TROVAČI, 24.02.2018, Laboratorium, Stuttgart

TROVAČI, 24.02.2018, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Als ich die Historie der vornehmlich serbisch besetzten Band Trovači (Trovač heißt wohl „der, der die Mädchen verführt und vergiftet“) und insbesondere den Absatz über den Bassisten Atila Djember lese, befürchte ich, dass die Band sich ähnlich unflätig aufführt wie die Stuttgarter Dr. Aleks & The Fuckers. Der Sänger und zweite Gitarrist Danko Rabrenović ist aber ein Netter, er begrüßt uns charmant. Ich atme auf, aber nicht lange.

TROVAČI, 24.02.2018, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Alle Sitzplätze im Laboratorium sind besetzt, natürlich sind viele im Publikum, deren Eltern aus Ex-Jugoslawien stammen. Ein sehr tanzwütiges Völkchen, ich bin von Konzerten serbischer Bands gewöhnt, dass spätestens bei Takt 2 die Stühle in die Ecke fliegen und getobt wird, bis der letzte Ton verklungen ist. Danko Rabrenović muss das Publikum erst ermuntern, bis der Großteil wenigstens steht. Unverständlich, denn wenn die Musik der Trovači eines ist, dann ist das tanzbar, und die Band legt am Anfang gleich richtig los. Sechs Männer bringen uns an Gitarre, Bass, Schlagzeug, Trompete und Posaune zum Schwitzen. Ich würde sagen, Grundausstattung für die Musikrichtung(en) Ska und Reggae herrschen vor, den angekündigten Punk finde ich nicht wirklich, und ab und an klingt Balkan-Folklore oder herrlicher (ich nenne es mal) Jugo-Pop durch.

TROVAČI, 24.02.2018, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Gesungen wird serbisch, deutsch, englisch und teilweise gemischt. Beispielsweise „Herzlich willkommenčić“ und ich vermute dass „Kaj ne da da“ für „keine da“ steht. Bei den deutschen Texten haben die Reime Vorrang vor dem Sinn. Bei den serbischen kann ich es nicht beurteilen, ich verstehe nur wenig. Die Band hat es außerdem mit Chorgesängen – Mark Forster hätte seine Freude daran: Aj jaj jaj, joj joj joj. Nicht mein Ding, aber das Publikum ist lautstark dabei! In eins der Lieder haben Sie als Zwischenteil „Daj Ribu!“ (heißt: gib Fisch!) der großartigen komödiantischen Band „Rokeri S Moravu“ eingebaut. Es gibt durchaus Parallelen zwischen beiden Gruppen, auch die Rokeri mischen in ihren Songs gerne mehrere Sprachen.

TROVAČI, 24.02.2018, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Zwischendurch verschwindet Danko Rabrenović, um einen anderen Gitarrengurt zu holen. Ob das spontan ist oder geplant – keine Ahnung. Er lässt Trompeter Sven Heilmann in der Zwischenzeit vorführen, was er beim Kölner Karneval so spielt. Nun ja, auch Trompeter müssen von etwas leben …

Meine anfänglichen Befürchtungen werden schließlich doch wahr, als Rabrenović einen (wirklich unsagbar lustigen) Scherz in Bezug auf Trompeter und Posaunist macht: „Ein paar Bierchen für die Gastarbeiter-Jungs, dann können sie besser blasen.“ Uff. Es folgen im Laufe des Abends noch ein paar derartige Schenkelklopfer. Selbst wenn es mal irgendwann neu und lustig gewesen sein sollte, spätestens 2018 ist es das nicht mehr. Das zieht mein Wohlwollen ziemlich in den Keller. Die anderen Ansagen drehen sich dann um ihr 15-jähriges Jubiläum, ihre Frauen, Kurac und Čevapčići. Die werden natürlich auch in einem Song thematisiert: „Tofu in Čevapčići– schlecht – aber echt.“

TROVAČI, 24.02.2018, Laboratorium, Stuttgart

Foto: Armin Kübler

Wenn man bei den Ansagen weghört und gerne tanzt, ist man mit den Trovači gut dran. Zwischendurch langweile ich mich etwas, muss an den Reggae-Songs liegen, die sind etwas gleichförmig. Bei den letzten Stücken ziehen Trovači dann aber richtig an, es ist druckvoller und musikalisch abwechslungsreicher. Danko Rabrenović sagt zwischen zwei Songs „Ich bin Cem Özdemir und ich liebe Euch“, das schreibt ein imaginäres Fragezeichen auf mein Gesicht. Dann gibt er gesanglich nochmal richtig Gas und so verzeihe ich auch das. Der Abend endet für mich mit einer Lektion über die Aussprache von č, đ, ć. Das lerne ich nie …

