LAETITIA SADIER, 18.04.2013, Manufaktur, Schorndorf

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Foto: Özlem Yavuz

Sachen, die einen wirklich erfreuen: Wenn man ein Interview seiner Lieblingssängerin Laetitia Sadier liest, in welchem sie die Musik von Giorgio Tuma lobt, welcher wiederum das Lieblings-Verkannte-Genie von einem selber ist. Wenn man dann noch von diesem Künstler, der eine Million Mal berühmter sein müsste, als er es jetzt ist, hört, dass er eine Kollaboration mit besagter Laetitia eingehen wird und eine Single ansteht, dann sind das mal richtige big news. Einer der wenigen Momente, in denen man denkt, es kann schon auch richtig zugehen auf der Welt.

Aber das denkt man hier ja öfters in der Manufaktur. Und heute habe ich sogar einen neutralen Beobachter da, der alles bestätigen kann. Freund Jose aus Spanien wird an diesem Abend des Öfteren erwähnen, wie wunderbar der Sound hier ist, und für ihn noch viel erstaunlicher, wie respektvoll leise die Zuschauer auch leisester Musik zuhören können.

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Foto: Özlem Yavuz

Jens Bosteen im Vorprogramm ist ein guter Prüfstein dafür. Der französische Beau spielt zarten Akustik-Pop, bei dem ein lautes Publikum so dermaßen stören würde. Aber hier ist man ja auf der Konzertinsel der Glückseligen, und kann auch noch jeden kleinsten Fingeranschlag auf der Westerngitarre hören. Für Folk sind in der Musik zu viele Major Sieben Akkorde und so Zeug dabei, dass ich eher irgendwas sagen würde wie: leicht psychedelischer 60ies Balladen-Pop, aber im Unplugged Gewand. Kenner Henry bestätigt mir, dass das Stichwort „Nick Drake“ schon ganz gut hinkommt. Schön isses auf jeden Fall!

Erfreulicherweise ist dieses Mal mehr Publikum da als noch vor zwei Jahren, als Laetita Sadier ganz allein mit Gitarre im Schocken aufgetreten ist. Diesmal hat sie noch einen Bassisten und Schlagzeuger dabei, um ihr aktuelles Album „Silencio“ zu betouren. Nach einer kurzen Umbaupause mit viel High Llamas als Überbrückungsmusik, geht es ganz unprätentiös mit „The Rule Of The Game“ los.

Dreistimmiger Gesang, und diese seltsame Mischung aus Schwerelosigkeit bei gleichzeitiger Sperrigkeit, wie sie für die Spätphase von Stereolab so typisch waren, zeichnen den Song gleich mal aus. Und dies wird auch ein wenig der Grundtenor des Abends bleiben. „Next Time You See Me“, das zusammen mit Ex-Stereolab Tim Gane geschrieben wurde, und dementsprechend auch sehr nach Stereolab klingt, ist da aufgrund seiner spontanen Zugänglichkeit fast schon eine Ausnahme.

Aber das ist ja gar nicht schlimm, denn, wie schon geschrieben, hier ist ein Ort, um Musik goutieren zu können. So klingt hier Laetitias eh schon wunderbare Stimme, trotz angeblicher Erkältung, so wunderbar wie es nur geht. Jedes „Bamm Bamm Bamm“ eine Million Mal schöner und gekonnter, als dieses ganze Soul-Simulanten-Gepose, was einem in Castingshows als Gesang verkauft wird.

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Foto: Özlem Yavuz

Offene Akkorde, irgendwelche Suspended und Artverwandten, die immer etwas verloren und wie  nicht ganz von dieser Welt klingen, prägen den Abend. Mal mit Rhythmen, die irgendwie nach Brasilien und Tropicalia klingen, wie bei „Between Earth And Heaven“, mal etwas straighter wie beim sehr tollen „Find Me The Pulse Of The Universe“.

Ganz anders dann „There Is A Price To Pay For Freedom (And It Isn’t Security)”, das mit zusätzlicher Instrumentierung, Mellotron-Samples oder sowas vom iBook, schon leicht bombastisch daher kommt. Wie der Titel schon verrät spart „Silencio“ nicht mit politischen Themen. Das lässt Laetitia in ein paar Ansagen anklingen. Dass, die natürlich zu begrüßende, Kritik am vorherrschenden neoliberalen Diktat noch nie charmanter klang als bei Madame Sadier, ist aber natürlich auch klar.

Zwei Zugaben bekommen wir auch noch geboten, die uns Sadier-Adepten zufrieden in die Nacht entlassen, auch wenn das Hauptaugenmerk diesmal eher auf den melancholischeren, unzugänglicheren Songs ihres Repertoires lag. Wunderbare, mittlerweile zu Zeitlosigkeit gereifte Musik einer wunderbaren Sängerin. Und jetzt warten wir auf die Single mit Giorgio Tuma.

Laetitia Sadier

Jens Bosteen

5 Gedanken zu „LAETITIA SADIER, 18.04.2013, Manufaktur, Schorndorf

  • 19. April 2013 um 20:31
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    Freue mich, hier von Giorgio Tuma zu lesen, in Verbindung mit dem tollen Artikel über Laetitia Sadier !
    Da kann man wirklich sehr auf das vielversprechende Duett gespannt sein.

  • 19. April 2013 um 21:06
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    @Sabine: Du kennst Giorgio Tuma???

  • 20. April 2013 um 13:24
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    @ Lino: Ich kenne ihn. Seine wunderschöne Musik habe ich durch den Soundtrack des Films „Yo, también“ entdeckt.

  • 22. April 2013 um 14:52
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    Giorgio Tuma seine Freunde sind immer und ungeprüft auch unsere Freunde ;)

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