Melt-Banana, 01.09.2010, Stuttgart, Schocken
von Toxic · 2. September 2010
Die sympathisch-durchgeknallten Japaner namens Melt-Banana sind mal wieder zu Gast in Stuttgart. Nach deren Zählung zum dritten Mal, mir kommt es vor, als wären sie noch öfter bei uns aufgeschlagen. Vielleicht schaffen es Melt Banana aber auch tatsächlich im Gegensatz zu vielen anderen Bands, zwischen Schorndorf und Stuttgart zu unterscheiden, und die Manufaktur-Auftritte wurden nicht mitgezählt. Japaner – Zahlenmenschen.
Zu Melt- Banana weiß ich – ohne bei Wiki zu schauen – , dass die Band seit ca. 10 – 15 Jahren ihren ziemlich einzigartigen musikalischen Terror in Form von diversen Alben und noch viel diverseren Splits sowie durch fleißiges Touren unters interessierte Alternative-Publikum bringt. Prominente Namen zieren den Weg der Band, wie z.B. Steve Albini (als Produzent), John Zorn (Veröffentlichungen auf dessen Label Tzadik) und natürlich darf Mike Patton nicht fehlen, der mit seiner Band Fantômas eine mini Split (im wahrsten Sinne des Wortes) mit den Japanern veröffentlicht hat, und, soviel ich weiß, Freund, Fan und Förderer der Band ist.
Zunächst wirkt das vor dem Schocken wartende Publikum erschreckend dünn, im Sinne von wenig. Zum Konzertbeginn haben dann glücklicherweise noch einige den Arsch hockgekriegt, und das Schocken ist ungefähr in dem Maße gefüllt, wie es häufig bei avantgardistischen Underground-Bands der Fall ist.
Am Beginn der Show steht ein zähes ca. 10-minütiges Intro, das nur Frontfrau und Gitarrist absolvieren. Im Dunkeln mit Stirnfunzel und Effektgeräten ausgestattet, wird dem Publikum einiges abverlangt, eine Dosis Noise, die man ein gesamtes Konzert sicher nicht ohne bleibenden Schaden überstanden hätte. Gitarrist Agata (jetzt doch Wiki), der seinen in Tokyo vermutlich unverzichtbaren Atemschutz - wie immer auf Tour – schon gar nicht mehr abnimmt, verwendet für seine Lärmspielchen eine offenbar moderne Version der Ätherwellengeige oder Theremin (wobei ersterer eindeutig der bessere Begriff ist), und simuliert verblüffend gut eine E-Gitarre und andere Lärminstrumente. Befürchtungen, dass er das Gerät gegen seine Gitarre eingetauscht hat, treffen zum Glück nicht zu.
Es folgt nämlich ein klassisches Melt-Banana-Konzert mit allem was dazugehört. Das ist in erste Linie das einzigartige Gitarrenspiel und Agata, der wie immer in einem Halbkreis aus zig Effektgeräten steht, und seiner Gibson Töne entlockt, wie kein Zweiter. Begonnen wird mit einem Stück aus dem extrem gelungenen 2003er Album “Cell-Scape”. Ohne dass ich jetzt sämtliche Alben der Band kenne, kann ich diese Platten jede(r)(m) empfehlen, der Lust hat die Band kennen zu lernen - nur Kracher und für MB-Verhältnisse auch durchgängig anhörbar. Das wissen die auf der Bühne auch, denn die Stücke aus diesem Album ziehen sich wie ein roter Faden durch das Set. So muss das auch sein, schön, wenn eine Band ihre Sternstunden erkannt hat und die Hits spielt. Nichts schlimmeres, wie ein Konzert, auf dem diese bewusst oder auch unbewusst ausgelassen werden. Es macht wieder richtig Spaß, sich das Spektakel anzuschauen, zwischen den Effekteskapaden schlägt Agata immer wieder ganz simple 3 Akkorde an und sofort geistert der “Punk” durch den Raum, sehr sympathisch. Ein wenig störend ist aber, dass die Abmischung nicht so ideal ist, denn erst nach der Hälfte der Show ist die Sängerin zum ersten Mal richtig zu hören.
