THE BLACK HEART PROCESSION, 19.05.2010, Schocken, Stuttgart

The Black Heart Procession

Fotos: Steffen Schmid

Wer immer noch Zweifel hatte, dass dieser Mai nix anderes als ein überambitionierter November ist, der darf diese endgültig streichen. Wenn Bands wie The Black Heart Procession die Lande betouren, dann ist spätherbstliche Stimmung angesagt.

Das Quartett aus San Diego hat einen mal wirklich selten lautmalerischen Namen gefunden. Ihre Musik hat des Öfteren tatsächlich was von einem Trauermarsch.

Die Band beginnt mit zwei Songs, in denen Sänger Palle Jenkins eine Säge singen lässt. Ein sehr ruhiger Beginn ist das, ohne Schlagzeug und Bass erstmal, nur mit Tobias Nathaniel am E-Klavier.

Im Laufe des Abends werden sich zwei Dinge für mich herauskristallisieren. Die Stimme von Jenkins, wie Chris richtig bemerkt, ist am überzeugendsten wenn sie in tiefen, düsteren Tonlagen bleibt. Da wirkt sie am ausdrucksstärksten und passt am besten zur Grundstimmung der Songs.
Zweite Sache: die flotteren Lieder, die mehr Aufs und Abs vorweisen und abwechslungsreicher arrangiert sind, gefallen mir wesentlich besser als die getragenen, ruhigen Stücke. Bestes Beispiel hierfür sind die Songs Tropics Of Love, das einen leichten lateinamerikanischen Touch aufweist, und eine elegante Mischung mit dem dunklen Indie-Americana-Rock eingeht, und Heaven And Hell (passend zu diesen Tagen: RIP Ronnie James Dio) mit begleitendem Gesang des Bassisten.

Interessant ist es auch, den Schlagzeuger zu beobachten, der trotz aller Schmächtigkeit, ganz schön hart die Felle trifft, und auch gerne mal in der einen Hand eine Rassel bespielt, während er mit dem restlichen Gliedmaßen weiter Schlagzeug spielt.

Überraschendes mal mittendrin im Set, als die Band zwei Songs in Dur anstimmt? Spinnen die jetzt komplett? Was sollen denn diese nach Hoffnung klingenden Klänge jetzt? Ist aber zum Glück nur ein Intermezzo, danach kann man wieder in Moll baden, ausgiebigst, was zur Band auch besser passt.
Amüsant wird es auch bei einer etwas längeren Ansage von Palle Jenkins, als er eine Geschichte von der Schweizer Grenze erzählt, die zu der Situation führte, dass er irgendwann ausgezogen in einem Zimmer stand, und der Zollbeamte schon die engen Gummihandschuhe anzog. Angst vor „the finger“ und der großen Hafenrundfahrt hier mal als Stichworte. Aber dazu kam es dann doch nicht. Sympathische, Whisky trinkende Männer auf jeden Fall die Jungs.

Drei Zugaben werden dem teilweise tanzenden Publikum, das sich irgendwie aus Leuten zusammensetzt, die man sonst bei den üblichen Indierockkonzerten so nicht sieht, noch geboten, und beenden einen schönen Herbstabend. Jetzt kann man sich wieder dem Kastanien und Pilze sammeln widmen, und der Advent naht ja auch.

The Black Heart Procession

Fotos: Steffen Schmid

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3 Gedanken zu „THE BLACK HEART PROCESSION, 19.05.2010, Schocken, Stuttgart

  • 20. Mai 2010 um 14:20
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    Fand das Konzert wirklich sehr schön. Unaufgeregt, traurig und sehr sypathisch. Eine kauzige Band, die ich erst 2 Tage kenne und die mir sicher noch viel Freude…äääh…Trauer bereiten wird.

  • 20. Mai 2010 um 14:21
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    scheiße…sympathisch natürlich!

  • 20. Mai 2010 um 14:53
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    „… dass dieser Mai nix anderes als ein überambitionierter November ist.“ Voll gut. Konzert habe ich natürlich total verpennt.

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