THE NOTWIST, ALOA INPUT, 21.09.2015, Manufaktur Schorndorf

THE NOTWIST, ALOA INPUT, 21.09.2015, Manufaktur Schorndorf

Foto: David Oechsle

The Notwist in der Manufaktur. Was soll man sagen, das ist doch einfach ein Eintrag mit Ausrufezeichen und Herzchen im eigenen Konzertkalender. März 2014 hatte die Band in den Wagenhallen erst gespielt. Es ist keine große Überraschung, der Saal der Manufaktur ist bereits sehr voll, und irgendwie wittert das hier nach guter Stimmung. Die scheint dem Trio Aloa Input. verdankt zu sein. Sehr schön. Leider habe ich das komplette Set nicht mitbekommen. Der Stachel der Reue sitzt tief, denn das, was ich zu hören bekomme, klingt sehr vielversprechend und etwas nach Notwist-Zöglingen.

THE NOTWIST, ALOA INPUT, 21.09.2015, Manufaktur Schorndorf

Foto: David Oechsle

Das Umfeld der Weilheimer Band „The Notwist“ um die Mastermind-Brüder Micha und Markus Acher ist eine musikalische Großfamilie mit Verästelungen und Seitensträngen. Wirft man einen Blick auf die Website ihres Labels Alien Transitor tauchen die Namen der Bandmitglieder mit diversen Einzel-und Seitenprojekten auf. Ein Bandmitglied stand bereits mit Aloa Input auf der Bühne: Cico Beck (ebenfalls unterwegs in der Formation Joasihno), der den Platz von Martin Gretschmann (Console/Acid Pauli) übernommen hat.

Das Publikum zeigt sich geduldig, ungeduldige Pfiffe passen auch nicht hier hin. Schlagartig kommen sechs Herren, gekleidet im lässigen Shirt/Jeans-Understatement aus der Dunkelheit auf die Bühne und verteilen sich an ihre Instrumente. Von denen gibt es eine Menge, in der Umbaupause wurde ein ganzer Fuhrpark aufgebaut. Der Opener „Kong“ zündet gleich alles an, die Verbindung zum Publikum steht. Die Detailverliebtheit diverser Rhythmus­instrumente, mit der das Stück unterfüttert ist, kommt live deutlich zum Vorschein. Dafür gibt es gleich Applaus satt. Markus Acher dankt bescheiden, dass es schön ist, hier wieder spielen zu dürfen. (Ein Blick ins gut geführte Gig-Blog-Archiv: 2009 war das letzte Konzert in der Manufaktur.)

THE NOTWIST, ALOA INPUT, 21.09.2015, Manufaktur Schorndorf

Foto: David Oechsle

„This Room“ wird von den Fans gleich nach den ersten Tönen mit Freude erkannt. Langsam baut sich das Stück auf und wird durch das weitere Spiel nach oben geschraubt in ein fast organisiertes Chaos. Es wird viel geboten an diesem Abend, visuell wie auch akustisch. Mit einer Leichtigkeit wechseln Teile der Bandbelegschaft zwischen digitalen und analogen Equipment. Stand Cico Beck eben noch an seinem Pult mit Controllern und Rhythmus­instrumenten, wechselt er an das Keyboard. Keyboarder Max Punktezahl (Contriva/Sarros) ist an die Gitarre weitergerückt. Zur Geltung kommt auch das Vibraphonspiel von Karl Ivar Refseth. Entlang der Klängstäbe streicht er mit zwei Kontrabassbögen, wenn sie nicht gerade von ihm mit den Schlägeln bearbeitet werden und auch der Schlagzeuger Andi Haberl, ein Knaller. Er feuert mit Spielenergie dermaßen Druckwellen ab.

THE NOTWIST, ALOA INPUT, 21.09.2015, Manufaktur Schorndorf

Foto: David Oechsle

Das Set durchzieht eine fein gesetzte Dramaturgie, zwischen verzagten ruhigen Passagen, weiten sich die Songs aus. Auf schrubbeligen Indie-Gitarrensound folgt technoider Discobeat, Grenzen werden ausgelotet, um dann wieder eine Punktlandung zu machen. Rhythmus- und Percussion-Instrumente werden dabei akzentuiert eingesetzt. Hier bleibt einfach kein Klangstaubkorn trocken. Jazzies, Indies, Elektros, je nach musikalischer Vorliebe oder der Liebe zu allem – für jeden ist etwas dabei. Applaus, Applaus für die Band! Da reicht ein Zugabenblock nicht aus. “Consequence” und “Gone Gone Gone“ werden noch nachgelegt. Lautes Stimmengewirr mit unterschiedlichsten Meinungen ist beim Rausgehen zu hören. Welches Konzert war jetzt das bessere? Das von 2009, das in den Wagenhallen oder das heutige? Fragen über Fragen.

Ansonsten, es ist Ende September, Zeit über die persönlichen Top-Listen für den Gig-Blog-Adventskalender nachdenken. The Notwist sind dabei und bekommen sicherlich auch einen Platz auf dem Treppchen. (Stand jetzt.)

THE NOTWIST, ALOA INPUT, 21.09.2015, Manufaktur Schorndorf

Foto: David Oechsle

Ein Gedanke zu „THE NOTWIST, ALOA INPUT, 21.09.2015, Manufaktur Schorndorf

  • 24. September 2015 um 20:46
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    war wirklich fein, das konzert.

    eine anmerkung hab ich aber noch: der gute heißt martin Gretschmann, mit k, nicht wie der winfried. :-) und er ist bekannt als ACID PAULI.

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