Es gibt noch eine Zugabe für’s anständige und teilweise tanzende Publikum, die aus sehr vielen, sehr kurzen Songs besteht.
Arigatou. Das ist japanisch.
Hier gibt’s noch mehr Fotos.
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End of Green, Video und Album
von gig-blog · 22. August 2010
Gig-Blogger Michael Setzer kann nicht nur schreiben, sondern auch Gitarre spielen. Mit seiner Band End of Green hat er ein neues Album aufgenommen. “High Hopes In Low Places” ist am Freitag erschienen. Top-Chart-Entry wird das werden. Am kommenden Mittwoch geben die Boys im Stuttgarter Saturn eine Autogrammstunde ab 18 Uhr.
Hier das neue Video mit viel Natur, Gebirgssee und wehenden Haaren.
end of green – tie me a rope … while you’re calling my name from end of green on Vimeo.
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BEACH HOUSE, 18.08.2010, Manufaktur, Schorndorf
von Anja Wasserbäch · 19. August 2010
Genau das wäre jetzt das richtige: ein Beach House, ein Haus am Strand. Mit Sonne, Ruhe, Büchern, Musik und einem erfrischenden Wind. Es scheinen noch andere den Urlaub schon hinter oder noch vor sich zu haben. So ist die Manufaktur in Schorndorf angenehm gefüllt. Das fällt auch Alex Scally von Beach House auf. Als sie vor drei Jahren als Vorgruppe hier gastierten, seien es deutlich weniger gewesen. Munkelt man. Fakt ist, dass Beach House mit “Teen Dream” ein zauberhaftes Album aufgenommen haben. Gut, dass das inzwischen auch einige mitbekommen haben. Das sagte die nationale Presse zum Album:
“‘Teen Dream’ ist ein differenzierteres, dynamischeres und explizit kantigeres Gesamtwerk als alles, was Beach House zuvor auf Band brachten.” - Tonspion 02/10
Victoria Legrand und Alex Scally schafften es mit “Teen Dream” in die Top-50 der Billboard-Charts. Wir konnten sie schon am Wochenende beim Haldern-Pop-Festival bewundern, doch hier in der Manufaktur ist der Sound deutlich besser. Kristallklar. Fein ziseliert. Victoria Legrand und der Gitarrist Alex Scally haben zur Verstärkung zwei Musiker mitgebracht. Steve sang auch als Ein-Mann-Vorgruppe ein paar Songs – und gestand, dass die Band auf Tour eigentlich nichts anderes machen würde, als zu essen.
Ansehen tut man das ihnen keineswegs. Das Set von Beach House, in dem sie alle zehn Lieder ihres Album “Teen Dream” unterbringen, ist schön, kurzweilig und einfach gut. Sängerin Victoria ist entzückend, hat ihr schmales Gesicht stets irgendwo zwischen den Haaren versteckt. Mit ihren komischen, grazilen Gesten könnte man manchmal meinen, sie wolle dem Soundmann Anweisungen geben. Die Musik ist Zuckerwattepop, der nicht klebt. Es sind träumerische Sounds und ein atmosphärischer Auftritt. Die Lichtpyramiden auf der Bühne drehen sich, Nebel wabert durch den ganzen Raum und im Hintergrund funkelt ein Sternenhimmel. Das Beach House am Strand kann warten.
Hier gibt’s noch mehr Fotos von Beach House in der Manufaktur. Und wer die Galerie vom Haldern Pop Festival sehen möchte, klickt hier.
HALDERN POP, 12.-14.08.2010, Haldern, Tag 3
von Anja Wasserbäch · 15. August 2010
Pah, das Leben ist doch ein Ponyhof. Es ist ein herrliches Bild auf dem Weg zum Baggersee, der über den Hof eines Gestüts führt, wie die Indiecrowd mit ihren Wayfarer-Sonnebrillen, Trilby-Strohhüten und Ringeltops die Pferde streichelt.
Später am Abend, als The National auf der Bühne stehen, erzählt Sänger Matt Berninger, dass es so “beautiful” am See sei und dass sie viele nackte Menschen gesehen haben. “For us Americans a big deal.”
