen und schauen, was draußen so los ist. Eine Menge Tätowierungen sind zu sehen und machen Lust auf den nächsten Gang in das Studio des Vertrauens.

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Foto: Carsten Weirich

Mit der nächsten Band My City Burning nimmt der Abend dann langsam Fahrt auf. Es wird heftiger. Die Amsterdamer brüllen und shouten was das Zeug hält und bleiben trotz aller Ruppigkeit doch immer auch abwechslungsreich. Sogar den ersten Tänzer zieht es nach vorne. Drehkickschwingend wirbelt er mit dem Fuß in Kopfhöhe über die Bühne und genießt den Platz, den er spätestens bei H2O nicht mehr haben wird. Auch wir sind immer besser gelaunt und Ostern scheint schon mindestens ein Jahr her zu sein.

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Foto: Carsten Weirich

Mit den Rostockern Crushing Caspars wird dann konsequent auf meinen persönlichen Höhepunkt und Hauptact Blood For Blood hingeleitet. Sänger Snoopy und seine Mannen liefern richtig derbe Musik ab, die sie selbst als Baltic Sea Hardcore bezeichnen, den sie mit einer ordentlichen Prise Metal und Oldschool-Punk gewürzt haben. Mit ihrer charmant norddeutschen Art kriegen sie auch allmählich das immer zahlreicher erschiene Publikum in ihren Griff. Es wird mitgeshoutet, die Fäuste in die Luft gereckt und auch die Schubskreissektion schickt langsam ihre Vorhut aus. Die Crushing Caspars machen klar, was sie von Faschos halten, ehren Johnny Cash und ernten dafür viel Beifall. Mit dem Agnostic Front-Cover von „Gotta go“ legen die Rostocker nochmal eine ordentliche Schippe oben drauf. Sehr schön.Insgesamt richtig gelungener Auftritt würde ich sagen.

Als H2O dann die Bühne betreten, kocht die Röhre schon recht ordentlich. Ein Gang zur Toilette wird zur echten Herausforderung, muss man sich doch einige Minuten durch die Menge schieben. Leider bleibt das nicht aus, denn Hardcore/Punk passt doch so gut zu Bier und Alkohol im Allgemeinen. Jaja, ich weiß, hier sind auch einige Straight Edger unterwegs, meines Wissens nach auch H2O-Frontmann Toby Morse, aber meine Tasse Tee ist das eben nicht. Ist ja auch egal, Spaß scheinen jedenfalls alle hier zu haben.

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Foto: Carsten Weirich

Melodic Hardcore wird die Musik der New Yorker oft genannt, die seit 1995 ihr Unwesen treiben. Geht aber doch schon auch ordentlich in die Punkrock-Richtung. Jedenfall geht’s jetzt richtig rund. Der Schubskreis formiert sich, es darf weggeboxt und weggetreten werden, was einem so in die Quere kommt. Ich frag mich mal wieder wie sowas jemandem vorkommen muss, der zum ersten Mal Zeuge einer zünftigen Schubskreis-Boxerei wird und für den die weinselige Rempelei damals beim Schulball zum Sound von Bon Jovi schon wie eine echt wilde Sache vorkam. Auch ins Publikum gesprungen wird von Song zu Song immer häufiger. Immer wieder ein Wunder, dass hier nichts passiert, denn manch einer findet mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Lücke zwischen den Leuten. Hat Gott tatsächlich ein Herz für Punkrocker? Ach so ja, den gibt’s ja gar nicht. Muss also andere Gründe haben. Jedenfalls brennt die Hütte jetzt lichterloh, die Stimmung ist vom Feinsten.

Der Weg für Blood For Blood ist bereitet. Als Wonneproppen Eric „Buddha“ Medina und seine Mitstreiter die Bühne betreten, kann ich es kaum erwarten. Die waren zwar erst im Dezember da, aber wenn man erstens bedenkt, dass mit „White Trash“ Rob Lind schon ein wichtiger Teil der Band weggebrochen ist und zweitens Frontmann Buddha nicht unbedingt den Eindruck erweckt, als wolle er 75 Jahre alt werden, kann man sich schon mal Sorgen machen, dass man nicht mehr allzu oft in den Genuss kommen wird. Immerhin, mit Billy Graziadei von Biohazard hat man einen vernünftigen Ersatz gefunden. Und wer weiß, vielleicht entdeckt Mr. Medina ja noch den Sport für sich. Für heute heißt die Devise jedenfalls mal wieder mit nach oben gereckter Faust wahrhaft unchristliche Texte mitzugröhlen und dabei nie die Deckung vernachlässigen. Voll gut.

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Foto: Carsten Weirich

Vom ersten Ton an geht, wie nicht anders zu erwarten, die Post ab. Blood For Blood geben Vollgas und das Publikum nimmt es dankend an. White Trash Hardcore Rock’n’Roll Fuck you! So sieht’s aus. Beine, Fäuste und ganze Menschen fliegen durch die Luft während Eric „Buddha“ Medina musikalisch irgendwo zwischen Hardcore und Streetcore die Gesellschaft an den Pranger stellt und vom Leben auf der Schattenseite des amerikanischen Traumes singt.

Und bei allem negativen Output wirken Blood For Blood irgendwie immer sympathisch und liebenswert. Wer die Bühne entert, darf auch mal ein bisschen mitsingen, bevor er kopfüber in der Menge verschwindet. Es wird Wasser gereicht oder auch mal den ganzen Mikroständer. Die Mitglieder der anderen Bands stehen im Hintergrund und schauen ich den Auftritt ehrfurchtsvoll an. Die Crushing Caspars haben scheinbar „Bühnendienst“ und kümmern sich darum, dass die Mikros immer auf der richtigen Höhe bleiben und auch sonst alles glatt läuft. Leider geht das Konzert, wie auch schon im Dezember, viel zu früh zu Ende. Was Positives wollen sie uns noch auf den Weg geben, verspricht Eric „Buddha“ Medina. Angestimmt wird „Piss all over your hopes and dreams“. Lustig. Mit “Going down the bar”, der einzigen Zugabe des Abends (soweit ich mich erinnern kann), ist dann endgültig Schluss. Eric „Buddha“ Medina sitzt noch eine Weile auf der Bühne und unterhält sich mit ein paar Fans. Wir treten den Heimweg an. Uns tut alles weh. Und morgen ist ja auch wieder Ostern.

Blood For Blood

Crushing Caspars

H2O

My City Burning

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