KREISKY, 25.10.2014, Manufaktur Schorndorf

Kreisky

Foto: Steve Sonntag

Was ist denn da los an diesem Samstag? Warum müssen gleich eine handvoll interessanter Konzerte parallel stattfinden? Aber irgendwas im Leben verpasst man immer, eine Entscheidung muss getroffen werden und die heißt Kreisky in der Manufaktur anhören. Film und Literatur aus der Alpenrepublik sind bei mir eh schon angekommen, bei Musik reicht das Wissen noch für Naked Lunch und Hans Platzgumer, dann hört es aber auch schon auf, Klassik ausgenommen.

So viel ist sicher, Leise und Zart sind hier heute nicht anzutreffen. Dafür betreten vier smarte österreichische Herren die Bühne. Jüngst erschienen ist ihr viertes Album „Blick auf die Alpen“. Zu Gast sind sie bereits zum dritten Mal in der Manufaktur. Namentlich sind es Franz Adrian Wenzl (Gesang und Orgel), Max Martin Offenhuber (Gitarre), Georg Tischberger (Bass) und Klaus Mittler (Schlagzeug).

Kreisky

Foto: Steve Sonntag

Gemütlich am Bistrotisch anlehnen und der Musik lauschen ist hier nicht drin. Höflich und bestimmt kommt die Ansage von Sänger Franz Adrian Wenzl, dass „…WIR arbeiten ja schließlich auch hier…“, flugs werden die hinteren Reihen aufgelöst und bewegen sich nach vorne an den Bühnenrand.
Auch wenn die Band schon seit einer Weile auf Tour unterwegs ist: „…ist die Energie vorzüglich…“, lautet die Selbstauskunft des Sängers. Mit dieser vorzüglichen Energie wird das Set auch gleich mit „Wir Unterhaltenden“ angerichtet.

Bei Kreisky gehen Punk, Noise und Indie-Rock gemeinsam in die Vollen. Da gibt es erstmal „Weinkrämpfe“ , die jetzt endlich überstanden sind, als adoleszente Ansage „Ich weine jetzt nicht mehr, ich bin kein kleines Mädchen mehr“, wird mit Inbrunst ins Mirko gesungen. Bei „Wir machen uns Sorgen um Dich“ kommen die besorgten Eltern zu Wort, die heimlich im Tagebuch des Sprösslings gelesen haben.

Kreisky

Foto: Steve Sonntag

Zwischendurch gibt es den dezenten Hinweis auf das Merchandising „Wir machen uns Sorgen um Dich“ prangt auf den T-Shirts für Erwachsene oder wahlweise auf den Babystrampler für den Nachwuchs. Doch zurück zur umtriebigen Bühnenpräsenz von Adrian Wenzl, sein Entertainment-Marathon zieht sich von der Orgel am Bühnenrand runter ins Publikum zurück auf die Bühne um dann Houdinimäßig wieder an der Orgel zu sitzen. Unterstützt wird das Ganze durch die wechselnde Lichtstimmung und je nach dem ob Bass, Gitarre oder Schlagzeug den Solopart spielen, wird mit einem farbigen Lichtkegel fokussiert. Und die Frisur des Schlagzeugers sitzt stets perfekt.

Kreisky

Foto: Steve Sonntag

Die Lyrics von Kreisky bieten jedem, je nach Stimmungs-und Lebenslage, ohne übermäßig klebrige Selbstverliebtheit, mindestens ein Lieblingslied. Mein Lieblingshit kommt auch: „Scheiße, Schauspieler“. Zur Belohnung begibt sich der Sänger bei dem Song, samt Mikro ins Publikum und jeder darf mal ganz kräftig sein: „Scheiße, Schauspieler“ reinbrüllen. Zwischendurch werden die bandeigenen Musikvideos erklärt, ach, aber eigentlich sollte man die sich direkt selbst ansehen. Jedes für sich ein kleiner Kunstgriff.

Zwei Zugaben gibt es noch, wie bei „Feinde“ treffend erklärt wird: „…Wir brauchen uns nicht zu mögen, wir können uns ignorieren, wir brauchen nicht Freunde werden, bleiben wir Feinde …“ , sowas von universell einsetzbar! Ganze 70 Minuten geht die Kreisky’sche Katharsis. Hier wird einfach melodiös der Ärger aus jeder Windung des Körpers rausgeschraubt, charmant misanthropisch versteht sich. Bis es dann wieder soweit ist, Kreisky auf einem Gig anzutreffen, bringt uns Adrian Wenzl aka Austrofred fit durch den Winter. Bis dahin Servus und Baba, Danke Kreisky!

Kreisky

Foto: Steve Sonntag

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