3. Festivaltag –> mehr Fotos
Potugal.The Man –> mehr Fotos
Fanfarlo –> mehr Fotos
Der Samstag ist der Sonnenschein-Tag. Badesee-Wetter. Es ist ein herrlicher letzter Tag des Haldern Pop-Festivals am Niederrhein. Die Kids, die hier liebevoll “Pop-Blagen” genannt werden, sammeln fleißig Pfandflaschen und bessern damit ihr Taschengeld auf. Ach, wie schön ist es hier auf dem platten Land. Portugal.The Man spielen ein wunderbares Set, Fanfarlo frönen dem Karohemden-Folk. Das “kleinste große Festival”, wie es der grundsympathische Moderator nennt, ist international. Auf der Bühne, vor der Bühne. Viele Holländer sind da. Auch auf Twitter, was sich sehr lustig liest. Meist kommt auch das Wörtchen “Gras” darin vor. Einer twittert: “Spiegeltent is überhot”. Besser kann man es nicht sagen. Aber hey, für die gig-blogger ist Sonnenschein auf Festivals eine echte Abwechslung. Und das Gelände in Haldern ist von einigen Bäumen gesäumt, so dass sich doch immer ein Schattenplätzchen findet.
The Low Anthem –> mehr Fotos
Da sitzen auch die elfenbein blassen Mädchen, die selbst auf einem Festival aussehen, als hätten sie sich für das tägliche Mode-Blog-Bild zurecht gemacht. Das Publikum ist aber angenehm gemischt: Keine Altersgrenzen, nach unten und nach oben. The Low Anthem im “überhotten” Zelt, das sich sonst auch irgendein bekannter Koch für seine Diner-Shows leiht, begeistert alle. Die Band spielt schöne Songs mit mehrstimmigem Gesang, mal wieder. Da war doch irgendetwas mit einem Folkrock-Revival? „Oh My God, Charlie Darwin“ heißt das aktuelle Low-Anthem-Album, das vom Musikmagazin „Mojo“ als „Gottesgeschenk“ gepriesen wird.
Blood Red Shoes –> mehr Fotos
Ganz anders, ganz indie wird es bei den Blood Red Shoes, die wir vermutlich schon zu oft gesehen haben, dass sie uns so wirklich vom Hocker reißen. Das sehr junge Boy-Girl-Duo kann durchaus was. Die Songs sind Hitgaranten. Der Sound ist schrammelig. The public gets what the public wants, hat einmal Paul Weller gedichtet. Und er hat heute noch Recht.
Efterklang –> mehr Fotos
Efterklang sind eine wirklich sehr großartige Band, zu der hier eigentlich schon alles gesagt wurde. Im Schocken war das Ganze noch viel heimeliger, auf der großen Bühne funktioniert der Dream-Pop der Dänen aber auch. Und Sänger Casper kommt sehr sympathisch rüber, wenn er sagt “you look good”. Efterklang tun das auch.
Sophie Hunger –> mehr Fotos
The Tallest Man on Earth –> mehr Fotos
Yeasayer –> mehr Fotos
The National –> mehr Fotos
Auf dem Haldern Pop hat man ständig das Gefühl, dass es nicht um die einzelnen Bands, sondern um das große Ganze geht. Auch wenn sich das jetzt pathetisch anhören mag. Sophie Hunger steht auf der Bühne und sagt: “Seit wir in Deutschland spielen, haben immer alle gesagt, dass wir versuchen sollen, auf dem Haldern zu spielen. Und das ist hier.” Sie lächelt stolz und zeigt dabei auf den Bühnenboden. Die Musik der Schweizerin mit ihrer Band hat der Guardian ganz passend beschrieben: “She’s a Laura Marlin, Beth Orton and Björk in one folk-rocking package.” Schon wieder Folkrock. Verfolgt vom Folkrock. Das war es dann aber wirklich. The Tallest Man on Earth steht für ein kurzes Set alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne und man bereut in diesem Moment, dass man ihn vor kurzem in der Schorndorfer Manufaktur verpasst hatte. Yeasayer aus New York City holen urbanen Dancesound auf’s Land und finden’s natürlich auch ganz “beautiful” hier. Während The National leider arge Soundprobleme haben. Matt Berninger meint in einer Pause, in der mal wieder irgendwelche Instrumente gecheckt werden müssen, dass er leider keinen Witz erzählen könne. Muss er ja nicht, so lange er solche melancholischen Lieder schreibt, die ein wirklich gebührender Abschluss sind.
