VAN MORRISON, 17.07.2014, Jazz Open Stuttgart, Schlossplatz

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Foto: X-tof Hoyer

Ein perfekter Abend – Van Morrison-Konzert, unglaublich tolles, fast schon ein bisschen zu heißes Sommerwetter für ein Open-Air-Konzert, die Stimmung scheint bei allen ebenso blendend wie die Sonne… Als ich mir das Publikum ansehe, sind viele ältere, nicht wenige mittelalte und auch einige junge Fans zu entdecken und im Laufe der Zeit nimmt der betucht aussehende Grauanteil doch noch sehr stark zu. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil im älteren bis mittleren Segment bilden dabei die Musiknerds, die leicht durch ihre T-Shirts von Frank Zappa, Bob Dylan, Greatful Dead, The Band oder eben Van Morrison zu identifizieren sind. Dann fällt mir auf: Oha, mehr Wein- und Sektbuden als solche für Bier. Man kann sich dann doch nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass Jazzveranstaltungen etwas Versnobtes haben….

Aber es geht ja um die Musik! Das Event ist perfekt durchgeplant: Wenige Minuten nach Einlass beginnt bereits die erste Vorgruppe namens Nina & the Hot Spots. Eine lupenreine Rock’n’Roll/Rockabilly Combo, zugegebenermaßen mit leichten Blueseinflüssen, die sich etwas wundern ob der Tatsache auf einem Jazzfestival aufzutreten und sticheln daher bewusst bei einem Elvis-Cover, nun einen Song eines der größten Jazzkünstler überhaupt zu spielen (das Publikum scheint jedoch ziemlich ironiefrei zu sein). Die Freiburger liefern ihr Programm perfekt ab und schaffen es sogar etwas Stimmung zu erzeugen.

Nach einer kurzen Umbaupause und einer perfekten Überleitung und Ankündigung der SWR2-Moderatorin folgt die, ja man kann schon sagen Legende Mavis Staples. Dem einen oder anderen mögen die Staple Singer noch ein Begriff sein. 1951 gründete Papa Staples mit seinem Sohn und seinen beiden Töchtern – eine davon eben Mavis – die Gospelband. Die heute 75jährige Mavis arbeitete mit Ry Cooder, Ray Charles, Prince, Bob Dylan und vielen anderen zusammen. Die Grande Dame kommt zwar am Stock auf die Bühne und wird von einem jungen Mann geführt, aber bereits ihre soulröhrige Begrüßung lässt keinen Zweifel an ihren Fähigkeiten und es geht ein fast euphorisches Raunen durch die Menge.

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Foto: X-tof Hoyer

Die Sonne macht Mavis etwas zu schaffen oder wie sie es nennt „that Stuttgartsonnenschein“, doch sie verspricht uns, dass der Abend noch mehr „sunshine“, „happiness“ und „inspiration“ bringen wird, was uns hier in Stuttgart Minimum noch sechs Monate erhalten bleiben wird. Wobei sie bei letzterem (Inspiration) vielsagend ihr Blueslachen ins Mikro röhrt.

In einer knappen Stunde gelingt Staples eine wunder- und gefühlvolle Zeitreise in die 60er und 70er Jahre, unter anderem natürlich auch mit Staple Singer-Klassikern, wie „I’ll Take You There“ oder „Respect Yourself“. Dann muss Mavis Staples doch etwas erschöpft von der Bühne geführt werden, und sie bedankt sich strahlend bei einem jubelnden Publikum.

Es dauert tatsächlich nicht länger als nochmal eine viertel Stunde Umbauzeit, bis die Moderatorin wieder auf der Bühne erscheint und bestätigt, dass es jetzt gleich los geht; perfektes Timing. Man hat inzwischen auch bereits einen Gong vernommen (gleich dem in der Oper), der auf den baldigen Konzertbeginn hinweist und insbesondere das Tribühnenpublikum explizit auffordert, doch jetzt die Plätze einzunehmen – perfekt eigentlich, denn das scheint das Gros der Tribünen- und VIP-Gäste recht gut zu kennen.

Und schon geht’s los! Ach nein, nicht ganz. Denn zunächst darf Van Morrisons Tochter Shana zwei Lieder singen und wird von Teilen der Band begleitet. Sie kann singen und das passt auch perfekt in den Background des folgenden Van Morrison-Auftritts, doch als Haupt-Sängerin wirkt sie doch etwas wie eine zu schrill geratene Alanis Morissette.

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Foto: X-tof Hoyer

Aber jetzt wirklich! Ja, da ist er! Der weiße Godfather des Blues! Der Ire, der wie zuvor keiner vor ihm Rhythm & Blues, Soul, Rock, Folk und Jazz in seinen Songs vereint hat. Auch er ist tatsächlich so etwas wie eine Legende geworden. Er ist umringt von echten Musikergenies auf ihrem Gebiet: Vom ersten Song an ist alles perfekt! Die Arrangements, die Übergänge, die Abfolge der Songs, die verschiedenen Soli und nicht zu vergessen die wirklich unvergleichliche und nach wie vor großartige Stimme von George Ivan Morrison.

Doch mich beschleicht nach wenigen Songs nun doch das Gefühl, dass hier alles etwas zu perfekt läuft. Es wirkt etwas runtergespielt, alle Songs sind auf Jazz getrimmt (klar, sind ja auch die Jazz Open Stuttgart) und bis ins Detail durcharrangiert für den Live-Auftritt, bis hinein in jedes einzelne Solo. Und das, wo doch eine wesentliche Kernkompetenz von Blues und Jazz die spontanen, frei improvisierten Soli und Jam-Einheiten sind.

Und wenn ich mich so umsehe, ist dann doch allerorten ein leichtes Fußwippen im Publikum zu erkennen. Die meisten Van Morrsion-Fans von damals hören heute wahrscheinlich eben eher Jazz – perfekt gemacht, denk’ ich mir. Aber dann erkenne ich die ersten Klänge von „Baby Please Don’t Go“ und tatsächlich groovt es dann mal ein bisschen mehr, auch im Publikum. Aber wirklich nur ein wenig und da sind bereits 45 Minuten vergangen.

Es ist bekannt, dass Van Morrison nicht gerade so etwas ist wie eine Rampensau. Aber er hat tatsächlich nicht ein einziges Wort gesagt, also auch nicht „Hallo“ oder so. Naja, dann plätschert es noch ein paar perfekte Songs in die Dämmerung und mir dämmert, dass schließlich mit einem sehr jazzigen „Moondance“ das Finale beginnt.

Und so ist es: perfekt und vorhersehbar, wie das ganze Konzert bislang. Zum Finale gehören natürlich noch „Brown eyed girl“, bei dem besonders ohrenscheinlich wird, dass ca. zwei Gänge runter geschalten wurde für die aktuellen Live Versionen – schade!

Und natürlich zum Schluss: „Gloria“ aus alten Them-Zeiten! Nun kommt zum ersten Mal (und logischerweise auch zum letzten Mal) so etwas wie Schwung in die Sache. Aber klaro: der perfekte Abschlusssong zum Mitklatschen für’s Publikum, mit extra langen Soli für die Band. Und aus. Kein „Tschüss“. Keine Zugabe.

Ja, perfekt ….. wahrscheinlich sogar für die Allermeisten an diesem Abend.

Van Morrison

Mavis Staples

Ein Gedanke zu „VAN MORRISON, 17.07.2014, Jazz Open Stuttgart, Schlossplatz

  • 22. Juli 2014 um 10:15
    Permalink

    Das is voll cooool das konzert

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