ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
Foto: Holger Vogt

„I’m 67 and I don’t give a fuck!“ Die junggebliebenen OMD liefern einen souveränen und sehr unterhaltsamen Konzertabend auf der Freilichtbühne. Mit Songs für die Ewigkeit und sülzigem Synthiepop.

Hat jemand etwas von einer Sonnenfinsternis gesagt? Bis auf ein paar erkennbar sofibebrillte Konzertbesucher*innen der sommerlichen Freilichtbühne Killesberg, die auf den obersten Rängen nach den letzten Sonnenstrahlen gieren, ist das Medienereignis im Verlauf eines gelungenen Konzertabends schnell vergessen. Denn musikalisch gelangweilt hat sich an diesem für ein Open-Air-Konzert rundum perfekten Abend wohl niemand.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Wobei die eröffnenden Zoot Woman zunächst schon etwas langatmig daherkommen – und das bei einem nicht mal halbstündigen Auftritt. Die Herren Blake und Price setzen showtechnisch wie bereits letztes Jahr im Goldmarks allein auf die Wirkung ihrer schicken bunten Anzüge. Auch spielen Sie ihre ein Vierteljahrhundert alten Hits wie „Living In A Magazine“ und „It’s Automatic“ – aber es nützt nichts. Routiniert und ohne Leidenschaft wird das kurze Elektropop-Programm abgespult und obwohl die Musik schon sehr gefällig und tanzbar ist, sind die Reaktionen des noch nicht allzu zahlreichen Publikums eher reserviert. Eine komplette Band mit Bass und Drummer hätte schon viel geholfen. Jungs, da habt ihr die Gelegenheit, im Karriereherbst nochmal vor großem Publikum zu spielen und bietet einen derart blutleeren Auftritt?

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Da ist Andy McCluskey, Kopf und Stimme von Orchestral Manoeuvres In The Dark, ein ganz anderes Kaliber. Der freut sich erkennbar über den herrlichen Rahmen am Killesberg, das perfekte Sommerwetter und die mittlerweile gut gefüllte Arena. Und er hat echte Entertainer-Qualitäten – was ich bei meinem ersten OMD-Konzert nicht erwartet hätte. Auch mit dem Ouevre der ikonischen 80er-Jahre-Band tue ich mich grundsätzlich ein wenig schwer – mein Best-Of-Vinyl vorab extra nochmal durchgehört, offenbart es aus heutiger Sicht doch überwiegend sülzigen Synthiepop ohne allzu großen Esprit. Bis auf die Handvoll Singles für die Ewigkeit natürlich, von der solche Bands selbstredend zehren und über die noch zu sprechen sein wird.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Es fängt aber gleich richtig gut und unerwartet schwungvoll an: „Isotype“, „Messages“ und „Tesla Girls“ haben satten Beat und Drive, für eine Location im großkopferten Wohngebiet ist es auch ganz schön laut. Das Ü50er-Publikum geht von Anfang begeistert mit und auch ich habe vorerst nichts zu meckern. Selbst das doch recht seichte „If You Leave“ aus dem 80er-Klischee-Kinohit „Pretty In Pink“ will mir heute gut gefallen. Dann kommt allerdings das, wie ich vor Ort erfahre, nicht nur von mir gefürchtete „Joan Of Arc (Maid Of Orleans)“ mit seinem gräßlichen Schunkelbeat – ein Song an dem sich die Geister scheiden. Die Verächter*innen sind allerdings klar in der Unterzahl, großflächig gezückte Handys (Querformat natürlich) sprechen eine deutliche Sprache. Auch sonst ist die Stimmung ausgesprochen beschwingt. Ich verlagere mich nach vorne rechts der Bühne, wo motivierte Frauen einen gutgelaunten Dancefloor etablieren.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Tatsächlich sehe ich kein einziges griesgrämiges Gesicht, alle scheinen sich prächtig zu amüsieren – vor allem der junggebliebene Andy McCluskey („I’m 67 and I don’t give a Fuck“) freut sich zu Recht über diesen souveränen Auftritt. Schließlich sind wir jetzt bei den richtig guten Hits angekommen: „Talking Loud And Clear“ fand ich mit seinen latenten Beatles-Anklängen schon immer toll, „Locomotion“ ist zeitlosester Pop und „Enola Gay“ zurecht bis heute ein Klassiker auf allen Eighties-Dancefloors der Welt. Wie natürlich auch der OMD-Song schlechthin: „Electricity“, ihre frühe Sternstunde und allererste Single, anno 1979 noch auf Factory erschienen. Auch heute ist die nach 47 Jahren verschleißfrei hörbare Nummer krönender Abschluss eines sehr unterhaltsamen Konzertabends. Und was war jetzt mit der Sonnenfinsternis? Ich habe gar nicht mehr daran gedacht und im tiefergelegten Amphitheater auch nichts bemerkt. Vermutlich ein gutes Zeichen für ein rundum gelungenes Konzert.

ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart | Foto: Holger Vogt
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Orchestral Manoeuvres In The Dark

Zoot Woman

2 Gedanken zu „ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK, ZOOT WOMAN, 12.08.2026, Freilichtbühne Killesberg, Stuttgart

  • 15. August 2026 um 08:20 Uhr
    Permalink

    Es war ein Mega Konzert, war restlos begeistert.
    Wenn es nicht so warm gewesen wäre, hätte ich mit getanzt.

  • 21. August 2026 um 10:45 Uhr
    Permalink

    Es war ein ganz tolles Konzert, voll Power und guter Laune.
    Seit 1979 OMD Fan.

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