LAUNDROMAT CHICKS, TOPSY TURVY, 19.09.26 Club Manufaktur, Schorndorf

Anarchische Pop-Punk-Performance und spätsommerliche Melancholie mit großartigen popkulturellen Bezügen. Die beiden Wiener Bands wissen den Autor zu überzeugen.
Die Wiener Band Laundromat Chicks, deren Sound man als eine Melange aus Indie- und Jangle-Pop bezeichnen kann, ist mit ihrem aktuellen, dritten Album „Sometimes Possessed“ auf Tour. Ein Album, das durchwegs gute Kritiken bekam. Der Standard bezeichnete die Songs als „unaufdringliche Hits“, deren Schönheit und Melancholie gekonnt ins rechte Licht gerückt werden, und der geschmackssichere Radiosender FM4 bezeichnete die zehn Tracks als „stimmige Songs über Liebeskummer und das Erwachsenwerden“.

Als Supportband ist die ebenfalls aus Wien kommende Band Topsy Turvy, die musikalisch mehr im Post-Punk mit Lo-Fi-Spirit und Pop-Appeal zu verorten ist, am Start.
Als die drei Multiinstrumentalistinnen Theresa Strohmer, Lena Pöttinger und Victoria Aron von Topsy Turvy die Bühne betreten, sieht es, bedingt durch ihre minimalistischen Bühnenoutfits aus engen Bodys, roten Strumpfhosen und Lackstiefeln, mehr nach einer bevorstehenden Kunstperformance als nach einem Konzert aus. Die ersten Klänge erinnern mich an Soundtracks von 60er-Jahre-B-Movies à la Russ Meyer und auch Quentin Tarantino Scores lassen sich assoziieren. Ziemlich charmant und cool ist der Auftritt der Wienerinnen, deren Sound, trotz fast schon poppiger Eingängigkeit, eine gehörige Portion DIY-Charme gepaart mit Humor ausstrahlt. Und so kann man dann auch gleich wieder den eben genannten Regisseur Meyer als Referenz heranziehen. Strohmer, Pöttinger und Aron könnten mit ihren Outfits und der starken Bühnenpräsenz Figuren aus einem seiner Filme sein, allerdings nicht hypersexualisiert, sondern von feministischer Selbstverständlichkeit und Stärke geprägt.

Ein feines Live-Set wird uns hier dargeboten. Eine überzeugende Mischung aus ungeschliffenem Garage-Rock und Post-Punk, mit einer unaufgesetzten Arty-Attitüde. Ein wilder Stilmix ist das und stark, wie sie musikalische Genres ohne Berührungsängste amalgamieren – kurz meine ich, Takte, die an „The Final Countdown“ von Europe erinnern, zu vernehmen, die dann aber zum Glück nicht in der cheesy Hymnenhaftigkeit der 80er-Jahre-Charts-Rocker enden, sondern ordentlich punkig dekonstruiert werden.
„Hier gehts drum, dass man so arg meditiert, dass man stirbt. Passt bitte auf euch auf“ lautet die schwarzhumorige Ansage zum nächsten Song. Leicht sakral mutet dann auch der Keyboard-Sound an, aber die Gefahr des meditativen einschlafens besteht beim anarchischen Power-Pop des Trios definitiv nicht. Eklektizismus vom Feinsten präsentieren Topsy Turvy auf der Bühne. Und so wie sie die Stile wechseln, wechseln die Musikerinnen auch ihre Instrumente immer wieder gekonnt untereinander. Ein im besten Sinne verschrobenes Set, das wirklich Spaß macht.

Theresa Strohmer und Lena Pöttinger sind dann auch bei Laundromat Chicks, neben Tobias Hammermüller und Felix Schnabl Teil der Band. Ruhiger als das gerade eben gehörte und gesehene beginnt das Set. Surf Gitarren und ein lakonisch narrativer Gesang bestimmen den Sound.
Jangle-Pop mit vielen 70er und 80er-Jahre Reminiszenzen, voll spätsommerlicher, wohliger Melancholie. Das Quartett hat ein ausgeprägtes Gespür für feine und einprägsame Melodien. Sauber arrangiert sind die Songs, die mit viel Gefühl unaufgeregt performt werden. Geradezu zurückhaltend und fragil wirkt der Auftritt der Laundromat Chicks. Und doch hat die Musik Präsenz, die Rhythmusgruppe spielt tight nach vorne und animiert zum Bewegen.

Der Gesang von Hammermüller erinnert mich in seiner lässigen Lakonie an Stephen Malkmus von Pavement, jener ikonischen US-Indie-Rock-Band der 1990er Jahre.
Aber trotz aller lässigen Zurückhaltung der Musik, glatt und oberflächlich ist sie wahrlich nicht. Der Lo-Fi-Sound hat genügend Ecken und Kanten um zu verfangen und spannend zu bleiben. Die Laundromat Chicks machen Musik, die der Soundtrack eines neuen Slackertums sein könnte. Musik, die uns aus der Hypernervosität der Gegenwart holt.
