FRISKA VILJOR, 23.11.2009, Schocken, Stuttgart

Friska Viljor

Fotos: Steffen Schmid

Die sogenannten Nullerjahre gehen zu Ende. Potzblitz! Beim Millenium war alles noch 1.0. Und wenn man so zurück denkt, was zwischen The Strokes‘ „Is This It“ (jüngst vom NME als wichtigste Platte des Jahrzehnts gewählt) und dem Tod von Michael Jackson so alles passiert ist, verfallen viele ins Lamentieren. Ausverkauf, von wegen digital ist besser, der Niedergang der CD-Verkäufe undsoweiterundsofort.

Doch wer in den neunziger Jahren Gitarrenpopfan war, hatte es schwer. Britpop-Partys fanden im Alten Schützenhaus statt (1x im Monat), Bands traten in den wichtigen deutschen Städten auf – und Stuttgart war oft nicht dabei. Heute: Indieballermann galore jedes Wochenende, Bands en masse. Und da spielt eine grundsympathische Band wie Friska Viljor im ausverkauften, rappelvollen Schocken.

Tolle Nullerjahre! Die Indiekids haben es gut. Auch wenn sie sich vor dem Schocken über Mathehausi und die neue Spanischlehrerin Gedanken machen. Die Texte von Friska Viljor haben sie schon bestens drauf. Doch zuvor gibt‘s ein lustiges Plätzchen-wechsel-dich-Spiel. Bei der ersten Vorgruppe namens William The Contractor spielt gleich auch mal Lena Malmborg von der zweiten Vorgruppe mit, William sitzt dann bei Friska Viljor hinterm Schlagzeug. Das macht den Eindruck eines schwedischen Hippiekollektivs und ist ausgesprochen sympathisch. Allein, was da für Instrumente zum Einsatz kommen (Mundharmonika, Xylophon, Melodica), könnte einen so kurz vor Weihnachten auf dumme Gedanken bringen.

Die Legende besagt, dass sich Daniel Johansson (gewisse Ähnlichkeit mit Howard Moon) und Joakim Sveningsson kennengelernt haben, als sie in einer Bar den Frust des Verlassenwerdens hinunter gespült haben. Man kann also eine Lebenskrise absolut kreativ nutzen und schöne Lieder schreiben. Sollten mal mehr machen. Vor allem dann, wenn die Musik so viele Menschen euphorisiert und Zeile für Zeile mitsingen lässt. „Friska Viljor is in love with Stuttgart“, sagt Sveningsson irgendwann. Oder auch: „This is fun. I have fun. Let‘s have fun.“ Alle ihre Songs wie etwa „If I Die Now“ oder „On And On“ werden bejubelt. Auch wenn man bei „The Cure“ meinen könnte, der Song könnte von eben jener Band geschrieben worden sein, wenn Robert Smith nicht zum Lachen in den Keller gehen würde.

Egal, hier darf man mal mitsingen: „Let‘s do something out of ordinary.“ Und der Schlagzeuger lässt sich vom Publikum auf Händen tragen. Da kommt nicht nur er ins Schwitzen. Im Schocken ist es so heiß, dass die Scheiben beschlagen. Da war eins früher wirklich besser: Als noch in den Clubs geraucht wurde, hat man nicht so sehr gerochen, ob jemand schwitzt und auch noch Döner gegessen hat.

William The Contractor

Fotos: Steffen Schmid

Lena Malmborg

Fotos: Steffen Schmid

Hier gibt’s noch mehr Fotos von Friska Viljor. Und noch welche von William The Contractor und Lena Malmborg.

Ein Gedanke zu „FRISKA VILJOR, 23.11.2009, Schocken, Stuttgart

  • 25. November 2009 um 19:29
    Permalink

    Netter kleiner Bericht und tolle Fotos. Musste den Satz „Auch wenn sie sich vor dem Schocken über Mathehausi und die neue Spanischlehrerin Gedanken machen.“ dreimal lesen und hab mich gewundert, wer uns da wohl zugehört hat :-D

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .