LANDE HEKT, MONTAFON, 14.09.2026, Private Location, Stuttgart

Der längste Sommer aller Zeiten ist fast vorbei und ich bin bis zur letzten tropischen Nacht wild entschlossen, das Beste daraus zu machen. Das Ende der großen Ferien geflissentlich ignorierend, stehen schließlich zwei meiner persönlichen Highlights erst in der Nachspielzeit auf dem Programm. Zum einen Eric Pfeils Besuch im Merlin am Dienstag mit seinem aktuellen Buch „Hotel Celentano“. Lesen Sie dazu morgen den (sicher) sehr guten Bericht von Kollege Fabian.
Highlight Nummer zwei, Lande Hekt spielt einen Tag vorher, also am Montag, in einer geheimen Location in Stuttgart. Ich bin mir nicht sicher, in welchem Zusammenhang ich zum ersten Mal auf die britische Songschreiberin und Musikerin gestoßen bin. Vermutlich zum einen durch meine normale Jangle-/Twee-Pop-Bubble und zum anderen durch Lande Hekts geschmackssicheres Label Tapete Records aus Hamburg, bei dem sie derzeit ihr musikalisches Zuhause hat.
Für mich persönlich am relevantesten sind allerdings trotz aller Verwicklungen und Empfehlungen immer die Songs, und die haben mich bei ihr sofort begeistert. „Lucky Now“ ist ein absoluter Überhit. Ich liebe es, wie sich der Chorus schimmernd und unwiderstehlich herauskristallisiert und in einer selbstbewussten Wiederholung gipfelt. Dazu Lande Hekts tolles, gekonntes Gitarrenspiel und die glockenklare Stimme. Wow. Über ihre Vorgängerband Muncie Girls (Power-Konzertgänger C. hat sie 2018 im Jugendhaus West gesehen) weiß ich leider nichts, werde aber im Nachgang nochmal ausführlich reinhören. Sachdienliche Hinweise gerne in den Kommentaren.
Zum Glück kenne ich den Weg zur Secret Location bereits und bin überpünktlich vor Ort. Gerne hätte ich noch ein bisschen intensiver der sorgfältig zusammengestellten Konzert-Warm-Up-Musikauswahl von DJ Singleton im Saal gelauscht, draußen vor der Tür lockt allerdings der milde Spätsommerabend und viele nette Menschen und Gespräche.

Auf der Bühne eröffnet gegen halb neun Montafon aus Stuttgart den Abend. Montafon ist das Soloprojekt von Matze von Kaufmann Frust, begleitet von einem weiteren Gitarristen. Ich bin zu wenig im entsprechenden Band-Kosmos drin, um eine vollständige Einordnung vorzunehmen (Dieselstrasse Esslingen-Connection scheint relevant zu sein), was ich höre, gefällt mir aber richtig gut. Zwei Gitarren (Akustik- und E-Gitarre) die sich schön gegenseitig ergänzen, schlichter, schnörkelloser, kraftvoller Gesang auf Deutsch, manchmal zweistimmig, gelegentlich kommt eine Klarinette oder Drum Machine dazu. Bittersweet, Lo-Fi, zwischendrin krachig und ein bisschen anklagend von der Grundstimmung. Ein sympathischer und überzeugender Auftritt.

Nach kurzer Pause geht es weiter. Zum Hauptact hin wird on stage eher abgerüstet. Wir fragen uns, ob Lande Hekt wohl allein auftritt. Ja, tut sie. Wer musikalisch und gesanglich so stabil aufgestellt ist wie sie, kann sich das auch erlauben. Ein sehr überschaubares Pedalboard, handbeschriebene, verstreute Textblätter am Boden (nach eigener Aussage als „Sicherheitsnetz“), Gitarre umgehängt, kann losgehen.
„A Million Broken Hearts“ ist direkt ein veritabler Jangle-Pop-Hit, bei dem sich in bester Hekt-Tradition nach ca. sechzig Sekunden die tolle Hook, hier right from the start/tear us apart, herausschraubt. „Dankeschön“, bedankt sie sich freundlich. Und fügt dem durchaus politisch gemeinten Song nachträglich noch ein herzliches „Fuck AfD“ hinzu.

Es folgt der nächste Hit, „Favourite Pair of Shoes“, zu dem es auch ein tolles Wuthering-Heights-eskes Video gibt. Lande Hekt bedankt sich, an so einem coolen Ort spielen zu dürfen, und fühlt sich sichtlich wohl vor den hauseigenen Goldpapier-Monden, die als simple, aber effektvolle Bühnendeko im Hintergrund hängen. Im dritten Stück „Coming Home“ geht es darum, wie es sich anfühlt, als junger Mensch zum ersten Mal auf Tour zu sein. Wir erfahren in diesem Zusammenhang von der sehr lockeren und gesprächigen Lande Hekt, dass sie aus Exeter stammt und ihr erstes Wort als Kind „Kuh“ war.
Schon an vierter Stelle wird interessanterweise der Superhit „Lucky Now“ im Set platziert. Irgendwie fällt mir jetzt auch auf, dass Lande Hekt mich an die von mir ebenfalls sehr verehrte Emma Lee Moss (früher Emmy The Great) erinnert. Die wortreichen Lieder, die wunderschöne, softe, klare Stimme, das coole Understatement. Ob es da irgendwelche Querverbindungen gibt?

Vor dem fünften Stück wird das niedliche, ohrenlose Zebra gelobt, das ebenfalls Teil der Bühnendeko ist, und es gibt eine kurze Tuning-Pause, denn auf der Europa-Tour ist nur eine Gitarre dabei, und die muss dann eben bei Bedarf entsprechend umgestimmt werden.
Es folgt ein Stück, in dem es um den Klimawandel geht, sowie ein Cover der Band The Wedding Present („Octopussy“). Anschließend der Song „Circles“, zu dem der Text auf den Blättern am Boden notiert ist. Allerdings aufgrund der Schriftgröße kaum lesbar, wie Lande Hekt selbstkritisch einräumen muss. Klingt für mich trotzdem super und fehlerfrei.

„Rabbits“ wurde inspiriert von einer Sommersonnwende-Feier in Glastonbury und Hekt erzählt, dass sie trotz Sozialisierung in einer Hippie-Familie („Wir waren Vegetarier!“) mit allzu esoterischen Bräuchen etwas fremdelt.
Das elfte Stück („Pottery Class“) kündigt sie damit an, dass es zu den „most gay“ songs in ihrem Set gehöre. Anders als gewisse Politikerinnen sehe sie sich selbst auch sehr wohl als „politically lesbian“, das wolle sie an dieser Stelle betonen. Das Stück geht nach einem kurzen „thank you“ über in „Gay Space Cadets“. Zur Zugabe lässt sich Lande Hekt nicht lange bitten, verabschiedet sich aber erst einmal noch freundlich und sagt, sie hoffe, dass wir uns hier in Stuttgart bald wiedersehen. Der Abend endet mit dem Song „Kitchen II“.

Als Einzel-Popstar muss man natürlich auch den Merch-Stand persönlich betreiben. Und so kommt es abschließend noch zu diversen netten Fan-Interaktionen und es stellt sich heraus, dass Lande Hekt (wie ich) großer Fan der fantastischen Liz Hunt von The School ist. Beide (Lande Hekt und The School) spielen Ende September beim Paris Popfest. Heißer Tipp!
Glücklich und bepackt mit Platte und T-Shirt mit Puffin-Aufdruck geht es beschwingt hinaus in die Restwoche. Vielen Dank, Lande Hekt und Secret Location für diesen wunderbaren Abend!