Man fährt nach Hause. Zufrieden. Glücklich. Mit ein bis zwei neuen potentiellen Lieblingsbands im Gepäck. Mehr kann man nun wirklich nicht erwarten.
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HALDERN POP, 12.-14.08.2010, Haldern, Tag 2.2
von Anja Wasserbäch · 14. August 2010
Schauen da Hot Chip um die Ecke und schielen rüber zu New Order? Was machen aber die Gitarren da? Delphic sind clevere Jungs – und die Songs ihres Debüts “Acolyte”, das die erste Überraschung des Jahres war, funktionieren auch live hervorragend, wenn Open-Air die Sonne gerade untergeht. Der Auftritt von Delphic läutet irgendwie das Abendprogramm ein. Zeitlich (20.05 Uhr) wie auch musikalisch. Es glitzert und funkelt, Songs wie etwa “Counterpoint” lassen die Fans tanzen. Noch mehr Pluspunkte gibt es für die eng geschnittenen Hemden, die die Herren auf der Bühne tragen.
DAS Festival-Highlight bis jetzt sind aber Mumford & Sons. Großartig. Selten hat man erwachsene Männer im Publikum so lauthals und herzlich mitsingen gehört. Es passt ganz gut, dass gerade jetzt Seifenblasen in den Nachthimmel aufsteigen. Hymnenfolk ist das, was Marcus Mumford und seine Kollegen, die natürlich auch alle den Nachnamen Mumford tragen, da machen. Ganz groß. Die Besucher singen Zeile für Zeile mit. Kaum zu glauben, dass die Band im vergangenen Jahr noch im Spiegelzelt auftrat. Sie spielen auch ein paar neue Songs, die genauso toll wie die alten sind. Da wird vermutlich noch viel passieren mit der Band.
Das Kontrastprogramm gibt es bei Esben and the Witch, die sich nach einem Märchen benannt haben. Die Musik könnte auch prima ein Soundtrack für Filme à la “Donnie Darko” sein.
Beirut wiederum hat man sich als Brass-Party-Band vorgestellt, die Balkanbeats mit Tuba, Posaune und Trompete kombinieren, dazu auch noch Akkordeon und Ukulele spielen. Könnte ganz partykompatibel sein, ist es irgendwie dann aber doch nicht.
Als Schwaben müssen wir natürlich zum Schwaben Daniel Benjamin ins Spiegelzelt, der übrigens ein ganz wunderbares neues Album mit dem Titel “There’s A Deathbed For Your Monster” veröffentlicht hat. Was da mit seiner Band auf der Bühne passiert, ist schön und sehr rührig. Ganz wunderbar das alles. Als Special Guest holt Benjamin auch noch Matthias aus Finnland auf die Bühne. Das ist alles wie bei einem Familientreffen, bei dem sich ausnahmsweise alle mal gut verstehen. Die ollen Tanten sind ja zum Glück zuhause geblieben.
Auf den Ausweisen der vielen Kinder, die hier bei dem netten Dorffestival involviert sind, steht: “Wieviel Lieder darf ich noch?” Wir dürfen keine mehr. “Gut Nacht um zwölfe”, sagt man auf schwäbisch. Auch wenn es weit nach Mitternacht ist, wird es Zeit für die bloggenden Festivalbesucher sich ins Bett zu verabschieden. Junip, der als José Gonzales bekannt ist, spielt erst um 2.40 Uhr auf. Leider ohne uns.
Wie immer gibt es noch mehr Fotos von Delphic, Mumford & Sons, Esben And The Witch und Daniel Benjamin.






