Setliste

Maljčiki
Dobrosusudeska
Tužan
wo ist bre die Sonne
Aprililili
Che
Eines schönen Tages
Meine Liebe du
Jutro
Aber echt
Kaj ne da da
Ushi
Is it okay?
Gastarbeiter
Šta su zapravo Trovači
Arogantane
Kako tako
Ksenofobična
Ima Žena
Paradies

Zugaben:
Nix vorbei
Malo Morgen
Još si mlad

4 Gedanken zu „TROVAČI, 24.02.2018, Laboratorium, Stuttgart

  • 26. Februar 2018 um 02:08
    Permalink

    Ich lese es, und ich frage mich, mit welchem Gift bist du selber vergiftet, liebe Maren, um so eine xenofobische, oberflächliche und frustrierte Artikel zu schreiben?

    Weil zwischen viel Schwachsinn der hier steht, lese ich meistens eine riesige Menge Frust.

    Erstens, „Trovači“ bedeutet nur und exclusiv einfach „Vergifter“ Serbisch-Kroatisch-Bosnisch-Montenegrinische Sprache hat kein Wort für „der, der die Mädchen verführt und vergiftet“ – du kannst aber gerne ein Vorschlag für so ein Begriff machen, wenn du Lust hast. Warum ist dir wichtig, eine frauenfeindlische Bild der Band weiterzuleiten?

    Zweitens, diese Band ist nicht Serbisch oder Kroatisch oder Hungarisch oder Deutsch, es ist eine vielfältige Mischung, genau wie ihre Musik, ihre Ritmen und ihre Texte. Eine vielfältige Seele spürt es einfach.
    Wenn es um ihrer Genen geht, ist die Band allerdings 33% Deutsch (die, die blasen, natürlich); 33% Kroatisch-Serbisch (ein Eltern aus Kroatien und andere aus Serbien – die Leute haben sich dort nicht nur metaphorisch gefickt, sogar auch wörtlich! Unglaublich, oder???); 16.67% Serbisch und 16.67% Hungarisch.
    Keiner von Jungs begrenzt sich selbst mit einer einheitliche, eintönige Nationalsbewustseins- oder kulturelle Identitäts-Etikette – die Band und ihre Musik sprechen genau dagegen – warum ist dir wichtig, die Band als hauptsächlich Serbische Monokultur vorzustellen? Mit sogar einem negativen Beiklang?

    Noch eine Frage: Hast du mit jedem von dem „tanzwütiges Völkchen“ persönlich geredet, und Info über ihre Eltern und Migrationshintergrund gefragt?

    Und allerwichtigste Frage, leibste Maren: warum hast du so viele Vorurteilen gegen Blasen?? So viele, dass eine Erwachsene Mann, vor einem erwachsenen Publikum keine Blasen-Witze machen darf? Felatio ist eine zauberhafte Sache, die dieser Welt von Überbevölkerung und Frust retten kann, versorgt die einzige ethische Protein-Quelle für die Veganer – und macht auch spass! In 2018 sollten wir uns eigentlich mehr Sorge über Überbevölkerung machen – findest du nicht?

    Jetzt einmal einatmen, ausatmen, 10 mal Ommmmmm singen und über die Sachen, die deiner Seele wehtun, mal meditieren – sodass deiner nächste Artikel etwas glaubwürdiger wird.

