Adventsgala mit CHANTAL FATALE, MARIE LOUISE, ROMAN WREDEN, HAWELKA, 18.12.2014, InDieWohnzimmer, Stuttgart

Foto: Michael Haußmann

„Stuttgart, 19. Dezember 2024. Die zehnte Auflage der traditionellen InDie-Wohnzimmer Adventsgala war wieder ein voller Erfolg. Und obwohl man sich wieder vergrößert hatte – der Beethovensaal bildete dieses Jahr den Rahmen für das Wohnzimmer – war das Lieblingsevent der Stuttgarter Musikfans schon Wochen vorher ausverkauft. Kein Wunder, konnte man doch zur Jubiläumsgala das komplette Lineup der legendären Erstauflage versammeln. Roman Wreden, Folk-Superstar und Grammy-Preisträger, unterbrach eigens seine Welt-Tournee. Marie Louise und Chantal Fatal, Inhaberinnen einer international agierenden Kette von Molekular-Restaurants mit Livemusik, wurden aus Los Angeles eingeflogen. Und selbst Jan Georg Plavec, Chefredakteur und Geschäftsführer der Stuttgarter Zeitung, sowie der Präsident des Viert-Ligisten VfB Stuttgart, Christian Seyffert, ließen sich nach langer musikalischer Abstinenz für dieses kulturelle Highlight als Rumpf-Besetzung der Spaß-Kapelle Hawelka aktivieren…“

Fantasterei? Nur ein wenig. Nehmen wir mal die Riesen-Begeisterung, die die Erstauflage im Feuerbacher InDieWohnzimmer ausgelöst hat und gehen davon aus, dass jeder Gast jedes nächste Jahr einen weiteren mitbringt, dann ist diese Prognose geradezu zurückhaltend. Und eine leise Andeutung, dass man es zu wiederholen gedenke, gab es ja schließlich auch bereits…

Foto: Michael Haußmann

Schon die Ankündigung, dass Chantal Fatale zum Jahresfinale der Feuerbacher Wohnzimmerkonzerte mit Marie Louise, Roman Wreden, Miss Tutu, dem Pianisten Rocket und der Cellistin Tanja Höhne ein Programm aus Singer-Songwriter-Perlen und gemeinsam abzusingenden Weihnachtsliedern zimmern werde, löst einen derartigen Ansturm aus, dass die Gastgeberinnen Claudia und Christine zum ersten Mal nicht alle Anmeldungen annehmen können. Und so ist das nicht allzu üppige Häuschen bereits um zwanzig Uhr knackvoll. Glühweinduft, Christstollen und Plätzchen verbreiten Weihnachtsstimmung, der Tannenbaum ist illuminiert, und die Gäste drängen sich auf dem Parkett.

Foto: Michael Haußmann

Besonders erfreulich für mich: Mit den oben genannten Künstlern haben die Gastgeberinnen genau drei Kandidaten von meiner Todo-Liste „unbedingt mal anhören“ erwischt. Und gleich der Auftritt von Roman Wreden lässt mich rätseln: Warum eigentlich kenne ich fast jeden skandinavischen Singer-Songwriter, arbeite mich durch eine Armada angelsächsischer und amerikanischer Folk-Musiker, wenn genau vor meiner Haustür so großartige Musik entsteht und ich sie jahrelang übersehe? Wunderbare Melodien, großartiges Songwriting und eine tolle Stimme. Und als dann auch noch das Cello von Tanja Höhne auf Romans Gitarre trifft, da bin ich hier sicher nicht der einzige mit Gänsehaut. (Sofort verschieben auf die Liste „unbedingt zum nächsten Gig gehen“)

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Dasselbe mit Marie Louise, diesmal allerdings ohne den Überraschungseffekt, denn Kollege David hat sie hier ja ausführlich gelobt und auch Kollege Christian (überhaupt, wo ist der heute eigentlich?) hat sie kürzlich erst in seiner Radio-Sendung „Satokii“ vorgestellt. Ein einfacher Rhythmus auf der Ukulele, dazu eine feine, variantenreiche Stimme, die auch mal richtig nach Soul klingen kann. Keine Frage: „My Name“ ist ein unwiderstehlicher Song. Auf einem Club-Gig in irgendeiner lauschigen Bar in Reykjavík wäre ich hingerissen. Und hier bin ich es auch.

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Chantal Fatale steuert nicht nur die spontanen und witzigen Zwischenansagen bei, sie traut sich auch an deutsche Texte (die übrigens absolut unpeinlich sind), Akkordeon und Mundharmonika. Und völlig selbstverständlich kombinieren sich die Musiker in immer wieder neuen Besetzungen, bekommen noch Unterstützung von Miss Tutu, die wie Chantal und Marie Louise Mitglied der Teatime Puppets war und dem Pianisten Rocket. Die Umbauten gehen nicht ohne Geschubse und Gekicher ab, die Stimmung vor und auf der Bühne ist aber durchweg brillant.

Foto: Michael Haußmann

Nach einer üppigen Pause und einem weiteren Set voller schöner Songs, entern dann Zweidrittel von Hawelka die Bühne. (Dass sich Chantal partout nicht an ein gemeinsames Konzert mit Hawelka erinnern mag, wird unter allgemeiner Heiterkeit als Verdrängung diagnostiziert) Vorübergehend ihres singenden Frontmannes beraubt, übernehmen Jan Georg Plavec am hauseigenen Klavier und Christian Seyffert am Cajon den komödiantischen Part des Abends. Eine grauenhaft schräge Version des unvermeidlichen „Last Christmas“ führt nicht nur zu lautstarkem Mitgesinge, sie beweist auch die alte Binse „das Niveau sinkt, die Stimmung steigt“.

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Für die nächsten zwei Titel wird kurzerhand Roman zum Gitarrenspiel zwangsverpflichtet, bevor es dann zum eigentlichen Höhepunkt des Abends kommt: dem gemeinsamen Absingen weihnachtlicher Evergreens. In romantischem Wunderkerzen-Schein singt sich das gesamte Publikum lautstark durch „Leise rieselt der Schnee“ und „We Wish You A Merry Christmas“ bevor es sich dreigruppig im Weihnachts-Kanon „Little Jack Horner“ verheddert. Als krönenden Abschluss schmachten sich dann noch alle durch „Süßer die Glocken nie klingen“ – und nach gut zweieinhalb Stunden ist klar: Hier haben wir die Geburtsstunde einer schönen neuen Vorweihnachtstradition erlebt.

Foto: Michael Haußmann

Ein Gedanke zu „Adventsgala mit CHANTAL FATALE, MARIE LOUISE, ROMAN WREDEN, HAWELKA, 18.12.2014, InDieWohnzimmer, Stuttgart

  • 19. Dezember 2014 um 23:23
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    Phänomenale Einleitung! Ich hab‘ gerade Tränen gelacht. Vielen, vielen Dank Holger & Micha für diesen Bericht! Zum Glück haben wir ja jetzt ein Jahr Zeit, uns über eine Zweitauflage Gedanken zu machen ;-)!

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