BIRDPEN, 25.03.2017, Manufaktur, Schorndorf

BordPen

Foto: Steve Sonntag

Was das Konzert des heutigen Abends betrifft, bin ich ein wenig ratlos. Auf der Bühne steht eine zweifellos fantastische vierköpfige Band, die einen derart großen Sound mitbringt, dass sie in diesem kleinen, heute halbvollen Raum sehr deplatziert wirkt (die Manufaktur ist ein Lieblingsort von mir, heute passt es für mich aber nicht). Fotograf Steve hat Birdpen hier schon vor 2 oder 3 Jahren gesehen und ist von der Entwicklung sehr angetan, aber auch er findet es zumindest extrem laut bzw. breit abgemischt. Das breit abgemischt führt dazu, dass es oft viel zu voll, fast breiig klingt und einerseits finde ich die Songs total gut, aber die hohen Töne von Sänger und Gitarre stechen mich trotz Ohrenstöpseln derart in die Trommelfelle, dass ich etwas geplagt bin. Kurz denke ich, ich bin echt alt geworden, als ich mir vorstelle, den Mischer zu bitten, insgesamt etwas leiser zu machen. Beruhigt bin ich, als ich merke, dass es viele zu laut finden und sich im Konzertverlauf Gratisohrstöpsel an der Kasse holen.

Ich höre immer wieder Bekanntes raus, U2, Coldplay, Blur, Pink Floyd, auch Technoides, aber dennoch ist diese Band ganz eigen, ganz klar britisch und irgendwie dann auch wieder nicht. Die Stücke sind teils sehr lang, anfangs frage ich mich oft, ob das jetzt schon ein neues Stück ist oder nur ein neuer Teil. Mag ich ja gerne, wenn Lieder über 15 Minuten gehen und interessante Wechsel und Brüche haben. Und ich wünschte, das hier wäre draußen, denn wie schon gesagt, der Sound ist der Manufaktur entwachsen. Sehr schade, dass man die Texte kaum versteht, denn die Songtitel sind sehr vielversprechend. Einer lautet „The Solution Is The Route Of All My Problems“, den kann man auch liebevoll auf schwarzes Tonpapier geschrieben für 20 Euro am Merchstand erwerben.

BordPen

Foto: Steve Sonntag

Keiner der vier auf der Bühne sticht besonders hervor, das ist schon eine Band und kein Sänger mit seinen Lakaien. Letzterer, Mike Bird, sieht aus, als wäre er direkt vom Büro gekommen, sehr unspektakulär, sehr nett. Spektakulär ist seine Kopfstimme und es sieht cool aus, wie er Gitarre spielt, manchmal haut er auch auf ein Schellentambourin. Ebenso nett anzusehen der andere Namensgeber und ebenfalls Gitarrist, Dave Pen, der immer wieder auch Keyboard spielt. Er beschreibt mit dem Oberkörper gerne einen Kreis, während der Unterkörper steif bleibt. Drummer und Bassist werden in Beschreibungen von BirdPen eigentlich nie erwähnt, das heißt, sie sind wohl doch eine Art Lakaien, verstecken dies aber gut, sind gut eingespielt, wirken begeistert vom gemeinsamen Tun. Alle zusammen verbringen vermutlich sehr viel Zeit mit Proben, das Timing ist schon fast unheimlich …

Ansagen gibt es wenige, dafür sehr sympathische und ein fast perfekt ausgesprochenes ö in Dankeschön. Außerdem freuen sich BirdPen, dass sie wieder in diesen wunderbaren Konzertsaal eingeladen wurden. Zugaben gibt es zwei: „sorry, no requests, but I hope you like this one“. Ja, mag ich, aber die zweite Zugabe „Only The Names Change“ wird für mich der Song des Abends sein. Der erste, bei dem der Sound differenzierter klingt. Ein schöner Abschluss.

Draußen im Hof tauchen drei Frauen Ende 20 auf, die sich vor Begeisterung kaum retten können. Zitat: „Das war das Konzert des Jahrhunderts in 2017!“ Danke für diesen Schlusssatz!

BordPen

Foto: Steve Sonntag

Setliste:
O´Mighty Vision
The Chairman
Tookit
The Solution Is The Route Of All My Problems
Lifeline
Dance To The End
Into The Blacklight
Off

Zugaben:
The Underground
Only The Names Change

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