  • 26. Februar 2018 um 13:47
    Permalink

    Ich habe mir kurz überlegt wie ich den Text hier anfangen soll, mit „liebe Maren“???!!! Dann dachte ich mir, nee, das passt hinten und vorne gar nicht, (das hinten und vorne kannst du natürlich auf die feministische Art und Weise, interpretieren wie du gern möchtest)! MIR scheint es so, (und wirklich ohne beleidigen zu wollen) als ob du die Definition der Liebe gar nicht kennst, sonst würdest du so einen, für mich eher HASS als Frust gar nicht nötig haben zu schreiben!!! Auf jeden Fall, finde ich KARLA ihren TEXT so richtig GEIL auf den PUNKT gebracht!!! Und Maren, ich war selber an diesem Abend auch dabei, und ehrlich gesagt finde ich es komisch dass ich nix von deiner negativen Präsenz gespürt habe, denn eigentlich bin ich wie ein Hund, Hunde merken schnell, ob die Aura, die sie umgibt positiv oder negativ ist. Ich zitiere noch das von dir geschriebene „ich vermute mal dass Kaj ne da da, für „keine da“ steht.“ Also ich persönlich finde es generell immer besser wenn man einfach nur vorher FRAGT eher man vermutet, vor allem wenn der Danko Rabrenovic doch so ein netter charmanter Kerl ist wie du ihn beschreibst;-)
    Oder wolltest du mit diesem Satz nur ein wenig deinen „Humor“ austesten? In diesem Fall finde ich den Spruch über die paar Bierchen für die Gastarbeiter-Jungs, damit sie besser blasen können, doch VIEL lustiger. Und mal ganz EHRLICH, „bei den Deutschen Texten haben die Reime Vorrang vor dem Sinn“???!!! Ernsthaft jetzt??? WOW dann hör dir das Lied „Meine Liebe du“ bitte nochmals an. Vielleicht hast du den Text nicht ganz so richtig gehört? Oder liegt es womöglich evtl. daran dass das Wort LIEBE wieder vorkommt dass ich am Anfang schon thematisiert habe. Hm…
    Es tut mir wahnsinnig leid, es ist nicht so, dass wir Balkaner KRITIK NICHT EINSTECKEN KÖNNEN, hat GAR nichts mit dem zu tun, aber vieles was du hier geschrieben hast, ist einfach nicht realistisch und nicht ganz so FAIR. Übrigens, ich bin speziell für den Auftritt von der Schweiz nach Deutschland gereist, und für mich hat sich der ABEND mehr als gelohnt!
    Und was hast du eingentlich gegen „Tofu in Ćevapćići“:-)))
    In diesem Sinne alles Gute
    Der Danko pflegt zu sagen, Bleib gesund rund und fröhlich! ;-)

  • 27. Februar 2018 um 15:00
    Permalink

    Tag
    Ich habe gestern um 13:47 Uhr einen Kommentar hier geschrieben und warte immer noch darauf dass er freigeschaltet wird. Ich denke nicht dass ihr solange Zeit braucht um ihn zu prüfen und frei zu geben, oder wurde er evtl kommentarlos eurerseits einfach ignoriert? Ich finde persönlich, wenn man schon die Erlaubnis bekommt, so einen Bericht zu schreiben, sollte man doch auch zumindest FAIR bleiben und anderen Menschen eigene Äusserung der Meinung NICHT verbieten!
    Das wäre wirklich höchts unprofessionell!
    Ich danke fürs Verständis
    Falls es trotzdem ohne Begründung ignoriert wird, werde ich bestimmt einen anderen Weg finden, wie mein Kommentar endlich das „Licht der Welt“ erblickt;-)
    Danke

  • 28. Februar 2018 um 21:02
    Permalink

    Liebe Karla, liebe Adrijana,

    ich danke Euch für die Kritik an meiner Kritik. Meine „Übersetzung“ von Trovac stammt von der Band selbst: https://www.trovaci.de/pdf/TROVACI-GESCHICHTE.pdf
    Ich habe die Band serbisch gezeichnet. Nun ja, zwei stammen aus Belgrad, einer aus Novi Sad, auf der Band-Website sind die zwei Blasmusiker gar nicht aufgeführt, waren für mich also Gäste.

    Schön, dass Ihr das Konzert genossen habt. Das habe ich zu mindestens 50% ebenfalls. Ich steh einfach nicht auf diese Art Humor. Und ich finde es schade, dass Serben, Kroaten, Montenegriner (entschuldigt, ich würde sehr viel lieber noch Jugoslawen sagen dürfen) immer so derb gezeichnet werden. Das wird Ihnen m.E. nicht gerecht. Ich bin mehrmals jährlich in Serbien, bemühe mich seit Jahren, Eure wunderschöne aber schwierige Sprache zu lernen und kenne viele feine Leute „unten“, die nicht so glücklich darüber wären, wie sie hier teils dargestellt werden.

    Und Tofu in Cevapcici ist super! Und geile Überleitung zu Überbevölkerung! Chapeau!

    Seid gegrüßt

    Maren, frustriert und ungeliebt :-*

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