THE SKINTS, CURRENT SWELL, 27.03.2014, Keller Klub, Stuttgart

THE SKINTS, CURRENT SWELL, 27.03.2013, Keller Klub, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Was bringt einen Veranstalter eigentlich auf die Idee, zwei so grund­verschiedene Bands wie Current Swell und The Skints gemeinsam auf Tour zu schicken? Sollte er etwa auf alle Musikliebhaber zählen, die Fans beider Bands sind? Kaum vorstellbar, dass es davon mehr als eine Handvoll gibt. Klassisch amerikanischer Blues-Rock und Londoner Alternative Reggae sind nun mal an ziemlich entfernten Enden des musikalischen Spektrums angesiedelt. Uns zieht’s jedenfalls wegen The Skints in den Keller Club und wir geben offen zu: von Current Swell hatten wir bis dato noch nichts gehört.

Da der Gig als Doppelkonzert zweier gleich starker Bands angelegt ist (in anderen Städten spielen sie übrigens in umgekehrter Reihenfolge) wird auch der Abend in zwei gleich lange Sets aufgeteilt. Und so ist klar, dass man heute wegen einer Band, die man eigentlich gar nicht hören wollte, nur ein kurzes Set seiner Lieblingsband zu hören bekommt.

THE SKINTS, CURRENT SWELL, 27.03.2013, Keller Klub, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Klingt aber schlimmer, als es ist. Denn die vier Kanadier eröffnen den Abend mit einem derart rotzigen Blues-Rock, dass man auch als Nicht-Fan seinen Spaß dran haben kann. Jedenfalls lassen Sie sich vom  nur mäßig gefüllten Keller Klub nicht die Laune verderben. Besonders stark die neuen Titel wie „Rollin“, bei denen Sie mit Slideguitar, Mundharmonika und einer ordentlichen Portion Blues eine kernige Stimmung in den Laden bringen. Wohlgemerkt: bei einem Publikum, das mehrheitlich auf Reggae eingestellt ist. Ihr Set dauert etwa eine Dreiviertel­stunde und sie scheinen die Bühne zufrieden zu verlassen.

Der Umbau ist recht aufwändig, da beide Bands ein vollständiges Equipment dabei haben, und wirklich alles ausgetauscht werden muss, er geht aber flott von statten.

THE SKINTS, CURRENT SWELL, 27.03.2013, Keller Klub, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Marcia Richards und ihre drei Kollegen eröffnen ihr Set mit „Rise Up“ – und es ist mehr als erfreulich: Der Sound stimmt vom ersten Takt. Und ja, diese Band hat wahrhaftig Livequalitäten. Exakt auf den Punkt und direkt in die Beine. Viel Zeit haben sie ja nicht, deshalb schließen sie auch sofort ihren Hit „Ra-ta-tat“ an, der nahtlos übergeht in den Dawn-Penn-Klassiker „No, No, No“. Die Skints kennen ihre musikalischen Wurzeln, aber sie machen auch klar

No we don’t believe in Jah but we we’re still writing dub reggae and we just can’t take no more… (Can’t Take No More)
I’ve never been to Montego Bay, but I’ll tell ya about the Ilford ends (Rise Up)

Kurzum: Sie verzichten ganz bewusst auf die ganze Jamaica-Folklore, die den Reggae manchmal so unerträglich schmalzig macht, und mischen das Ganze lieber mit einer Prise Punk, HipHop und ordentlich viel Dub. Und – da unterscheiden Sie sich nicht von Klassikern wie Jimmy Cliff, Toots Hibberts oder auch den Specials – sie haben etwas zu sagen. Es sind soziale Themen, die sie bewegen, wie zum Beispiel in ihrem Song „Live East Die Young“ (der natürlich den Osten Londons meint).

THE SKINTS, CURRENT SWELL, 27.03.2013, Keller Klub, Stuttgart

Foto: Steffen Schmid

Natürlich steht Marcia Richards schon rein optisch im Mittelpunkt. Sie singt, spielt Keyboards, Drumpads, Saxophon und Melodica, und meist mehreres gleichzeitig. Das sieht mühelos aus und man spürt die ganze Bühnenerfahrung. Aber auch ihre drei Kollegen sind markante Typen: Josh Waters Rudge an der Gitarre, Jamie Kyriakides an den Drums und Jon Doyle am Bass. Mit drei ziemlich unterschiedlichen Gesangsstimmen – Josh ist eher für Toasting und Rap zuständig, während Jamie eine richtige Soulstimme mitbringt – eröffnen sich vielfältige Kombinationsmöglichkeiten, die letztlich auch den Sound der Skints bestimmen. Und wo findet man schon mal einen Schlagzeuger, der so richtig gut singen kann?

Es war abzusehen: das Set ist viel zu schnell vorbei. „Rub-A-Dub“ bringt mit einem flotten Ska nochmal zusätzliche Bewegung ins Publikum, und mit „Culture Vulture“, dem herrlich schrägen Hit von ihrem ersten Album ist der Spaß vorbei. Obwohl Josh noch ein paar Titel mehr in Aussicht gestellt hat, wird eine mögliche Zugabe – und da nimmt der Gig nach knapp 50 Minuten ein unerfreulich jähes Ende – durch sofortiges Einspielen von Konserven-Musik unterbunden.

Fazit: Zwei starke Live-Bands in einer fragwürdigen Kombination. Nachdem also das letztjährige Skints-Konzert terminlich verschusselt wurde und dieses nur ein halbes war, freuen wir uns weiterhin drauf, dass diese Band nochmal den Weg nach Stuttgart findet. Und dann bitte zu einem richtigen Headliner-Gig.

Current Swell

The Skints

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