WILLIAM FITZSIMMONS, 26.11.2009, Sudhaus, Tübingen

Wiliam Fitzsimmons

Fotos: Steffen Schmid

Tübingen also. Ende November. Es gibt wohl keinen besseren Ort für dieses Konzert, keine andere Zeit des Jahres, in der William Fitzsimmons auftreten sollte. Fitzsimmons sei eine der sonderbarsten Personen, die man je treffen werde, ist auf der Homepage des Singer-Songwriters zu lesen. Und nach dem ausverkauften (!) Konzert im Sudhaus weiß man: Ja, es stimmt.

Noch ein bisschen Background-Infos zu dem Kerl mit dem unglaublichen Bart: „Born the youngest child of two blind parents, William was raised in the outskirts of the steel city of Pittsburgh, Pennsylvania. Due to the family’s inability to communicate through normal visual means, William’s childhood home was filled with a myriad of sounds to replace what eyes could not see. The house was suffused with pianos, guitars, trombones, talking birds, classical records, family sing-a-longs, bedtime stories, and the bellowing of a pipe organ, which his father built into the house with his own hands. When his father’s orchestral records were not resonating through the walls, his mother would educate him on the folk stylings of James Taylor, Joni Mitchell, Bob Dylan, and Simon & Garfunkel.“

Diese kleine Info und seine drei Platten sind sehr viel versprechend. Außerdem erzählt man sich, dass Fitzsimmons vor über einem Jahr im kleinen Zimmertheater in Tübingen mit einem wahnsinnigen Auftritt begeisterte. Im großen Saal treten parallel Mundstuhl auf. Da stellt sich natürlich die Frage, ob man die jemals witzig fand. William Fitzsimmons findet wohl das Startum nicht so toll. Schwierige Sache so als Solokünslter. Oder mag er seine Musik so sehr, dass er dabei nicht gestört werden will? Die Ansage ist klar: Keine Fotos, bei den Songs, bei denen man das Klackern der Kamera hören kann. Könnte nämlich stören.

Jedes andere unkontrollierte Geräusch wie Räuspern oder Niesen ist auch bei der Supportkünstlerin Laura Jansen unangebracht. Das 2.0-Mädchen („Mein Leben spielt sich vor meinem Laptop ab“) singt bittersüße Lieder allein am E-Piano – und ist dazwischen äußerst unterhaltsam. Das hat sie sich wohl von William Fitzsimmons abgeguckt. Der Mann mit den wohl traurigsten Liedern worldwide, der schnurrenden Samtstimme und den zarten Melodien ist, nun ja, ein Entertainer. Ein lustiger Kauz. „Hallo Tübingen, wie geht’s?“, sagt er auf deutsch und verspricht eine sehr laute Show mit fröhlichen, positiven Songs. Das ist natürlich völliger Humbug. Seine Lieder sind so traurig, dass man am Eingang besser Taschentücher hätte verteilen sollen. Ein Sofa und ein Glas Rotwein hätten auch noch gut gepasst. Die Ansage ist klar: „Let’s play some fucking depressive music.“ Und sie ist so unfassbar schön. Ohne Worte. Und wenn Fitzsimmons mit seiner Band auf einmal die Bühne verlässt, um mitten im Publikum einen Song darzubieten oder wenn er es schafft, dass alle bei seinem Sing-Along mitmachen, weiß man, dass er nicht nur eine der sonderbarsten Personen ist, sondern einer der tollsten Musiker. Punkt.

4 Gedanken zu „WILLIAM FITZSIMMONS, 26.11.2009, Sudhaus, Tübingen

  • 27. November 2009 um 13:57
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    ich Arschgeige fand Mundstuhl anfangs noch ganz witzig, oh Gott! Man kann sich selber einfach nicht vertrauen.
    Gesichtspullis, der Trend der ausgehenden Dekade.

  • 27. November 2009 um 14:03
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    Mein herzliches Beileid auf jeden Fall für den heutigen Abend, liebe Anja. Das hast du nicht verdient. Kleiner Trost: Du und Cathrin as cold as ice im Lift. like!

  • 27. November 2009 um 14:12
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    Ach, das Leben ist kein Schlotzer!;) Man kann ja nicht jeden Abend auf gute Konzerte….

    Oh, wow! Die Damen im angesagten Blättle. Muss ich gleich kaufen.

  • 27. November 2009 um 14:56
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    Ich bin immer nur im Lift and der Uni. Teilweise stundenlang – zumindest fühlt sich das so an. hihi

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