BLAUDZUN, 16.11.2014, clubCANN, Stuttgart

BLAUDZUN, 16.11.2014, clubCANN, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Heute mal Wissenswertes zum Radsport: Verner Blaudzun z.B. war in den 1960er und 1970er Jahren achtmal dänischer Meister im Straßen-Radrennsport. Oder auch: Die Tour de France 2015 startet im niederländischen Utrecht. Der Missing Link zwischen diesen beiden Informationen: Johannes Sigmond, Singer-Songwriter und großer Radsport-Fan hat sich nach eben diesem Radsportler benannt: Blaudzun eben. Und er hat den offiziellen Start-Song für die nächste Auflage des größten Radsport-Events der Welt geschrieben. Heute ist dieser Blaudzun mit seiner achtköpfigen Band im clubCANN.

Wir sind gespannt: Was wird dieser markante Musiker auf die Bühne bringen? Das aktuelle Album „Promises Of No Man’s Land“ enthält ja nicht nur den gleichnamigen Indie-Hit, es geht auch insgesamt äußerst geschmeidig ins Ohr. Blaudzuns auffällige Stimme (die die Älteren unter uns eventuell an Meat Loaf erinnert) und seine opulente Instrumentierung lassen einen schönen Abend erwarten. Außerdem sind wir neugierig auf’s CANN. Der Saal in diesem supermodernen Jugendhaus hat jedenfalls genau die richtige Größe, einen quadratischen Schnitt und ausreichend Höhe, um vernünftige Beleuchtung unterzubringen und eine gut bemessene, gut ein Meter hohe Bühne. Ein idealer Rahmen für anspruchsvolle Club-Konzerte.

BLAUDZUN, 16.11.2014, clubCANN, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Seltsamerweise haben sich nur grob geschätzte 150 Zuschauer eingefunden, in anderen Tour-Städten oder gar in Holland spielt die Band vor wesentlich größerem Publikum. Wir genießen die Beinfreiheit und die Bühnennähe. Auch Blaudzun scheint sich wohlzufühlen. Schon beim ersten Song, einer Akustik-Version von „We Both Know“, lädt er das Publikum zum Mitpfeifen ein. Und siehe da: Das klappt auf Anhieb.

Musik-Auskenner aus dem Umfeld hatten mich gewarnt: Ich solle nicht zu viel erwarten. Das Songwriting sei so la la, die Live-Performance unspannend. Da ich ersteres schon von den Alben her nicht nachvollziehen konnte, bin ich trotzdem hierher gekommen. Und auch bei zweiterem komme ich schnell zu einer anderen Einschätzung: Die Performance ist sehr gut, die Band spielt routiniert und mit Spaß. Blaudzun ist ein Frontmann mit Qualitäten. Mit diskreten Anweisungen organisiert er das Zusammenspiel, sein Gesangsvortrag ist beeindruckend und die Ansagen ans Publikum sind sympathisch, humorvoll und nicht ranschmeißerisch.

BLAUDZUN, 16.11.2014, clubCANN, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Eines mag allerdings nicht gefallen: der Sound. Der ist leider nicht rund. Die Anlage scheint an ihren Grenzen zu sein. Es ist zu laut, das Bassfundament fehlt und in den Höhen klirrt’s. Schade, wo doch das ganze übrige Setting nahezu perfekt ist. Der Laune im Saal tut’s aber keinen Abbruch. Natürlich enthält das Set alle wichtigen Songs seiner letzten beiden Alben. Und wo sich Gelegenheiten zum Mitsingen bieten, werden diese gerne genutzt. Natürlich spielt er seine stimmlichen Qualitäten bei „Euphoria“ voll aus, und natürlich wird es bombastisch bei „Halcyon“ oder „Streets of Babylon“. Da werden alle Register gezogen: Trommeln galore, Akkordeon, Glockenspiel, Trompete und Geige. Und ja, ich vermeide den allzu simplen Vergleich mit Arcade Fire.

BLAUDZUN, 16.11.2014, clubCANN, Stuttgart

Foto: X-tof Hoyer

Mit „Promises Of No Man’s Land“ findet der Gig seinen erwartbaren Höhepunkt – da hat Blaudzun tatsächlich das geschrieben, was man früher einen „Ohrwurm“ nannte. Nach dem ersten Hören eingeprägt und auch beim hundertsten Mal noch nicht langweilig. (Artig bedankt er sich übrigens bei FluxFM, dass sie diesen Titel in der Heavy Rotation haben). Mit „Who Took The Wheel“ endet das reguläre Set, „Wasteland“ und „Wingbeat“ gibt’s als Nachschlag. Und ein Spickeln auf der Setlist verrät uns: Zwei Titel mehr wären noch drin gewesen. Aber die waren dann wohl dem Sonntagabend geschuldet. Sei’s drum: ein tolles Konzert in einer feinen Location. Und das mit dem Sound lässt sich sicher noch optimieren.

3 Gedanken zu „BLAUDZUN, 16.11.2014, clubCANN, Stuttgart

  • 18. November 2014 um 22:40
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    ach großartig! -warum war ich nicht dabei. :/-

  • 18. November 2014 um 22:49
    Permalink

    Ja, Özlem, warum nur? Das hätte dir gefallen!

  • 8. Dezember 2014 um 11:17
    Permalink

    Hallo Holger, deine Eindrücke vom Sound kann ich leider nicht teilen. Ich war einige male im Saal um einige Songs zu hören- wüsste auch nicht das sich irgendjemand beschwert hat. Unsere Anlage macht locker 105dbA am FoH bisweilen hat das immer ausgereicht übrigens ist unsere Bühne 80cm hoch. Grüsse Darko clubCANN

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